Handelsblatt-Serie: Aktie unter der Lupe
Der Börsenliebling unter den Pharmawerten

Seit Monaten kaufen Anleger die Schering-Aktie mit wachsender Begeisterung: Lag der Kurs des Berliner Pharmaherstellers Anfang Oktober 2001 noch bei 50 Euro, so pendelt er um die 66 Euro.

BERLIN. Analysten von Dresdner Kleinwort Wasserstein halten ein Kursziel von 72 Euro für möglich; bei der Deutschen Bank und bei Goldman Sachs geht man bis 75 Euro. Die Deutsche Bank lobt das Papier als "einen der defensivsten Titel in Deutschland und in der Pharmabranche".

Was stimmt sie so wohlwollend? Ein Grund ist, dass Schering mit seinen Gewinn- und Ertragsaussichten glänzt und auch hervorragende Zahlen vorgelegt hat. Schon das erfreut die Börse, denn das Umfeld ist schwierig: Andere Pharmahersteller sind empfindlich getroffen von verzögerter Zulassung neuer Medikamente in den USA und zunehmender Konkurrenz durch Nachahmeprodukte. Darunter leidet der Berliner Arnzeimittelhersteller bisher nicht. Auch hat Schering für die nächsten fünf Jahre noch Medikamente und Patente in Petto, die solide Umsätze und Erträge sichern sollten. Für gute Stimmung an der Börse sorgt auch, dass Schering sich im laufenden Geschäftsjahr operativ übertreffen will. Hinter vorgehaltener Hand der Konzern Schering mit 450 Mill. Euro an operativem Gewinn. Das sind 12 % als der erwartete Ertrag aus dem Jahr 2001.

Wesentlich dafür ist die Antibaby-Pille "Yasmin". Wie Frank von Collani, Analyst der Berenberg Bank sagt, "wird der Erfolg von Yasmin in den USA für Schering mittelfristig entscheidend sein". Dort haben die Berliner die Pille im vergangenen Jahr eingeführt. Die Berenberg Bank geht davon aus, dass Schering seinen Marktanteil bei Kontrazeptiva in den USA mit "Yasmin" bis 2005 von 4 auf 8 % wird verdoppeln können. Schering, die für ihre konservativen Prognosen bekannt sind, haben noch ehrgeizigere Ziele: bis 2003.

Die Berliner sehen kerngesund aus. In dem krisensicheren Geschäft Verhütung etwa sind sie heute schon Weltmarktführer. In dieses Segment will Finanzvorstand Klaus Pohle weiter investieren, zumal der Wettbewerb vergleichsweise schwach sei Pohle zufolge betreibt außer Schering nur noch der Konkurrent Akzo Nobel intensive Forschung bei Verhütungsmitteln.

Entscheidend für die Zukunft ist auch, wie sich Schering im Markt mit seinen Medikamenten gegen Multiple-Sklerose behaupten kann. Dem bisher umsatzstärksten Produkt Betaferon macht der US-Konkurrent Biogen mit Avonex Konkurrenz, ebenso der schweizer Pharmahersteller Seron mit Rebif.

Bisher machen drei Geschäftsfelder, jeweils etwa 30 % des Schering-Umsatzes von insgesamt 4,5 Mrd. Euro aus: Erstens Fertilitätskontrolle und Hormontherapie, zweitens Therapeutika, zu denen auch Betaferon gehört, und drittens Diagnostika - also Mittel zur Erkennung von Krankheiten.

Für Spekulationen im Markt sorgt zur Zeit die jüngste Ankündigung des Konzerns, eine Akquisition eines "global operierenden Unternehmens" im Wert von über 500 Mill. Euro stünde bevor. Schering interessiert sich grundsätzlich für Zukäufe von Biotech-Unternehmen aber auch von Firmen aus der Onkologie sowie der Dermatologie. Vor kurzem hatte Pohle in einem Inteview mit "Euro am Sonntag" nochmals betont, die Dermatologie sei ein Geschäftsfeld, das ausgeweitet werden sollte. Besonders in den USA fehle hier noch eine Infrastruktur.

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