Handelsblatt-Korrespondenten berichten
Kontrollen fürs Selbstbewusstsein

Krieg kann ein Job sein, zumindest für so manchen kuwaitischen Soldaten. Wer an die Grenze zum Irak kommt, dort, wo ein kilometerlanger Elektrozaun das Ende des Emirats markiert, der sieht immer wieder Autos. Autos, abgestellt in der Wüste wie auf einem großen Parkplatz. Viele kuwaitische Soldaten fahren mit ihren Mitsubishis, ihren Chryslers oder Subarus zur Arbeit. Helm, Gasmaske und Waffe liegen auf der Rückbank, ein Sandwich für die Pause auf dem Beifahrersitz. Ist die Schicht um, fahren die Soldaten wieder heim. Dann hat die Landesverteidigung erst einmal Ruh'.

In der Zeit dazwischen haben dann einige der Männer mit aufgepflanztem MG hinter Sandsäcken gelegen und hinüber auf die irakische Seite gezielt, sie haben Ausweise kontrolliert, Fahrzeuge auf Bomben untersucht oder sie sind Patrouille gefahren. So gut es eben geht, wollen die Kuwaiter ihre Souveränität bewahren. Oder zumindest diesen Anschein erwecken. Denn in ihrem eigenen Land, insbesondere in der Nähe der Grenzen, haben Soldaten und Polizei derzeit wenig zu sagen. Wer den Krieg führt, bestimmt die Musik. Und das sind nicht die Kuwaiter.

Also wird die Souveränität vor allem dort demonstriert, wo sich die Exekutive des Emirats noch ein wenig zu Hause fühlen darf, in Kuwait-Stadt. Seit ein paar Tagen haben hier die Kontrollen ein solches Ausmaß angenommen, dass inzwischen sogar kleinere Fahrten zeitlich großzügig kalkuliert werden müssen. Vier Ausweiskontrollen auf 15 Kilometer, vor allem in der abendlichen Rushhour, sind keine Seltenheit. Die Limousinen stauen sich dann weit zurück und die Durchfahrt wird zu einer Geduldsprobe. Doch am Checkpoint selbst werden die Autos praktisch sämtlich durch gewunken, begleitet zumeist von einem freundlichen "Welcome". Bislang zumindest.

Denn seit dem Wochenende sind die Gesichter ernster geworden. Es war kein Zufall, dass bei der Explosion im Einkaufzentrum in der Nacht zu Samstag der erste Verdacht sofort auf einen Sprengsatz fiel. Kuwait wartet schon lange auf die Bombe eines Attentäters. Mit der Nonchalance dürfte es deshalb erst einmal vorbei sein.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
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