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Handelsblatt-Gruppe verhalten optimistisch

Die Verlagsgruppe Handelsblatt stellt sich nach einem außergewöhnlich guten Geschäftsjahr 2000 auf eine Konsolidierung im Markt der Wirtschaftspresse ein. Nach einem Umsatzplus von 24,1 Prozent rechnet das Unternehmen in diesem Jahr nur mit verhaltenem Wachstum.

tel DÜSSELDORF. Das "Sahnehäubchen" des Jahres 2000 wird der Auflage der Titel aus der Verlagsgruppe Handelsblatt 2001 wohl fehlen. Dennoch erwartet Heinz-Werner Nienstedt, Sprecher der Geschäftsführung, dass sich die Wirtschaftstitel des Unternehmens - "Handelsblatt", "Wirtschaftswoche" und "DM" - auf dem Markt behaupten werden. Möglicherweise würden sie ihre Marktanteile sogar ausbauen. "Auch wenn wir die negative Entwicklung an den Börsen in der Spitze im Einzelverkauf merken, wird das Interesse an Wirtschaftstiteln im Lesermarkt mittelfristig weiter zunehmen", sagte Nienstedt gestern auf der Pressekonferenz der Verlagsgruppe in Düsseldorf.

Auf dem seit Jahresanfang insgesamt rückläufigen Anzeigenmarkt habe die Verlagsgruppe unterproportional verloren, sagte Nienstedt. Rückläufige Anzeigenumfänge habe sie durch Preiserhöhungen kompensiert. Vor allem die für die Wirtschaftspresse wichtigen Werbekunden aus der Internetwirtschaft, die im vergangenen Jahr insgesamt 1,9 Mrd. DM in klassische Werbung investiert haben, fallen in diesem Jahr aus. Auch die Informationstechnologie-Branche und die Finanzdienstleister halten sich bisher zurück.

Deshalb stellt sich die Verlagsgruppe mit 2 107 Beschäftigten darauf ein, dass die Anzeigenumfänge in diesem Jahr unter denen des Vorjahres liegen werden - allerdings im einstelligen Prozentbereich. Insgesamt rechnet Nienstedt aber damit, dass die Verlagsgruppe in diesem Jahr weiter wächst, wenn auch "verhalten".

Im Jahr 2000 hat die Verlagsgruppe Handelsblatt mit Rekordumsätzen in allen entscheidenden Verlagsbereichen die Messlatte hoch gelegt. So steigerte beispielsweise der größte Unternehmensbereich Zeitung seinen Umsatz um 22,7 % auf 316,4 Mill. DM. Die Magazine legten - auch durch die Einführung des Anlegermagazins "Die Telebörse" - am stärksten zu: um 39 % auf 234,7 Mill. DM.

Der konsolidierte Gesamtumsatz stieg um 24,1 % auf 842,1 Mill. DM. Darin sind Beteiligungen an dem Fernsehsender N-TV, dem VDI-Verlag und der Nachrichtenagentur VWD nicht eingerechnet. Damit habe die Verlagsgruppe innerhalb von fünf Jahren ihren Gesamtumsatz verdoppelt, so Nienstedt. Die Vertriebserlöse wuchsen im Jahr 2000 um 15,7 % auf 344,2 Mill. DM, die Anzeigenerlöse um 30,5 % auf 497,9 Mill. DM.

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg um 5,5 % auf 117,1 Mill. DM. Das entspricht einer Umsatzrendite von 13,9 % (Vorjahr: 16,3 %). Den im Vergleich zum Umsatzzuwachs unterproportionalen Ergebnisanstieg begründete Nienstedt mit deutlich höheren Investitionen in den Ausbau der Redaktionen, der elektronischen Aktivitäten und des Marketings sowie der Einführung der "Telebörse". Insgesamt hat die Verlagsgruppe hier 64 Mill. DM investiert, nach 45 Mill. DM im Vorjahr.

Trotz Börsen- und New-Economy-Flaute zeigt sich Nienstedt optimistisch, was die Zukunft des neuen Anlegermagazins "Telebörse" anbelangt. Der Titel werde auf Grund seiner Größe (durchschnittlich 130 000 Exemplare verkaufte Auflage) und seines Markenkonzeptes seine Position verteidigen.

Ebenso wie bei den Anlegertiteln erwartet die Verlagsgruppe auch bei den Internettiteln eine Bereinigung. Das im März unter dem Dach der Wirtschaftswoche lancierte Magazin "eBusiness" hat nach Meinung des Verlages allerdings auf dem Markt überzeugt. Die erste Ausgabe des Blatts habe sich rund 30 000 mal verkauft; die ersten beiden Ausgaben hätten 90 Anzeigenseiten gehabt.

Die Online-Tochter der Verlagsgruppe, die Economy One AG, will im laufenden Jahr den Inhalteverkauf (Content Syndication) ebenso wie Allianzen mit Partnern forcieren. Angesichts des Stellenabbaus bei Online-Töchtern anderer Verlage betonte der Vorstandsvorsitzende Philipp J. Fleischmann, dass es bei der Economy One AG keine Entlassungen geben werde.

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