Handelsblatt-Reporter berichten
Erleichterung im irakischen Exil

„Ich war erstmal sprachlos.“ Cinur Ghaderi, Exilirakerin aus Sulaimania im Norden des Irak, traute ihren Augen nicht, als sie im Fernsehen den Sturz der Saddam-Statue in Bagdad mitverfolgte.

"Ich war erstmal sprachlos." Cinur Ghaderi, Exilirakerin aus Sulaimania im Norden des Irak, traute ihren Augen nicht, als sie im Fernsehen den Sturz der Saddam-Statue in Bagdad mitverfolgte. So wie die Therapeutin vom Düsseldorfer Psychosozialen Zentrum für Flüchtlinge verfolgten Tausende Exiliraker am Mittwoch die Nachrichten vom Zusammenbruch der letzten Strukturen des diktatorischen Regimes. "Zuerst wusste ich nicht, was ich fühlen sollte, aber dann war ich erleichtert." Die 32-jährige Kurdin strahlt. Kurz darauf hätten ihre Verwandten aus dem Irak angerufen: "Ach, Cinur, könntet ihr hier sein. Die Straßen sind voller Menschen, und alle Menschen tanzen. Könntet ihr das nur erleben!" Ihr Bekanntenkreis nahm die Aussicht auf ein baldiges Ende des Krieges nach außen hin gelassen auf. Aber: "Es war im Grunde genommen eine richtige Freudenstimmung - auch mit dem Wissen, dass der Krieg noch nicht zu Ende ist."

Trotz einiger Zweifel ob alle Iraker sich über den Sturz Saddams freuen, zeigt sich Cinar Ghaderi überzeugt, dass die Mehrheit der Bevölkerung das Ende seiner Herrschaft begrüßt. Die Amerikaner als "Befreier" zu bezeichnen, wagt sie aber nicht: "Ich glaube, dass es ein Stück Befreiung ist - aber auch ein Stück Besatzung." Die Iraker jetzt sich selbst zu überlassen, hielte sie für einen Fehler. Obwohl die Einführung eines Verfassungsstaates nicht reibungslos verlaufen werde, glaubt sie daran, dass aus dem Irak eine Demokratie werden könnte - eines Tages. Wenn man den politischen Willen dazu habe, sagt sie, sei Demokratisierung machbar.

Natürlich regt die Entwicklung der vergangenen Tage auch den Gedanken an eine Rückkehr in den Irak an: "Den Wunsch, beim Wiederaufbau zu helfen, habe ich schon - obwohl ich bereits als Kind nach Deutschland gekommen bin." Doch Cinar Ghaderi wird hier bleiben - wegen ihrer Kinder. "Sie haben in Deutschland größere Chancen."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%