Handelsblatt-Serie: Aktie unter der Lupe
Daimler-Chrysler-Aktie bleibt riskant

Mit der Dividendenkürzung und der Gewinnwarnung für 2002 hat Daimler-Chrysler seine Anleger tief enttäuscht. Dennoch hat die Aktie ein hohes Kurspotenzial - allerdings bei hohem Risiko.

STUTTGART. Die Daimler-Chrysler-Aktie kommt nicht voran. Obwohl die Sanierung bei Chrysler nach Plan verläuft, spiegelt sich das im Kurs nicht wieder. Innerhalb der vergangenen zwölf Monate stieg die Aktie zwischenzeitlich auf 57 ?. Jetzt notiert sie aber wieder bei 43 ? - auf dem Niveau vom Herbst 2000, als die Schieflage bei Chrysler bekannt wurde.

Mitte vergangener Woche gab es für die Anleger weitere Hiobsbotschaften: Daimler-Chrysler hat eine drastische Dividendenkürzung von 2,35 auf 1 ? angekündigt. Damit mussten Aktionäre jedoch rechnen, denn der Stuttgarter Automobilkonzern hat 2001 wegen der hohen Sanierungskosten bei Chrysler und der US-Nutzfahrzeugsparte Freightliner tiefrote Zahlen geschrieben.

Noch stärker geschockt haben die Anleger aber die kräftig reduzierten Ertragsprognosen für das Jahr 2002. Vor einem Jahr hat Konzernchef Jürgen Schrempp noch einen Mindestgewinn von 5,5 Mrd. ? in Aussicht gestellt. Jetzt können die Investoren nur noch mit "deutlich mehr als 2,6 Mrd. ?" (Schrempp) Betriebsgewinn rechnen. Der Markt fasste dies als Gewinnwarnung auf, was zu einem Kursrutsch von 7 % führte, von dem die Aktie sich seither noch nicht wieder erholt hat.

"Warum musste der Konzern so wachsweich formulieren, wie es sonst nur Neue-Markt-Firmen machen", fragt sich Frank Biller, Analyst bei der Baden Bank. -Württembergischen Das sei kein Stil für ein Dax-Unternehmen. Aussagen wie die, dass die vor einem Jahr anvisierten Ziele "zu einem späteren Zeitpunkt erreicht" würden, irritieren ihn. "Bedeutet das in einem oder in zwei Jahren?"

Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler kritisiert die Informationspolitik des Konzerns ebenfalls: "Diese vagen Gewinnprognosen hätte der Konzern schon im vergangenen Herbst machen können." Die Anleger wären dann nicht mit wochenlanger Ungewissheit gequält worden. Etwas Gutes sieht Pieper aber in der Gewinnwarnung: Die Anleger haben in diesem Jahr das Schlimmste hinter sich. Bei diesem niedrigen Gewinnziel sei mit keiner weiteren Warnung zu rechnen.

Risikofaktor Chrysler

Viele Analysten sind überzeugt, dass Schrempp mit seiner Formulierung "deutlich mehr als 2,6 Mrd.  ?" Betriebsgewinn zu erwirtschaften, tiefgestapelt hat. Biller liest aus dieser Formulierung, dass daraus 3 Mrd. ? werden könnten. Die meisten Analysten erwarten für 2002 einen Gewinn um die 4 Mrd. ?.

Der große Gewinnbringer bleibt auch 2002 die sehr erfolgreiche Sparte Mercedes-Benz Pkw. Pieper sieht zwar mit dem Start der neuen E-Klasse im März dieses Jahres Risiken bei den Anlaufkosten. Er veranschlagt aber dennoch für diese Sparte einen Betriebsgewinn von 3,3 Mrd. ?. Weitere Gewinnbringer im Konzern sind außerdem die Finanzdienstleistungs- und die Nutzfahrzeugsparte. Knapp 1 Mrd. ? könnte von diesen Sparten kommen.

Der größte Risikofaktor bleibt Chrysler - es ist dieses Sparte, die es dem Konzern so schwer macht, den Gewinn für 2002 genauer zu prognostizieren. Ob die US-Sparte tatsächlich wie geplant in die schwarzen Zahlen zurückkehren wird, hängt mit von der US-Konjunktur ab. Bleibt die Wirtschaftslage schwierig, dürfte auch die teure Rabattschlacht weitergehen. Erschwerend kommt hinzu, dass Chrysler dem Verdrängungswettbewerb in diesem Jahr keine neuen Produkte entgegen setzen kann. Analyst Pieper hat die Verluste bei Chrysler in diesem Jahr auf rund 800 Mill. ? geschätzt.

Für Pieper und Biller ist die Daimler-Aktie dennoch der Favorit unter den Automobilaktien. Sie verweisen auf die Risiken, raten aber zum Kauf. Pieper sieht die Aktie zum Jahresende bei 60 ?, Biller bei 50 ? in drei bis sechs Monaten.

Stefan Augustin vom Bankhaus Delbrück sieht die Aktie bei 57 ? fair bewertet. Aufwärts werde es mit der Aktie aber erst nach der Bilanzpressekonferenz am 20. Februar gehen. Dann gebe es hoffentlich mehr Klarheit, wie es bei Daimler-Chrysler in Zukunft weitergehe, hofft Augustin.

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