Handelsblatt-Reporter berichten: Die Normalität lässt auf sich warten

Handelsblatt-Reporter berichten
Die Normalität lässt auf sich warten

Anstatt Patienten zu behandeln, ist Abdul Hussein, Direktor eines Krankenhauses in El Subair, zumeist damit beschäftigt, Plünderer abzuwehren und den Krankenhausgenerator instandzuhalten.

Nach zwei Wochen Krieg arbeitet Abdul Hussein, Direktor eines Krankenhauses in El Subair, rund um die Uhr. Aber anstatt Patienten zu behandeln, ist er zumeist damit beschäftigt, Plünderer abzuwehren, den Krankenhausgenerator instandzuhalten und dreimal täglich Wasser und Versorgungsgüter für das Hospital von britischen Soldaten in Empfang zu nehmen. "In den vergangenen Tagen konnten wir einen Teil des Tagesgeschäfts wieder aufnehmen", sagt Dr. Hussein. Er gestikuliert hinter einem abgeraspelten Tisch aus Kirschbaumholz. Das Loch in der Decke über ihm ist das Ergebnis einer Rakete, die das Krankenhaus in den ersten Kriegstagen getroffen hat. "Alles beruhigt sich und kehrt zur Normalität zurück, außer der Sicherheitssituation", sagt der Arzt Hussein, und irakische Fachleute im von Koalitionstruppen besetzten Süden des Iraks beginnen, die Scherben aufzusammeln. Auf den Straßen solcher Orte wie El Subair liegt Müll, und die Fenster angrenzender Geschäfte sind abgeklebt. Dass die Menschen sich wieder trauen, die Häuser zu verlassen, wenn alliierte Einheiten in der Region patrouillieren, ist ein ermutigendes Zeichen - und ein wichtiger Schritt im Bestreben, die Ordnung wiederherzustellen.

Nachhaltige Fortschritte zögern sich jedoch noch hinaus, nicht zuletzt als Folge der Furcht vor Getreuen des Regimes und der Gesetzlosigkeit, die der schnellen alliierten Angriffswelle folgte und noch andauert. Soldaten der Koalition haben zwar Führungsmitglieder der Baath-Partei gefangen genommen. Die meisten rangniedrigen Sympathisanten sind allerdings noch auf freiem Fuß. Viele Menschen in Basra fragen sich in diesen Tagen: "Ist das Regime wirklich gestürzt? Hat Saddam wirklich keinen Einfluss mehr?" Hana Al-Sadi, eine Gynäkologin am Hospital in El Subair und zudem Husseins Frau zweifelt noch. Die Leute hätten immer noch Angst vor herumstreunenden Mitgliedern der Baath-Partei. "Sie könnten uns immer noch verletzen." Auch ein Professor der Technischen Hochschule von Basra ist noch unsicher. "Wenn Bagdad fällt, fällt alles. Aber im Moment gibt es nur Unsicherheit." Wann das normale Leben auf den Campus zurückkehren wird? Niemand weiß es. Der Professor hat ein paar britische Soldaten an einem Checkpoint gefragt - sie haben ihm nichts versprechen können.

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