Handelsblatt-Gespräch
Spiegel fürchtet Aufleben des Antisemitismus

Der Antisemitismus in Deutschland droht durch den Krieg im Nahen Osten wieder aufzuleben. Die Bilder von israelischen Panzern im Westjordanland würden nach seinen Erfahrungen immer häufiger genutzt, um eine Entschuldungsdebatte über den Holocaust anzustoßen, sagte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, dem "Handelsblatt".

HB DÜSSELDORF. In Frankreich, Belgien, Deutschland und anderen Ländern Europas habe es bereits konkrete Übergriffe gegen Juden auf offener Straße gegeben, so Spiegel: "Welches Motiv - wenn nicht Antisemitismus - sollte sonst hinter solchen Angriffen stecken? Die Jüdischen Gemeinden oder die Personen, die betroffen sind, haben nichts mit der konkreten Situation in den Autonomiegebieten zu tun. Trotzdem sind sie Ziele des Terrors", sagte der 64-Jährige.

Auch seine eigene Arbeit werde durch die Situation in Israel erschwert: "Das Selbstverständnis der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland wird, besonders durch die vorherrschende unsachliche Kritik in Deutschland, die sich immer häufiger auch gegen Juden hier zu Lande richtet, bis in seine Grundfeste erschüttert."

Ein Frieden im Nahen Osten ist laut Spiegel nur möglich, wenn ein eigener palästinensischer Staat geschaffen wird, der auch jene Menschen aufnimmt, die seit Jahrzehnten in Flüchtlingslagern leben. "Dieser Palästinenserstaat hätte schon viel früher existieren können, wenn Arafat es gewollt hätte", betonte der Unternehmer.

In Deutschland fehlt vielen Menschen nach Ansicht des Zentralratsvorsitzenden die notwendige Sensibilität und das wirkliche Verständnis gegenüber Israel. So habe er neulich gelesen, man sei in Israel nervös. "Das ist eine schamlose und gemeine Verniedlichung der Situation. Es herrscht pure Angst", sagte Spiegel.

Kritik an der israelischen Regierung könne hilfreich wirken, aber sie müsse fundiert sein. "Das Gegenteil erleben wir, wenn wir Äußerungen von Politikern hören, die sich als Friedensprediger gerieren." Eine Beteiligung deutscher Soldaten an einer eventuellen Friedenstruppe in Israel hält Spiegel für völlig indiskutabel. "Abgesehen davon, dass ich mir zurzeit überhaupt keine Uno-Friedenstruppe vorstellen kann, die den Namen verdient." Er könne sich nicht vorstellen, dass Uno-Soldaten vor jeder Pizzeria oder jedem Café oder Restaurant in Tel Aviv, Haifa oder Jerusalem stünden.

Das komplette Interview lesen Sie morgen im Handelsblatt.

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