Handelsblatt Exklusiv
Springer will im Internet Geld verlangen

Um Springer nicht in die roten Zahlen abrutschen zu lassen, ist der designierte Konzernchef Mathias Döpfner auch zum Tabubruch bereit. So werden "Berliner Morgenpost" und "Welt" zusammengelegt.

BERLIN. Mathias Döpfner, der in drei Wochen den Chefsessel der Axel Springer Verlag AG übernimmt, will mit unpopulären Sparmaßnahmen und neuen Geschäftsideen rote Zahlen verhindern. Trotz heftiger interner Kritik werden deshalb die Redaktionen und Verlage der Tageszeitungen "Berliner Morgenpost" und "Welt" zusammengelegt. Die Bayern-Ausgabe der überregionalen "Welt" wird sogar ganz eingestellt. Der Tabubruch im einst so klar abgetrennten Zeitungsgeschäft bei Springer ist Teil einer in dieser Dimension unbekannten Sparoffensive.

Parallel zu den drakonischen Einschnitten in Redaktionen und Verlag will Döpfner künftig mit dem Internet Geld verdienen. Schon zu Beginn des nächsten Jahres wird für Informationen und Unterhaltung im Web Geld verlangt. Den Auftakt soll das Internet-Flaggschiff Bild.de machen, ein Gemeinschaftsunternehmen von Springer und T-Online. "Wir werden mit Bild.de Inhalte im Internet kostenpflichtig machen", sagte Mathias Döpfner dem Handelsblatt. Der 38-jährige bisherige Zeitungs- und Multimedia-Vorstand übernimmt zum Jahreswechsel den Vorstandsvorsitz von August Fischer. Döpfner will den Abschied vom kostenlosen Internetportal Bild.de in zwei Schritten vollziehen: "Zuerst werden nur für Teile des Angebotes Gebühren erhoben - für exklusive Inhalte wie zum Beispiel ein Interview mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin oder ein attraktives Spiel. Im zweiten Schritt kann es dann eine monatliche Grundgebühr geben." In rund einem Jahr will Döpfner den Plan umgesetzt haben. Er sei bereits mit T-Online-Chef Thomas Holtrop abgesprochen. Erst vor drei Wochen hatte das Internetportal Yahoo einen ähnlichen Strategiewechsel angekündigt. Das US-Unternehmen setzt auf gebührenpflichtige Angebote im Internet und nicht mehr vorrangig auf die Einnahmen aus der Online-Werbung.

Mit der Neuorientierung im Internet-Geschäft vertieft der größte Zeitungsverlag Europas die Partnerschaft mit dem größten europäischen Internetprovider. Neben Bild.de hat Springer mit der Telekom-Onlinetochter erst im Herbst den europaweit agierenden Internet Interactive Media SSCP AG, -Vermarkter Hamburg, gegründet. Erstes Projekt des Joint Ventures war Anfang des Jahres ein gemeinsames Unterhaltungsportal.

Springer will mit der Internet-Offensive für die Branche ein Zeichen setzen. "Der Verlag hat mit Bild die stärkste Marke in der Printbranche. Wir dienen gerne als die Trendsetter im Markt", sagte Döpfner. In den vergangenen beiden Jahren haben die Zeitungshäuser im Internet viel Geld verbrannt, weil die Einnahmen auf dem Online-Werbemarkt nicht ausreichten, um die Web-Inhalte zu finanzieren.

Springer steht wegen des schlechten Werbemarktes unter gewaltigem Druck. Auch die "Welt" - einst heilige Kuh des Konzerngründers Axel Springer - wird Opfer des Sparkurses. Gestern gab Döpfner mit der Einstellung des Bayernteils nicht nur die Regionaloffensive der "Welt" auf. Um Redaktionskosten zu sparen, sollen sogar die Inhalte der Regionalzeitung "Berliner Morgenpost" und des Konzern-Flagschiffes "Welt" vermengt werden. Die "Morgenpost" soll künftig Politik- und Wirtschaftsteil sowie alle wesentlichen Rubriken- und Serviceseiten von der stark defizitären "Welt" übernehmen. Im Gegenzug geht die Berliner Lokalredaktion der "Welt" in der "Morgenpost" auf. Wie viele Jobs seine Sparmaßnahme kosten wird, wollte Döpfner gestern noch nicht sagen. Nach Ansicht der Journalisten-Gewerkschaft DJV sind 260 Stellen betroffen.

Die schwache Konjunktur macht Springer mit 14 000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 2,9 Mrd. Euro seit Frühjahr schwer zu schaffen. Die zuletzt vorgelegten Halbjahreszahlen verheißen keine Besserung. Der Überschuss sank auf 14 Mill. Euro. Erst vergangenen Monat hatte der in Berlin und Hamburg ansässige Konzern angekündigt, bis Ende 2003 jeden zehnten Arbeisplatz zu streichen.

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