Handelsblatt-Eurokonjunkturindikator steigt weiter an
Eurokonjunktur kommt endlich in Fahrt

Das erste Halbjahr ist gelaufen, aber nach der Jahresmitte nimmt der Konjunkturzug in Euroland endlich Fahrt auf. Das prognostiziert der Handelsblatt-Eurokonjunkturindikator mit seinem aktuellen Anstieg auf 1,5 % im Juni.

HB DÜSSELDORF. Er hat das schwache Wachstum von nur 0,9% im ersten Quartal in gleitender Jahresrate fast punktgenau (1,0%) vorausgesagt. Der Zuwachs gegenüber dem ersten Quartal des Vorjahres ist mit 0,1% noch etwas schwächer ausgefallen als von dem Indikator vorhergesagt (0,4%).

Bis zur Jahresmitte dürfte sich die Wachstumsdynamik im Euroraum zunächst kaum beleben. Dann aber wird der Wendepunkt erreicht sein. Für das dritte Quartal prognostiziert der Eurokonjunkturindikator eine Wachstumsdynamik von 1,3%. Auf das ganze Jahr gesehen sind nach dem aktuellen Indikatorstand ohne weiteres 1,5% möglich. Sollte sich der Indikatoranstieg in den kommenden Monaten weiter fortsetzen, ist auch noch mehr drin.

>>Tabellen und Grafiken

Während Deutschland in vieler Hinsicht noch nachhinkt, entwickelt sich Frankreich zunehmend zum Zugpferd der europäischen Konjunkturerholung. Nach der saisonbereinigten Berechnung von Eurostat ist schon im ersten Quartal das französische Inlandsprodukt mit 0,35% gegenüber dem Vorquartal stärker gewachsen als in Deutschland (+0,16%) und Italien (+0,2%). Auch die Industriedynamik war in Frankreich zuletzt stärker als in den anderen großen Ländern der Währungsunion. Das hat wesentlich dazu beigetragen, daß die Industrieproduktion in Euroland im April zum vierten mal in Folge angestiegen ist, und zwar gleich um 0,5% gegenüber dem Vormonat.

Entsprechend gut ist derzeit die Stimmung von Industrie und Verbrauchern in unserem Nachbarland. Sowohl das Industrievertrauen als auch das Konsumentenvertrauen hat sich im Mai überdurchschnittlich stark verbessert. Das hat auch die entsprechenden Werte für den Euroraum insgesamt mit nach oben gezogen. Deutschland hat hier noch erheblichen Nachholbedarf, auch gegenüber Italien und Spanien. Trotzdem: Insgesamt liegen die Vertrauenswerte im Euroraum jetzt erstmals wieder besser als im vergangenen September. Die Auftragsbücher beginnen sich wieder zu füllen, die Lager leeren sich und auch die Konsumenten sehen wieder etwas optimistischer in die Zukunft als noch im April. Damit sollte das Trauma vom Abgleiten in die Rezession nach dem 11. September überwunden sein.

Dafür erhebt schon wieder ein anderes Gespenst sein garstiges Haupt, nämlich die Inflation. Noch herrscht scheinbar Ruhe an der Preisfront, die aktuelle Inflationsrate im Euroraum ging im April sogar weiter von 2,5% auf 2,4% zurück. Für Mai deuten erste Schätzungen einen weiteren Rückgang auf 2,0% an. Das Inflationsziel von unter 2% im Jahresdurchschnitt dürfte trotzdem kaum noch erreichbar sein. Weit besorgniserregender ist aber das nach wie vor aus dem Ruder laufende Geldmengenwachstum.

Die von der EZB beschworene Normalisierung der Geldmengenentwicklung nach dem 11. September ist bisher nicht im Ansatz erkennbar, im Gegenteil: Im April lag M1 bereits um knapp 7% über dem entsprechenden Vorjahresstand, die weiter abgegrenzte Geldmenge M3 sogar um 7,6%. Auch saisonbereinigt hat sich der Geldmengenzufluß zuletzt stark beschleunigt. Nachdem konjunkturell jetzt die größten Sorgen vorbei sind, wird es für die Europäische Zentralbank jetzt allmählich Zeit zum Handeln. Dem Aufschwung würde eine Leitzinserhöhung wohl nicht mehr schaden. Eher wäre zu erwarten, daß sie zur Stabilisierung des nach wie vor erfreulich niedrigen Kapitalmarktzinses beiträgt. Einem auf längere Sicht stabilen Wachstumspfad wäre nichts förderlicher, als neue Inflationserwartungen gar nicht erst aufkommen zu lassen.

Die aktuelle Entwicklung der Einzelindikatoren:



  • Das Industrievertrauen im Euroraum hat sich von jeweils-11 Punkten in den beiden Vormonaten auf-9 Punkte im Mai erholt. Vorreiter der positiven Entwicklung sind Spanien, Italien, Frankreich und Belgien. In Deutschland blieb die Stimmung mit-18 nach-19 Punkten noch immer stark gedrückt.





  • Die Konsumenten sind mit-8 nach-10 Punkten ebenfalls zuversichtlicher geworden. Auch hier hängt Deutschland mit unverändert-1 Punkten der Entwicklung hinterher. Bemerkenswert. Die Verbraucher rechnen mit einer Besserung von Konjunktur und Beschäftigung im Euroraum, aber mit eher wieder nachlassendem Preisdruck. Der Euroschock scheint also allmählich abzuebben.





  • Die Industrieproduktion ist im März überraschend kräftig um 0,5% angezogen und hat sich damit zum vierten mal in Folge erholt. Den größten Sprung nach vorne machte Irland mit satten 16% innerhalb eines Monats. Negative Vorzeichen gab es zuletzt nur noch in Deutschland (-0,3%) und Italien (-0,6%).





  • Die Geldmenge M1 lag im April vorläufigen Angaben zufolge um 6,9% über dem entsprechende Vorjahresstand. Sie läuft damit zunehmend aus dem Ruder, saisonbereinigt nahm sie allein im letzten Monat um 1,4% zu. Die Europäische Zentralbank dürfte sich das nicht mehr lange ansehen.





  • Der harmonisierte Verbraucherpreisindex für die 12 Euroländer lag im April um 2,4% über Vorjahresstand, nach jeweils 2,5% in den beiden Vormonaten. Am höchsten ist die Inflationsrate noch immer in Irland mit zuletzt 5% sowie in den Niederlanden und Griechenland mit jeweils knapp über 4%. Die niedrigsten Raten haben Deutschland und Österreich, denen somit eine Leitzinserhöhung am wenigsten gelegen käme.





  • Die Differenz zwischen langfristigen und kurzfristigen Zinsen dürfte im Mai geringfügig von 1,9 auf 1,8 (gerundete) Prozentpunkte zurückgegangen sein. Der Dreimonatszinssatz Euribor kletterte im Zeitlupentempo weiter von 3,41% auf 3,47%. Die noch nicht offiziel verfügbare Durchschnittsrendite für 10jährige Staatsanleihen im Euroraum dürfte beim Vormonatsstand von 5,3% verharrt haben.



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