Handelsblatt-Korrespondenten berichten
Ruhe in Silopi

"6 Milliarden Lira habe ich für meinen Lkw bezahlt." Ahmet, der kurdische Lkw-Fahrer in Silopi, der letzten für ausländische Journalisten zugänglichen Stadt in der Türkei vor der irakischen Grenze, ist verzweifelt. "Jetzt", so klagt er, werden mir nicht einmal mehr 2 Milliarden mehr geboten."

Ahmet ist arbeitslos. Seinen Tieflader parkt er neben einem unübersehbaren Meer nutzloser, teilweise verrosteter Tanklaster und Frachtgut-Lkw. Seit die Grenze zum Irak versiegelt worden ist, gibt es kein Geschäft mehr für ihn. Ahmet hat wie so viele andere Fahrer früher gut vom kleinen Grenzverkehr mit dem Irak gelebt.

Öl wurde transportiert und viele Lebensmittel im Rahmen des Uno-Programms. Dass so manche Konterbande dabei war will er gar nicht leugnen. Jetzt aber ist das Geschäft tot. Zusammen mit Ahmets Truck stehen in der Grenzregion mehr als 50 000 Laster nutzlos herum, sagt Tansur ein örtlicher Journalist. Dass das Geschäft so bald nicht wieder aufleben wird, ist den meisten klar. Bittere Armut hat sich in dieser ohnehin nicht verwöhnten Gegend breit gemacht. Der Krieg im Nachbarland verschärft die Lage zusätzlich.

Naretin, Friseur im grenznahen Städtchen Silopi, verflucht den Krieg und seine Verursacher. "Wir wollen, dass die Kämpfe sofort beendet werden", sagt er während er seinen Kunden rasiert.

Zum Verhalten des türkischen Militärs, über dessen angeblichen Vormarsch in den Nord-Irak während der vergangenen Stunden viel spekuliert wurde, mag er sich allerdings nicht äußern. Zu oft haben die Kurden in dieser Gegend bereits schlechte Erfahrungen mit Soldaten, Geheimdienst, Spitzeln, Folter und Unterdrückung gemacht. Die zerstörten Häuser entlang der Straße zur irakischen Grenzen legen beredtes Beispiel von der Brutalität der Kämpfe zwischen türkischen Militärs und den kurdischen PKK-Kämpfern in den neunziger Jahren ab. Diese Zeiten wollen die Kurden nicht noch einmal erleben.

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