Handelsblatt-Gespräch mit Clayton Daley, Chief Financial Officer Procter & Gamble Company
Interview zur Wella-Übernahme

Die geplante Übernahme der Darmstädter Wella AG durch den US-Konzern Procter & Gamble geht in die nächste Phase. Nachdem der amerikanische Konsumgüterriese Mitte März von den Eigentümerfamilien der Wella AG 77,6 % der stimmberechtigten Aktien gekauft hatte, will er in der nächsten oder übernächsten Woche den übrigen Aktionären ein öffentliches Angebot machen.

DÜSSELDORF. "Wir hoffen, den Wella-Aktionären um Ostern herum ein offizielles Kaufangebot unterbreiten zu könne", sagte Clayton Daley, Finanzchef von Procter & Gamble, im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Der genaue Zeitpunkt hängt davon ab, wann die Bundesanstalt für die Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) die Prüfung des Übernahmeangebotes abgeschlossen hat. Die Einreichungsfrist beim BaFin läuft bis 15. April. In der Regel entscheidet das BaFin innerhalb von 10 Tagen nach Eingang des Angebots über Zustimmung oder Untersagung. Bei der Wella AG in Darmstadt rechnet man nach Ostern mit dem öffentlichen Kaufangebot von P&G. Das Angebot hat dann per Gesetz eine Annahmefrist von vier bis zehn Wochen.

P&G hatte am 18. März angekündigt, den Aktionären pro Stammaktie 92,25 Euro und je Vorzugsaktie 61,50 Euro anzubieten. Der gesamte Kaufpreis beläuft sich auf 5,4 Mrd. Euro. Für Kritik - auch seitens des Wella-Vorstandes - hat der vergleichsweise niedrige Preis für die Vorzugsaktien gesorgt. P&G bewegt sich mit dem Angebot aber innerhalb der rechtlichen Vorschriften.

Die Führungsspitze des Konsumgüterkonzerns sieht das Angebot als fair an und schließt eine Erhöhung aus. "Wir möchten gerne so viele Anteile wie möglich haben und hoffen natürlich, dass das Kaufangebot erfolgreich sein wird. Aber wir brauchen keine 100 Prozent, weil wir mit dem Anteil der Eigentümer bereits die Kontrolle über Wella besitzen", erklärte Daley.

Der Wella-Vorstand wird nach dem öffentlichen Übernahmeangebot noch eine Stellungnahme dazu abgeben und seinen Aktionären aller Voraussicht nach eine Empfehlung zum Verkauf geben, heißt es bei Wella. Wenn die Kartellbehörden der USA und die EU-Kommission der Transaktion zustimmen, könnte P&G Ende des Sommers oder Anfang Herbst mit der Integration von Wella beginnen. Allgemein wird in der Branche davon ausgegangen, dass es keine kartellrechtlichen Probleme gibt.

Procter & Gamble, die beim Kauf von Firmen im allgemeinen gerne 100 Prozent der Anteile übernehmen, sieht nach den Worten von Daley kein großes Problem darin, dass der Konkurrent Henkel mit rund 6,7 % an Wella beteiligt ist und möglicherweise ein Squeeze-out, also das Herausdrängen der Kleinaktionäre, verhindern könnte. "Das ist nichts, über dessen Ausgang wir besorgt sind", so Daley wörtlich.

Henkel hatte am 10. März über eine Tochtergesellschaft eine Beteiligung von insgesamt 6,86 Prozent am Grundkapital der Wella AG erworben. Aus Sicht des Konzerns sei das eine interessante Anlage, hieß es damals. Nimmt Henkel das Kaufangebot von P&G an, könnte das Unternehmen ein Kursgewinn von 140 Mill. Euro realisieren.

"Das Henkel-Management wird sich entscheiden müssen, was es mit dem Anteil tun will", meint Clayton Daley. P&G habe noch nicht mit Henkel gesprochen, werde das aber möglicherweise noch tun. "Das Henkel-Management muss, wenn es nicht verkaufen will, seinen Anteilseignern dann die Frage beantworten, was es noch für einen Sinn macht, die Anteile zu halten", so Daley.

Auch wenn sich bisher abzeichnet, dass am Wella-Standort Darmstadt zumindest der Forschungsbereich für das Friseurgeschäft erhalten bleibt; konkrete Aussagen über Standorte oder die Auswirkungen der Übernahme auf die Belegschaft von Wella machte Daley nicht: "Dafür ist es noch zu früh. Es wird natürlich Überschneidungen geben in der Produktion, aber auch in der Verwaltung. Unser Ziel ist es immer, die besten Mitarbeiter im Einsatz zu haben.

Dass heißt, wenn die Belegschaft reduziert werden muss, sind es nicht zwangsläufig die Wella-Mitarbeiter, die gehen müssen. Wir schauen uns sowohl die Belegschaft bei Wella als auch bei uns an."

Auch die weitere Zusammenarbeit mit dem Wella-Management schließt Daley nicht aus: "Manch einer unterstellt uns, dass wir das Management komplett entlassen wollen. Das ist nicht P&G-Kultur. Im übrigen haben bei P&G viele Leute Karriere gemacht, die von einer von uns übernommenen Firma gekommen sind."

Alles in allem dürfte das Friseurgeschäft von Wella am wenigsten von der Übernahme betroffen sein. Rund 1,6 Mrd. Euro hat die Wella AG im vergangenen Jahr in diesem Bereich umgesetz und ist mit einem weltweiten Anteil von 22% die Nummer zwei hinter L?Oreal. P&G selbst hat mit der 2001 übernommenen US-Firma Clairol hier nur wenig Marktbedeutung. "Das Friseurgeschäft wird zum größten Teil so bleiben wie es ist. Wella hat hier die Erfahrung und das richtige Geschäftsmodell," meint Daley. "Wir brauchen das Know-How der Mitarbeiter, weil sie dort sehr gut sind und weil wir in diesem Bereich selbst nur wenig Erfahrung haben. Wir lernen von Wella."

Deutliche Veränderungen dürfte es für Wella dagegen bei Geschäft mit dem Endkunden geben. Auch hier ist L?Oreal der Hauptwettbewerber. "Ich gehe davon aus, dass es im Consumer-Bereich Möglichkeiten gibt, das Geschäft von Wella und P&G zusammenzufassen", sagt Daley. Im Einzelhandelsgeschäft erwirtschaft P&G, die für ihre Marketing und Distributionskraft bekannt sind, mit Marken wie Pantene, Head & Shoulders und Herbal Essence einen jährlichen Umsatz von rund 4,5 Mrd. US-Dollar. Wella kommt auf rund 1 Mrd. Euro. Unklar ist, wie sich P&G entscheidet, wenn Marken aus beiden Unternehmen in einem Segment vertreten sind, wie es beispielsweise bei den Anti-Schuppen-Shampoos Head & Shoulders (P&G) und Crisan (Wella) der Fall ist.

Daley: "Wir haben in vielen Bereichen mehrere Marken nebeneinander, bei den Waschmitteln beispielsweise, aber auch in der Haarpflege. In den USA haben wir derzeit acht Haarpflegemarken. Als wir Clairol gekauft haben, dachten wir zunächst, dass wir einige der Marken verkaufen werden. Aber wir haben es nicht getan. Wir haben die Marken neu positioniert, so dass sie nebeneinander bestehen können. Natürlich sollten Marken sich nicht gegenseitig kannibalisieren."

Analysten befürchten, dass Wettbewerber L?Oreal während des Wella-Übernahmeprozesses Marktanteile gewinnen kann, wie es vor zwei Jahren beim Clairol-Kauf der Fall war. P&G-Mann Daley teilt diese Befürchtung nicht: ."Die Situation ist anders als bei Clairol. Zum einen, weil es 14 Monate gedauert hat, bis die Übernahme perfekt war. Das wird bei Wella hoffentlich viel kürzer sein. Zum anderen hatte Bristol Myers Squibb damals nicht mehr in seine Tochter Clairol investiert, was L?Oreal die Möglichkeit gab, in den USA Marktanteile zu gewinnen."

Mit der Übernahme von Wella dürfte für den Konsumgüterriesen aus Cincinnati das Thema Beiersdorf erst einmal vom Tisch sein. Nicht nur, weil der Konzern erst einmal mit der Integration von Wella beschäftigt sein wird - ein weiterer Milliardendeal würde nach Ansicht von Analysten das Kreditrating von Procter & Gamble gefährden. Daley selbst kommentiert das Thema Beiersdorf nicht.

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