Handelsblatt-Reporter berichten
Abwarten und Tee trinken

Mehr als 30 Grad Celsius herrschen auf den Straßen der Altstadt von Damaskus. Nur sehr wenige Touristen sind hier unterwegs. Dennoch lassen die Händler nicht mit sich feilschen. Es herrscht Gelassenheit.

Ganz plötzlich ist der Sommer in der syrischen Hauptstadt Damaskus ausgebrochen. Mehr als 30 Grad herrschen auf den Straßen der Altstadt. In Georges Teppichladen im christlichen Viertel ist es dunkel und kühl. Und ruhig. Kunden gibt es kaum. Nur sehr wenige Touristen laufen durch die engen Gassen. George bietet wunderbare Teppiche und Kissenbezüge aus Iran, Syrien und den ehemaligen Sowjetrepubliken an. Trotz der Flaute lässt er nicht mit sich handeln. Für zwei fein gestickte Kissenbezüge iranischer Kurden verlangt er 250 Dollar. Der etwa 30-Jährige hofft, dass der Krieg in Irak bald vorbei ist und dann wieder Touristen nach Damaskus kommen. Denn im vergangenen Jahr war es Syrien gelungen, sich als sicheres und kulturhistorisches Reiseziel in der Region zu vermarkten. Anders als Israel und Jordanien, die einen deutlichen Besucherrückgang hinnehmen mussten.

"Wir müssen nur abwarten", meint George. Diese Gelassenheit ist erstaunlich. Denn Syrien, das auch von einer Baath-Partei regiert wird, könnte das nächste Ziel der USA für einen Regime-Wechsel sein. "Wir sind es gewohnt, dass alle gegen uns sind: die anderen arabischen Länder, die USA, aber damit können wir leben", erläutert George. In der Tat lebt Syrien seit dem Zusammenbruch der UdSSR relativ isoliert und ohne mächtigen Verbündeten im Rücken. Veränderungen hat das bisher nicht zur Folge gehabt. Vielleicht schwingt in dieser Zuversicht auch das Gefühl mit, dass Syrien sich mit seiner kompromisslosen Ablehnung des Irak-Krieges an die Spitze eines neuen Pan-Arabismus gebracht hat, der von den arabischen Bevölkerungen ausgeht. Obwohl man sich natürlich fragen muss, was der Rückhalt der Bevölkerung dem Land und seinem Regime nutzen soll, denn in keinem arabischen Land haben die Menschen politisch viel zu bestimmen. George setzt sich auf einen Teppichstapel und trinkt ein Glas Tee. "Überlegt es Euch noch einmal", rät er den wohl einzigen Kunden an diesem Tag lakonisch. An seinem Preis für die Kissenbezüge hält er fest.

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