Handelsblatt-Eurokonjunkturindikator steigt weiter an
Aufschwung in Euro-Land bleibt verhalten

Der Handelsblatt-Eurokonjunkturindikator signalisiert, dass sich der Aufschwung in der Euro-Zone fortsetzen wird. Allerdings wird er, nicht zuletzt aufgrund der getrübten Stimmung bei Unternehmen und Verbrauchern, nicht weiter an Fahrt gewinnen.

Der Handelsblatt-Eurokonjunkturindikator hat sich im August geringfügig von 1,6% auf 1,7% verbessert. Ausschlaggebend waren die trendmäßige Besserung der Industrieproduktion und der hohe Geldmengenzuwachs bei gleichzeitig sinkender Inflationsrate. Inzwischen ist die Aufschwungseuphorie jedoch größerer Skepsis gewichen, nicht zuletzt wegen der Aktienkrise, der Unsicherheit über die amerikanische Konjunkturentwicklung und der Aufwertung des Euros.

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Darauf deuten insbesondere die kürzlich von der EU-Kommission veröffentlichten Stimmungsindikatoren für Juli hin. Das Industrievertrauen verharrte mit-10 Punkten auf dem Stand des Vormonats. Die Entwicklung in den einzelnen Ländern des Euro-Raums war dabei recht uneinheitlich. Während sich das Industrievertrauen in Deutschland deutlich verbessert hat, sind die Vertrauenswerte in Belgien und Frankreich gesunken. Die Skepsis der Verbraucher hingegen ist weiter gewachsen. Sie schätzten sowohl die allgemeine ökonomische Situation für die kommenden 12 Monate als auch ihre eigene finanzielle Lage deutlich schlechter ein als noch im Vormonat. Dies dürften Gründe dafür sein, dass die Bereitschaft der Konsumenten zu größeren Anschaffungen weiter gesunken ist. Mit einer Steigerung des privaten Konsums und dem damit verbundenen Anziehen der Binnenkonjunktur ist somit in nächster Zeit nicht zu rechnen.

Die harten Daten rechtfertigen die gedämpfte Stimmung der Unternehmen und Verbraucher allerdings nicht. Die Industrieproduktion verzeichnete im Mai einen Zuwachs von 0,1% und setzte damit ihren Aufwärtstrend fort. Dazu beigetragen haben insbesondere Italien mit einem Plus von 1,6% sowie die Niederlande (+1,4%). Rückläufig war die Industrieproduktion hingegen in Spanien (-1,2%) und Deutschland (-0,9%).

Eine positive Entwicklung ist auch an der Preisfront zu beobachten. Die Inflationsrate für die Euro-Zone sank im Juni um 0,2 Punkte auf 1,8% und erreichte damit ihren niedrigsten Stand seit Dezember 1999. Der Preisauftrieb wurde durch sinkende Energiepreise und einen langsameren Anstieg der Lebensmittelpreise gebremst. Der steigende Euro sorgte zudem für günstigere Importe. Auch die Verbraucher haben ihre Inflationserwartungen nach unten korrigiert. Überschattet wird der abnehmende Preisdruck allerdings durch den weiter zunehmenden Geldmengenüberhang. Im Juni lag M1 um 7,4% (nach 6,5% im Mai) über dem entsprechenden Vorjahresstand, die weiter abgegrenzte Geldmenge M3 um 7,3%. Es ist folglich mehr Liquidität vorhanden, als zur Finanzierung eines inflationsfreien Wachstums benötigt würde. Da sich das starke Geldmengenwachstum erst mit einer zeitlichen Verzögerung von rd. zwei Jahren auf das Preisniveau auswirkt, sollte die EZB mit einer baldigen Leitzinserhöhung rechtzeitig gegensteuern. Ansonsten bestünde die Gefahr, dass die erhebliche Überschussliquidität im Zuge der konjunkturellen Erholung den langfristigen Inflationsdruck anheizt.

Die Marktzinsen sind weiter gesunken. Infolge der Turbulenzen an den Aktienmärkten und den damit verbundenen Portfolioumschichtungen der Anleger zugunsten sicherer Anleihen kam es zu einem Rückgang der Anleiherenditen. Die Rendite 10jähriger Staatsanleihen sank im Juli um geschätzte 0,1 Prozentpunkte auf 5,06%. Auch der Dreimonatszins Euribor sackte leicht ab, weshalb die Zinsdifferenz auf ihrem Vormonatsniveau von 1,7 Prozentpunkten verharrte.

Insgesamt signalisiert der Handelsblatt-Eurokonjunkturindikator, dass sich der Aufschwung in der Euro-Zone fortsetzen wird. Allerdings wird er, nicht zuletzt aufgrund der getrübten Stimmung bei Unternehmen und Verbrauchern, nicht weiter an Fahrt gewinnen. Für das dritte Quartal prognostiziert der Indikator eine Wachstumsdynamik von 1,3% (in gleitender Jahresrate). Das entspricht einem Zuwachs von 3,8% gegenüber dem Vorjahresquartal. Auf das gesamte Jahr gesehen kann durchaus ein Wachstum von 1,5% im Euro-Raum erreicht werden. Das aktuelle Konjunkturbild deutet auf einen eher verhaltenen Wachstumspfad bis in das nächste Jahr hinein.

Die aktuelle Entwicklung der Einzelindikatoren:



  • Das Industrievertrauen im Euroraum ist im Juli unverändert bei-10 Punkten stehen geblieben und liegt damit weiterhin auf dem Stand von August 2001. In Deutschland hat sich die Stimmung mit-17 nach-19 Punkten deutlich aufgehellt, während sie sich in Belgien und Frankreich eingetrübt hat.





  • Das Konsumentenvertrauen sank erneut um einen Punkt auf jetzt-10 Punkte. Die Verbraucher sehen insbesondere die allgemeine ökonomische Situation erheblich pessimistischer als noch in den beiden Monaten zuvor. Die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen ist gesunken.





  • Die Industrieproduktion ist im Mai überraschend um 0,1% angezogen. Den größten Sprung nach vorne machten Italien und die Niederlande mit 1,6% bzw. 1,4%. Negative Vorzeichen gab es hingegen in Deutschland (-0,9%) und Spanien (-1,2%).





  • Die Geldmenge M1 stieg weiter stark an. Im Juni hat sie um 7,4 % über dem Vorjahresstand gelegen (im Vormonat 6,5%). Auch saisonbereinigt hat die jährliche Wachstumsrate von M1 wieder zugelegt.





  • Der harmonisierte Verbraucherpreisindex für die 12 Euroländer lag im Juni um 1,8% über Vorjahresstand nach 2% im Vormonat. Die niedrigste Rate hatte Deutschland (0,7%). Ersten Schätzungen zufolge dürfte die Teuerungsrate in der Euro-Zone im Juli wieder auf 1,9% angestiegen sein.





  • Die Differenz zwischen langfristigen und kurzfristigen Zinsen ist im Juli mit 1,7 Prozentpunkten unverändert geblieben. Der Dreimonatszinssatz Euribor sank von 3,46% auf 3,41%. Die noch nicht offiziell verfügbare Durchschnittsrendite für 10jährige Staatsanleihen dürfte sich ebenfalls verringert haben auf 5,06% nach 5,16% im Juni.



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