Handelsblatt-Eurokonjunktur-Indikator stagniert den zweiten Monat in Folge
Euro-Land dümpelt vor sich hin

Das derzeit lahme Wirtschaftswachstum in Euro-Land dürfte sich mindestens bis ins nächste Frühjahr fortsetzen, signalisiert der Handelsblatt- Eurokonjunktur-Indikator. Immerhin: Das Barometer liefert keine Anzeichen für einen neuen Abschwung.

HB DÜSSELDORF. Wim Duisenberg macht sich keine Illusionen: In den kommenden Monaten bleibe das Wachstum in der Euro-Zone "verhalten", erwartet der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Vergangenen Donnerstag rang sich die EZB daher zu einer kräftigen Senkung der Leitzinsen um 50 Basispunkte auf 2,75 % durch. Eine Entscheidung, die fast alle Bankenvolkswirte begrüßen. Dass das billigere Geld aber die schnelle Wende bringt für die malade Konjunktur, glaubt kaum ein Experte.

Wenig Mut auf bessere Zeiten macht auch der Handelsblatt-Eurokonjunktur-Indikator. Im Dezember stagnierte er zum zweiten Mal in Folge auf dem Wert des Vormonats. Das bedeutet: Mindestens bis ins Frühjahr bewegt sich die Konjunktur in der Euro-Zone seitwärts. "Der Indikator lässt wenig Hoffnung auf eine Konjunktur-Belebung in absehbarer Zeit aufkommen", sagt Ulrich van Suntum, Ökonomie- Professor an der Uni Münster, der den Indikator berechnet. Aber immerhin: Das Barometer liefert auch keine Anzeichen für eine Rezession in der Euro-Zone. Der vergleichsweise hohe Indikator-Wert von 1,9 % Wachstum in gleitender Jahresrate dürfte aber die Wachstumsdynamik deutlich überzeichnen. Denn die Aussagekraft von zwei wichtigen Einzelgrößen des Indikators ist derzeit stark eingeschränkt.

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Problem Nummer eins: Das Unternehmervertrauen, das im Indikator ein hohes Gewicht hat, ist verzerrt. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 fürchteten die Unternehmen zunächst das Schlimmste, die Stimmung fiel in den Keller. Als die Weltwirtschaft den Terrorschock dann deutlich besser wegsteckte als gedacht, wich der ausgeprägte Pessimismus ähnlich ausgeprägtem Optimismus. Das Unternehmervertrauen erholte sich rasant von seinem Tiefstand im November 2001. Nur folgte die Realwirtschaft dem Stimmungsindikator nicht so wie früher nach oben.

Problem Nummer zwei: die Geldmengenentwicklung. Auch sie ist derzeit nur mit großer Vorsicht zu interpretieren. Seit Monaten hat sich das Wachstum der Geldmenge massiv beschleunigt - in normalen Zeiten ein Zeichen für einen starken Aufschwung. Anders als in der Vergangenheit dürfte aber diesmal aus dem starken Wachstum keine zusätzliche Güternachfrage erwachsen. Denn wegen der Börsenkrise haben viele Investoren ihr Anlageverhalten geändert, ihr Geld aus Aktien abgezogen und oft in Geldmarktfonds angelegt. Die Geldmenge wächst also vor allem wegen Portfolio-Umschichtungen. Ihre Signalwirkung für die Konjunktur ist daher stark gemindert.

Der Handelsblatt-Eurokonjunktur-Indikator besteht aus sechs Einzelkomponenten. Die aktuellen Entwicklungen:

  • Das Industrievertrauen (Gewicht im Indikator: 33,6 %) hat sich zuletzt weiter leicht erholt. Mit-10 Punkten lag es im November zwar deutlich über dem vor einem Jahr erreichten Tiefstand von-19 Punkten, aber eben immer noch deutlich im negativen Bereich.


  • Das Konsumentenvertrauen (Gewicht: 8,9 %) brach im November erneut ein. Es fiel von-12 auf-14 Punkte, der niedrigste Wert seit Juli 1997. Hauptgrund ist der katastrophale Vertrauenseinbruch in Deutschland, wo der Index in zwei Monaten von-5 auf-17 Punkte sackte.


  • Die Industrieproduktion (Gewicht: 21,0 %) sank im September saisonbereinigt um 0,2 % und damit im gleichen Ausmaß, um das sie im Vormonat gestiegen war. Der um monatliche Schwankungen bereinigte mittelfristige Trend, der in den Handelsblatt-Eurokonjunktur-Indikator eingeht, droht damit wieder ins Negative zu kippen.


  • Die Geldmenge M1 (Gewicht: 19,9 %) wuchs im November mit 8,2 % noch schneller als in den Vormonaten. Die konjunkturelle Aussagekraft des Geldmengenwachstums ist derzeit aber begrenzt.


  • Die Inflationsrate (Gewicht: 3,9 %) stieg im Oktober auf 2,3 %. Damit gibt es immerhin keine Signale für eine Deflation, zumal die Kerninflationsrate bei rund 2,5 % liegt.


  • Die Zinsdifferenz (Gewicht: 12,7 %) ist im November nach vorläufigen Daten weiter von 1,4 % auf 1,5 % gestiegen. Die kurzfristigen Zinsen sanken von 3,26 auf 3,13 %. Die Rendite 10-jähriger Staatsanleihen dürfte den Novemberwert von 4,62 % dagegen sogar leicht übertroffen haben.


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