Handelsblatt-Serie: Aktie unter der Lupe
Agfa Gevaert hofft auf die Reisebranche

Konzernumbau und Konjunkturschwäche haben den Kurs von Agfa Gevaert im vergangenen Jahr gedrückt. Kurzfristig wird er sich nicht erholen. Mit dem Verkauf von Informationssystemen für Krankenhäuser will der Fototechnik- und Grafikspezialist neue Märkte erschließen.

BRÜSSEL. "Hinterm Horizont geht's weiter", sang einst Udo Lindenberg. Ähnlich dachte wohl auch der deutsch-belgische Fototechnik- und Grafikhersteller Agfa NV, -Gevaert Mortsel, als er im vergangenen Herbst ein radikales Sparprogramm mit dem Namen "Horizon" startete: 4 000 Arbeitsplätze abbauen, 550 Mill. Euro einsparen, und dann geht es wieder. Doch Analysten sind skeptisch. Das Sparprogramm käme zu spät, lautet ihr Urteil, die Produktionskosten waren lange Zeit zu hoch.

Wenn Agfa am Donnerstag in Brüssel das Jahresergebnis 2001 veröffentlicht, präsentiert der Konzern denn auch Verluste. "Wir rechnen mit einem Verlust pro Aktie von 1,49 Euro", sagt Sylvie ven Houtte, Analystin bei KBC Securities. "Eine Dividende wird in diesem Jahr nicht ausgeschüttet." Das schlechte Ergebnis hatte Agfa bereits nach den ersten neun Monaten 2001, in denen der Konzern einen Nettoverlust von 7 Mill. Euro ausweisen musste, angekündigt. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres hatte Europas führendes Bildtechnik-Unternehmen noch einen Gewinn von 119 Mill. Euro eingefahren.

"Neben der Konjunkturschwäche sind hauptsächlich die umfangreichen Restrukturierungsmaßnahmen für das schlechte Ergebnis verantwortlich", sagt Holger Ochs von Commerzbank Securities. Einen Großteil dieser Kosten habe Agfa im vergangenen Jahr verbucht.

Der Unternehmensumbau betrifft insbesondere die aufgeblähte Verwaltung. "Weil es zwei Zentralen - eine Deutschland und eine Belgien - gibt, werden viele Arbeitsschritte doppelt ausgeführt", heißt es bei KBC. Die neue, zusammengelegte Zentrale wird in Antwerpen stehen. Deutschland bleibt mit insgesamt 14 Produktionsstätten ein wichtiger Standort.

Analysten erwarten, dass es frühestens Ende des Jahres erste positive Effekte der Restrukturierung geben wird. "Noch raten wir zum Verkauf der Aktie", sagt Holger Ochs. Der Kurs des überwiegend in Brüssel gehandelten Papiers lag am Dienstag bei 14,20 Euro.

Ans Verkaufen denkt auch der größte Anteilseigner: Der Bayer-Konzern, dem 30 % gehören, will seine Aktien abstoßen, sobald sich der Kurs erholt hat. Nach Analystenmeinung werden die Leverkusener darauf noch eine Weile warten müssen. "Agfa bewegt sich in einer stark konjunktursensiblen Branche", heißt es bei Commerzbank Securities. So sei die grafische Industrie von der Erholung des Werbemarktes abhängig. "Doch bei den Druckereien, die von der Werbebranche leben, besteht zur Zeit ein Investitionsstau", so Ochs.

Ausschlaggebend wird auch die Entwicklung des "Health Care"-Segmentes sein. Hier setzt Agfa auf die Ausstattung von Krankenhäusern, unter anderem mit Informationssystemen. In diesem stark fragmentierten Bereich hat das Unternehmen nach mehreren Übernahmen von spezialisierten Firmen einen Marktanteil von 13 % und liegt damit leicht vor Konkurrenten wie General Electric und Siemens. "Das Konzept ist gut durchdacht", beurteilt Ochs die Strategie, "aber der Erfolg wird erst in ein paar Jahren abzulesen sein."

Die Entwicklung des Fotogeschäfts, traditionell die "Cash-Cow", wird davon abhängig sein, wie sich die Reisebranche entwickelt. "Wenn das Geschäft anzieht, werden mehr Filme verkauft", so Ochs.

Im Bereich der Minilabs hat Agfa mit Fuji einen starken Konkurrenten, rechnet aber mit einer positiven Entwicklung. Kleinere Labore brauchen zunehmend Geräte, die sowohl analoge als auch digitale Filme entwickeln können.

Mittelfristig trüben Analysten zufolge also keine allzu dunklen Wolken den Horizont. Ochs: "Wir rechnen damit, dass Agfa im nächsten Geschäftsjahr mit einem Nettogewinn abschließt."

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