Handelsblatt-Korrespondenten berichten: Die zivilen Soldaten der USA

Handelsblatt-Korrespondenten berichten
Die zivilen Soldaten der USA

Amerikanische Soldaten nutzen offenbar jede Hintertür, um ihre Stellungen in der Türkei auszubauen. Und dies, obwohl die türkische Regierung sich noch immer nicht entschließen kann, den USA den Aufbau einer Nordfront im Irak-Krieg von türkischem Territorium aus zu gestatten.

Amerikanische Soldaten nutzen offenbar jede Hintertür, um ihre Stellungen in der Türkei auszubauen. Und dies, obwohl die türkische Regierung sich noch immer nicht entschließen kann, den USA den Aufbau einer Nordfront im Irak-Krieg von türkischem Territorium aus zu gestatten. Nicht einmal die türkischen Luftwaffenbasen dürfen die USA nutzen, um Angriffe gegen irakische Ziele zu fliegen. Doch die türkische Fluggesellschaft transportiert derweil unverdrossen amerikanische Soldaten und ihre Ausrüstung in den Südosten der Türkei. Die jungen Soldaten sind lässig in T-Shirt, Jeans und Sweater gekleidet, ihr einzig markantes Erkennungszeichen ist der rasierte Schopf. Mehr als zwei Dutzend saßen gestern im Flug TK 0640 von Istanbul ins süd-osttürkische Diyarbakir. Dort sind nicht nur US-Soldaten stationiert, sondern auch niederländische Einheiten, die die von Deutschland zur Verfügung gestellten Patriot-Abwehrraketen bedienen.

Die US-Boys schleppten Dutzende von Armeerucksäcken und-taschen mit, weitaus mehr, als für die eigene Ausstattung nötig erscheint. Wo sie stationiert werden, wollte ein junger Soldat nicht verraten. Aber so viel ist klar: die Amerikaner sickern in weitaus größeren Zahlen in die Grenzregion zu Irak ein, als die Vereinbarungen mit der türkischen Regierung vorsehen. Während sich die Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan und sein Kabinett windet, zögert und zaudert und offensichtlich mit einer quälenden Hinhaltetaktik versucht, sich einer definitiven Ent-scheidung zu entziehen, schaffen die Amerikaner Fakten. Die Türkei dürfte die Konsequenzen noch schmerzlich zu spüren bekommen. Ihnen droht der Verlust von Milliar-den an amerikanischen Hilfszusagen.

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