Handelsblatt-Frühindikator steigt steil an
Frühindikator April: Konjunktur startet durch

Die Optimisten in der deutschen Industrie haben eindeutig die Oberhand gewonnen. Produktionspläne und Exporterwartungen werden nach oben geschraubt, die Auftragseingänge ziehen wieder an. Im Westen scheint der konjunkturelle Tiefpunkt damit durchschritten, der Osten hinkt jedoch noch nach.

HB DÜSSELDORF. Der Handelsblatt-Frühindikator signalisiert eine deutlichere Konjunkturerholung, als bisher von den meisten Analysten erwartet wurde. Mit 1,4% nach (revidierten) 0,8% im Vormonat hat sich der Indikatorwert zum fünften mal in Folge erhöht.

Der Handelsblatt-Frühindikator hat einen Vorlauf von etwa drei Monaten vor der aktuellen Entwicklung des gesamtdeutschen Bruttoinlandsproduktes. Für das zweite Quartal läßt er ein zunächst noch verhaltenes Wachstum von etwa 0,6% (in gleitender Jahresrate) erwarten. Danach allerdings dürfte die Konjunktur durchstarten, ein Jahreswachstum deutlich über der 1-Prozent-Marke erscheint für 2002 jetzt durchaus möglich.

Bisher hatte das Kieler Institut für Weltwirtschaft mit einer Prognose von 1,2% die optimistischste Prognose für 2002 geliefert. Im Osten sieht es allerdings weniger günstig aus. Im vergangenen Jahr ist die Wirtschaft der Neuen Länder (ohne Berlin) um real 0,3% geschrumpft. Dies entspricht fast exakt dem entsprechenden Stand des im Januar neujustierten Handelsblatt-Konjunkturbarometers für die Neuen Länder (-0,4%). Derzeit deutet der aktuelle Barometerstand nur auf eine Stagnation im Osten hin, im April ist er sogar wieder leicht auf-0,1% gesunken. Nach wie vor belastet vor allem die Krise am Bau die ostdeutsche Konjunktur, und auch sonst ist die Stimmung dort durchweg etwas schlechter als im Westen.

Das gilt auch für das Verarbeitende Gewerbe, wo sich allerdings gesamtdeutsch die ifo-Geschäftserwartungen weiter in rasantem Tempo erholen. Hatten sie noch im Januar mit minus14,9 Punkten ziemlich tief im Keller gelegen, so waren sie im März mit 8,3 Punkten erstmals wieder im Saldo positiv. Vor allem auf den Export scheinen die Unternehmen große Hoffnungen zu setzen, und allmählich denken sie auch wieder über Produktionsausweitungen nach. Die Kapazitätsauslastung dürfte im ersten Quartal ihren Tiefpunkt erreicht haben, aktuelle Zahlen veröffentlicht das ifo-Institut erst im kommenden Monat. Das gleiche gilt für die aktuelle Geschäftslage, sie hat sich laut ifo im Osten zuletzt sogar noch weiter eingetrübt. Alles spricht aber derzeit dafür, daß es im zweiten Quartal auch hier mit der Industrienachfrage wieder aufwärts gehen wird.

Die gesamtdeutschen Industrieaufträge haben sich im Januar zwar nur knapp gegenüber dem Vormonatswert behaupten können. Sie lagen damit aber weiter über dem Durchschnittsniveau des Jahresschlußquartals. Letzteres dürfte wohl den Tiefpunkt der Entwicklung markiert haben. Vor allem in der Investitionsgüterindustrie läuft es derzeit wieder besser, der Tiefstand vom vierten Quartal wurde im Januar um immerhin 2,6% überboten. Zu der Erholung trug in den letzten Monaten neben dem Exportgeschäft erfreulicherweise auch die Inlandsnachfrage bei. Ein drohender Streik in der Metall- und Elektroindustrie könnte freilich das zarte Pflänzchen schnell wieder zertreten.

Die Lage am Bau bleibt weiterhin desolat, vor allem in den Neuen Ländern. Zwar sind die Produktionszahlen für das vergangene Jahr inzwischen vom Statistischen Bundesamt deutlich nach oben revidiert worden, um insgesamt 3,6% im Westen und um 5,5% im Osten. Dies hat auch zu nachträglich etwas günstigeren Werten des Handelsblatt-Konjunkturbarometers für die Neuen Länder geführt, das aber gleichwohl nur eine Stagnation der ostdeutschen Wirtschaft anzeigt. Zudem ist die ostdeutsche Bauproduktion im Januar nochmals um 11% gegenüber dem ohnehin schon schwachen Vormonat eingebrochen.

Auch die aktuelle Auftragsentwicklung läßt noch keine großen Hoffnungen auf ein Ende der Krise am Bau aufkommen. Zwar wurde im Januar gesamtdeutsch der Nachfrageeinbruch vom Dezember beinahe wieder aufgeholt. Auch das ifo-Geschäftsklima im Bauhauptgewerbe war zuletzt nicht mehr ganz so schlecht wie in den Monaten zuvor. Trotzdem kann von einer Trendwende noch keineswegs gesprochen werden - zu oft haben sich im witterungsanfälligen Bau leichte Erholungszeichen schon als trügerisch erwiesen.

Das inzwischen deutlich anziehende Zinsniveau dürfte sich auch nicht gerade als Erholungs-Elixier für das Baugewerbe erweisen. Die Durchschnittsrendite festverzinslicher Wertpapiere war seit ihrem Tiefpunkt von 4,3% im vergangenen November war bis Jahresbeginn bereits um einen halben Prozentpunkt auf 4,8% angestiegen. Im März hat sie nun beschleunigt auf 5,2% gegen Monatsende zugelegt. Auch am kurzen Ende klettern die Zinsen langsam, aber sicher in die Höhe. Nach 3,36% im Monatsdurchschnitt Februar erreichte der Dreimonatszins Fibor Ende März mit 3,45% einen neuen Höchststand. Die Zeit des billigen Geldes dürfte damit allmählich zu Ende gehen, auch eine Erhöhung der Leitzinsen dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein.

Die gesamtdeutschen Einzelhandelsumsätze haben sich im Januar nur wenig stabilisieren können. Sie blieben auch um knapp 1% hinter dem Durchschnittswert des Jahresschlußquartals zurück. Verzweiflungsforderungen nach einer befristeten Mehrwertsteuersenkung zur Ankurbelung der Einzelhandelskonjunktur erscheinen vor diesem Hintergrund vielleicht sogar verständlich, wenn sie auch nicht sinnvoll sind. Wirkliche Hoffnung auf einen wieder anziehenden Konsum kann nur von einer nachhaltigen Konjunkturerholung ausgehen. Dafür stehen die Zeichen inzwischen gar nicht schlecht.

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