Handelsblatt-Gespräch mit Gerhard Schröder
Kanzler kritisiert Steuerpolitik der "Neuen"

Bundeskanzler Gerhard Schröder im Handelsblatt-Interview über Chancen, Risiken und Nebenwirkungen der EU-Erweiterung.

Handelsblatt: Herr Bundeskanzler, noch nie war Europa so friedlich und einig wie heute, doch die Freude darüber hält sich in Grenzen. Wie kommt es, dass die Bevölkerung auf die EU-Erweiterung so skeptisch reagiert?

Gerhard Schröder: Mein Eindruck ist das nicht, aber Jammern auf hohem Niveau gehört leider auch zu den Eigenschaften der Deutschen, nicht nur in der Frage Europa, sondern auch was die ökonomischen Situation unseres Landes angeht.

Ist denn wenigstens die politische Klasse froh über die historische Vereinigung Europas?

Die historische Dimension der bevorstehenden Erweiterung wird auch von der politischen Klasse nicht hinreichend begriffen. Erinnern wir uns, wie Europa vor 60 Jahren aussah. Damals herrschte Krieg, in dem auch mein eigener Vater gefallen ist in Rumänien. Dort liegt auch sein Grab, das ich noch nicht besuchen konnte. Das war der blutigste Krieg der europäischen Geschichte mit mehr als 50 Millionen Toten. Der Beitritt der zehn Staaten in Mittel- Ost- und Südeuropa eröffnet uns die historische Chance, dass dies nie wieder passieren kann. Dies wird bei uns nicht genügend wahrgenommen. Stattdessen diskutieren wir Übergangsfristen für die Zuwanderung von Arbeitnehmern, Dienstleistungsfreiheit und die Verlagerung von Unternehmen in die neuen EU-Staaten.

Sind das keine wichtigen Themen?

Doch zweifelsohne, aber nicht die zentralen. Die historische Bedeutung der EU-Erweiterung geht darüber weit hinaus. Wir haben jetzt die Chance, dauerhaft Frieden und Wohlergehen auf unserem Kontinent zu erreichen. Wenn wir diese Chance verpassen, werden unsere Kinder und Enkel uns das als ein großes Versäumnis vorwerfen.

Ihr Parteifreund Verheugen meint, die Regierungen hätten die historische Bedeutung der Erweiterung nicht ausreichend vermittelt.

Da sind die Regierungen nicht alleine gefragt. Sie können zwar Botschaften aussprechen, doch diese Botschaften müssen in einer Massengesellschaft von den Medien vermittelt werden. Das sollten Sie ein wenig selbstkritisch sehen.

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