Handelsblatt-Nachgefragt
Mullin: Sicherheitskosten sind Staatsaufgabe

Leo Mullin, Chef der US-Fluggesellschaft Delta Air Lines, gibt im Handelsblatt-Interview Auskunft über Staatsbeihilfen, den möglichen Konkurs eines Konkurrenten und den Start der Billigfluglinie Song.

Herr Mullin, Sie verlangen weitere Staatshilfen von Washington. Ihre europäischen Konkurrenten könnten das als unfairen Wettbewerb auslegen. Was sagen Sie dazu?

Ich sehe das, was wir fordern, nicht als Staatshilfen. Die Regierung sollte für einen Service zahlen, den eigentlich sie bereitstellen müsste. Denn die Flugsicherheit ist ein Teil der Nationalen Verteidigung und nun der Sicherung der Heimat (Homeland Security). Doch derzeit zahlen die Fluggesellschaften für einen großen Teil der Sicherheitsmaßnahmen. Für andere Branchen in den USA trägt dagegen die Regierung die Sicherheitskosten. Deshalb sollten sie auch für die Airlines vom Staat getragen werden. Es ist keine Frage von Subventionen.

Wie stehen Ihrer Meinung nach die Chancen für die Staatshilfen?

Im Moment gibt es sehr viele widersprüchliche Meinungen. Die Regierung hat entschieden, die Airline-Hilfen nicht in das Kriegsfinanzierungspaket aufzunehmen. Gleichzeitig hat der republikanische Mehrheitsführer im Senat, Senator Bill Frist, deutlich gemacht, dass es Hilfen in irgendeiner Form geben wird. Im Moment bleibe ich wirklich optimistisch, dass die Regierung uns unterstützt. Aber es ist zu früh, um sagen zu können, in welcher Form oder Höhe.

Sind die von Ihnen erwähnten vier Milliarden Dollar, das Maximum, was Sie von Washington fordern werden?

Nein. Die vier Milliarden enthalten nur Sicherheitskosten und etwa 1,8 Milliarden Dollar jetzt erhobene Steuern für die Flugsicherheit, die wir nicht mehr zahlen wollen. Aber wir wollen auch Steuererleichterungen etwa für Flugbenzin. Die sind in den vier Milliarden Dollar nicht enthalten. Mit diesen Steuererleichterungen wäre es viel mehr Geld. Milliarden! Unsere Industrie hat im vergangenen Jahr 14 Milliarden Steuern bezahlt.

Würden Sie vom Konkurs eines ihrer Wettbewerber profitieren?

Ich glaube, generell gibt es zu viel Kapazitäten in der Branche. Ich habe mich schon in der Vergangenheit für Mechanismen stark gemacht, die es erlauben, die überschüssigen Kapazitäten abzubauen. Einige Airlines fliegen bereits unter Gläubigerschutz. Es ist schon möglich, dass eine Pleite uns helfen könnte. Aber es ist zu früh, darüber zureden.

Beobachter kritisieren, dass Sie persönlich für das Jahr 2002 einen Millionen-Bonus zum Gehalt - alles zusammen ein Paket im Gesamtwert von fast 13 Millionen Dollar - erhalten haben. Wie ist der begründet?

Unser Hauptziel war, unseren Cash-Flow aggressiv zu managen und einen starke Bilanz zu haben. Das ist dem Management gelungen. Wir sind inmitten des Chaos derzeit in einer halbwegs guten Verfassung.

Riskiert Delta, pleite zu gehen?

Wir haben im vergangenen Jahr unsere Cash-Verbrennungsrate fast auf Null reduziert. Unsere Kostenstrukturen sind sehr niedrig. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Delta bankrott gehen wird.

Erwägen Sie, wegen des Krieges den Start Ihrer Billigfluger-Tochter Song zu verzögern?

Nein, es gibt keinerlei Pläne, den Start von Song zu verzögern. Wir werden im April mit Songs ersten Flugzeugen starten und bis zum Ende des Jahres 36 Flugzeuge unter dem Song-Logo fliegen lassen.

Bisher hat es noch keine große Airline geschafft, erfolgreich eine Billigfluggesellschaft innerhalb einer traditionellen Gesellschaft zu führen. Warum sollte es bei Ihnen klappen?

Es stimmt, es hat bei den Airlines bisher nie gut funktioniert. Aber in vielen anderen Unternehmen hat sich der Ansatz als erfolgreich herausgestellt. Ich habe vorher für eine Bank gearbeitet. Und da hat es funktioniert, die verschiedenen Markt-Segmente mit internen Schranken voneinander abzutrennen. Wir werden das gleiche mit Song innerhalb von Delta machen: mit einer anderen Unternehmenskultur, anderen Uniformen, anderen Farben. Ich bin sehr zuversichtlich, dass es klappen wird.

Die Fragen stellte Katharina Kort.

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