Handelsblatt.com-Nutzer mehrheitlich gegen Börsenöffnung
Deutsche Börse verteidigt Fortsetzung des Handels

Die Deutsche Börse AG hat ihre Entscheidung verteidigt, nach der Anschlagserie in den USA den Aktienhandel in Frankfurt fortzusetzen. Dadurch hätte vor allem die Chancengleichheit zwischen institutionellen und Privatanlegern gewahrt werden sollen, sagte Unternehmenssprecher Frank Hartmann am Mittwoch. Wäre der Handel ausgesetzt worden, hätte die Unsicherheit den "Druck aufgestaut".

HB/dpa-afx FRANKFURT. Institutionelle Anleger hätten immer die Möglichkeit, auch außerhalb der Börsen zu handeln, erläuterte der Sprecher. Diese Chance sei Privatanlegern verbaut. Ein Abbruch des Frankfurter Handels hätte darüber hinaus Schlupflöcher gelassen, denn sowohl die deutschen Regional- als auch die europäischen Börsen hätten ihren Handel fortgesetzt.

Neben der Frankfurter Börse sei auch der Terminhandel an der Eurex betroffen gewesen. Der dortige Optionshandel, mit rund 4 Mio. Terminkontrakten am Dienstag, sei "über die Frankfurter Börse mit abgesichert". Im Ergebnis hätten sich Vorstand und Geschäftsführung der Deutschen Börse daher gegen eine Aussetzung des Handels entschieden.

Händler mit zweispältiger Meinung zur Entscheidung

Börsenhändler hatten dagegen zwiespältig auf die Entscheidung reagiert. Oliver Hauer von M.M. Warburg sagte, er habe die Entscheidung der Börse überhaupt nicht verstanden. Seiner Ansicht nach hätte ein Stopp des Handels die großen Kursverluste am Dienstag begrenzt. Der Leitindex Dax hatte am Dienstag bis zu 12 Prozent abgegeben. Deshalb und aus Pietätsgründen sei er für eine Aussetzung gewesen, meinte Hauer.

Fidel Helmer von Hauck & Aufhäuser sagte, es sei zwar falsch gewesen, den Handel am Dienstag fortzusetzen. Eine Aussetzung des Handels am Mittwoch komme für ihn aber nicht in Frage: "Ansonsten hätten die Terroristen genau das erreicht, was sie mit den Anschlägen erreichen wollten."

Andreas Köchling, Leiter der Wertpapier-Analyse bei der Frankfurter Sparkasse 1822, hält die Fortsetzung des Handels für die richtige Entscheidung. Er verstehe jedoch jeden, der aus persönlichen Gründen sage, der Handel müsse gestoppt werden. "Aber man darf diesen Irren nicht nachgeben", sagte er mit Blick auf die Terroristen. Die Situation sei ähnlich wie bei einer Geiselnahme oder Entführung: "Wenn man einem Täter Zugeständnisse macht, passiert so etwas schnell wieder."

Handelsblatt.com-Nutzer überwiegend gegen Handelsfortsetzung

Eigenen aktuellen Umfrageergebnissen zufolge lehnten Handelsblatt.com-Nutzer die Fortsetzung des Börsenhandels am heutigen Mittwoch mit großer Mehrheit ab. Einer der Umfrage-Teilnehmer schrieb: "Wenn die Börsen nach einem so erschütternden Ereignis, was Angst und Schrecken auf der Welt verbreitet, einfach weitermachen, wird dem spekulativen Anteil des Wertpapiergeschäfts und der Psychologie Tür und Tor geöffnet. Der reale Wert der börsennotierten Unternehmen wird unwichtiger und zudem weiter geschwächt. Das Vertrauen in diese Form der Geldanlage wird für die Masse weiter erschüttert. Wer von den Händlern will das?"

Umfrage-Ergebnis und Teilnehmer-Stimmen auf einen Blick

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