Handelsblatt-Frühindikator sinkt auf tiefsten Stand seit zwei Jahren
Handelsblatt-Frühindikator: Keine Konjunkturwende mehr in diesem Jahr

Die Frühindikatoren schließen ein rasches Ende der Konjunkturflaute in Deutschland so gut wie aus: Das Geschäftsklima im verarbeitenden Gewerbe ist so schlecht wie seit fünf Jahren nicht mehr, die Kapazitätsauslastung ist weiter gesunken, eine schnelle Trendwende bei den Auftragseingängen ist unwahrscheinlich.

HB DÜSSELDORF. Der Handelsblatt- Frühindikator hat im August seine Talfahrt fortgesetzt und ist auf 1,3 % gefallen. Er erreichte damit den tiefsten Stand seit September 1999. Nach 2,1 % und 1,7 % im Juni und Juli hat der Frühindikator damit innerhalb von nur zwei Monaten fast einen vollen Prozentpunkt eingebüßt. Das Handelsblatt-Konjunkturbarometer für Ostdeutschland verharrte auf dem niedrigen Vormonatsstand von 1,5 %. Für das laufende Jahr ist nun kaum noch mit einer konjunkturellen Wende zum Besseren zu rechnen. Das gesamtdeutsche Wirtschaftswachstum dürfte im Jahresdurchschnitt unter 1,5 % liegen.

Dabei profitierte der Indikator noch von den im Mai deutlich gestiegenen Auftragseingängen (+4,6 %) im verarbeitenden Gewerbe. Dahinter verbargen sich jedoch in erster Linie Großaufträge für die Investitionsgüterindustrie aus dem Ausland. Die Inlandsnachfrage nach Investitionsgütern ist dagegen insgesamt weiter rückläufig; sie war schon im Mai gesunken; im Juni ist sie regelrecht eingebrochen. Dies spricht für keine große Zuversicht der Unternehmen in die weitere Konjunkturentwicklung.

Kapazitätsauslastung weiter rückläufig

Dass die Auftragseingänge insgesamt im Juni wieder gesunken sind (aus methodischen Gründen ist dieser Rückgang noch nicht in den August-Wert des Handelsblatt-Frühindikators eingegangen) deutet vielmehr auf eine weitere Verschlechterung der Frühindikatoren. Hinzu kommt, dass die Kapazitätsauslastung im verarbeitenden Gewerbe im Juni weiter rückläufig war. Gegenüber der letzten Erhebung im März sank sie von 87,1 % auf 85,7 % im Westen und von 82,8 % auf 82,4 % in den neuen Bundesländern.

Der Ifo-Konjunkturtest zeigt denn auch einen inzwischen ausgeprägten Pessimismus im verarbeitenden Gewerbe. Im Juni verschlechterte sich das Geschäftsklima nochmals drastisch von-6,6 auf-12,3 Punkte im Westen und von 4,7 auf-3,5 Punkte im Osten. Dabei werden die Geschäftsaussichten für die kommenden sechs Monate in beiden Teilen Deutschlands noch wesentlich schlechter eingeschätzt als die aktuelle Geschäftslage, die zumindest in den neuen Ländern im Saldo noch leicht positiv gesehen wird.

Exportaussichten werden pessimistisch eingeschätzt

Auch die Exportaussichten für die kommenden drei Monate werden mehrheitlich inzwischen pessimistisch eingeschätzt. Offenbar erwarten die Unternehmen weder von der Weltkonjunktur noch von der Binnennachfrage in absehbarer Zukunft neue Impulse für das flaue Geschäft.

Dementsprechend sind auch die von Ifo erfragten Erwartungen hinsichtlich der künftigen Beschäftigtenzahlen weiter zurückgegangen, von-15,8 auf-18,6 Punkte im Westen und von-12,6 auf-16,3 Punkte im Osten. Hier deutet sich die Gefahr eines klassischen Selbstverstärkungsprozesses aus pessimistischen Unternehmenserwartungen, Arbeitskräfteabbau und weiter nachgebender Nachfrage an.

Privater Verbrauch stützt Konjunktur

Noch wirkt allerdings der private Verbrauch stützend auf die Konjunktur. So waren die Gebrauchs- und Verbrauchsgüterhersteller von dem Nachfragerückgang im verarbeitenden Gewerbe seit Jahresbeginn noch am wenigsten betroffen, und die gesamtdeutschen Einzelhandelsumsätze haben sich nach schwachem Start im weiteren Jahresverlauf zumindest etwas stabilisiert. Im Mai lagen sie saisonbereinigt zwar nur knapp über dem Vormonatsstand, damit aber immerhin um 1 % höher als im Durchschnitt des ersten Quartals. Sollte dieses Niveau auch im Juni erreicht werden, so wäre damit erstmals seit einem Dreivierteljahr wieder ein Umsatzzuwachs im Einzelhandel zu vermelden. Abzuwarten bleibt freilich, wie sich die Verschlechterung auf dem Arbeitsmarkt auf das weitere Ausgabeverhalten der privaten Haushalte auswirken wird.

Das Auftragsvolumen im gesamtdeutschen Bauhauptgewerbe hat sich im Mai saisonbereinigt weiter leicht erholt. Die Auftragseingänge blieben damit weiterhin deutlich über dem Durchschnittsniveau der vorangegangenen drei Quartale, was im wesentlichen dem Nichtwohnungsbau und dem Tiefbau zu verdanken war. Der Zuwachs von zuletzt 1,3 % wurde allerdings ausschließlich in den neuen Ländern (+13 %) erwirtschaftet, während im Westen ein Minus von fast 2 % verbucht wurde.

Frühindikator West: >>Tabelle und Grafik

Dies passt zu der in den letzten Monaten unterschiedlichen Entwicklung in der Beurteilung der künftigen Geschäftsaussichten. Während diese sich laut Ifo im Osten leicht gebessert hat, sind die Unternehmen im Westen eher noch skeptischer geworden. Es wäre daher verfrüht, aus den zuletzt wieder etwas erfreulicheren Bauaufträgen schon auf eine Wende der Baukonjunktur zu schließen.

Die jüngste Zinsentwicklung dürfte allerdings einer solchen Wende nicht im Wege stehen, denn sowohl am kurzen als auch am langen Ende sind die Zinsen zuletzt gesunken. Der Dreimonatszins Euribor setzte seinen Ende letzten Jahres begonnenen Abwärtskurs weiter fort und ermäßigte sich im Juni gegenüber dem Vormonat nochmals von 4,64 % auf 4,45 %. Gleichzeitig gab die durchschnittliche Umlaufrendite für festverzinsliche Wertpapiere von 5,1 % auf 5,0 % nach, nachdem sie in den beiden Monaten zuvor leicht angestiegen war. Die in den Handelsblatt-Frühindikator eingehende Zinsdifferenz stieg damit leicht von (jeweils gerundeten) 0,5 auf 0,6 Prozentpunkte an, was konjunkturell ein positives Zeichen ist.

Konjunkturbarometer Ost: >>Tabelle und Grafik

Die gleitende Jahresrate des gesamtdeutschen Bruttoinlandsprodukts, die im letzten Jahr noch 3,0 % und im ersten Quartal 2001 nur noch 2,4 % betragen hatte, dürfte im weiteren Jahresverlauf weiter sinken und am Jahresende unter 1,5 % liegen. Für das zweite und dritte Quartal des laufenden Jahres lässt der Handelsblatt-Frühindikator Wachstumsraten von 2,2 % bzw. von 2,1 % erwarten. Wenngleich dies keine punktgenauen Prognosewerte sind, lässt die Entwicklung des Frühindikators somit keine Konjunkturwende in diesem Jahr mehr erwarten.

Die zuletzt etwas positiveren Tendenzen etwa bei den Einzelhandelsumsätzen lassen allerdings für das kommende Jahr hoffen. Sollten sie sich in den folgenden Monaten bestätigen, könnte eventuell für das nächste Frühjahr mit einer konjunkturellen Wende gerechnet werden.

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