Handelsblatt-Serie: Aktie unter der Lupe: Hohe Preise beflügeln Saint-Gobain-Aktie

Handelsblatt-Serie: Aktie unter der Lupe
Hohe Preise beflügeln Saint-Gobain-Aktie

Die schlechte Konjunktur im Baugewerbe bietet im Augenblick nicht gerade die besten Voraussetzungen für einen Glas- und Baustoffhersteller wie den französischen Konzern Saint-Gobain. Trotzdem legte der Vorstandsvorsitzende Jean-Louis Beffa am vergangenen Donnerstag gute Jahreszahlen vor.

PARIS. "Jean-Louis Beffa hat es verstanden, in den letzten Jahren Preiserhöhungen am Markt erfolgreich durchzusetzen. Saint-Gobain kann jetzt Geld verdienen", sagt Jean-Christophe Lefevre-Moulenq, Analyst bei der Pariser Bank BNP Paribas. Er verspreche sich in Zukunft viel von der Aktie des Unternehmens. Lefevre-Moulenq schätzt, dass das Papier, das derzeit bei rund 169 Euro gehandelt wird, langfristig auf 195 Euro steigen könnte. Er empfiehlt, ebenso wie die Analysten von Merrill Lynch, die Aktie langfristig zu kaufen. Andere Analysten stufen das Papier von Saint-Gobain allerdings etwas vorsichtiger ein. Wenn die Konjunktur 2002 nicht anziehe, werde auch der Aktienkurs nicht gut abschneiden, heißt es. Die Société Générale bewertet den Titel deshalb mit "halten" ebenso wie Crédit Agricole.

Für dieses Jahr peilt der Konzern ein Wachstum des Betriebsergebnisses von bis zu vier Prozent an unter der Voraussetzung, "dass die Weltkonjunktur in der zweiten Hälfte des Jahres wieder anzieht", wie Beffa sagt. Schon im vergangenen Jahr steigerte Saint-Gobain sein Betriebsergebnis nach Steuern um drei Prozent auf 1,06 Mrd. Euro, den Umsatz um 1,6 Prozent auf 30,3 Mrd. Euro.

Vor allem die erfolgreiche Preispolitik im Geschäft mit Glas sichert Saint-Gobain satte Gewinne. Denn der Bereich Glas macht fast 40 Prozent des Umsatzes des Unternehmens aus. Und mit einem Marktanteil von 28 Prozent bei Flachglas hat Saint-Gobain in diesem Bereich eine starke Position und kann deswegen seine Preise gut durchsetzen.

Ein Beispiel: Mitte der 90er Jahre lag der Preis für Flachglas zwischen umgerechnet 2,5 und 3 Euro pro Quadratmeter, heute liegt er bei fast 4 Euro. "Hier konnte Saint-Gobain gute Preise durchsetzen, die auch gezahlt werden", sagt Lefevre-Moulenq. Im vergangenen Jahr verbesserte der Glas- und Baustoffproduzent sein Betriebsergebnis in diesem Bereich um rund zehn Prozent.

Im Bereich der Baustoffe stehe dem Markt die Preiserhöhung bevor, die am Flachglasmarkt schon durchgesetzt worden sei, sagt Analyst Lefevre-Moulenq. Baustoffe machen fast die Hälfte des Umsatzes von Saint Gobain aus. Auch hier verzeichnete Saint-Gobain Gewinne. Die Chancen auf ein noch besseres Ergebnis stehen laut Lefevre-Moulenq gut. "Im Bereich Isolierstoffe kann Saint-Gobain seine Gewinne gut steigern, wenn sie die Preise weiter anheben", sagt Lefevre-Moulenq. Ein Sorgenkind des Konzerns ist die Sparte Hochtechnologiematerialien.

Hier brach das Ergebnis um über 40 Prozent ein. Arnaud Lehmann, Analyst bei Dexia Securities, erwartet erst wieder bessere Zahlen, wenn die Konjunktur anzieht. "Wenn Saint-Gobain für das nächste Jahr bis zu vier Prozent Umsatzwachstum voraussagen, dann setzen sie voraus, dass die Konjunktur sich in der zweiten Hälfte 2002 in den USA wieder erholt. Und da sind wir uns nicht so sicher." Die Preise zu erhöhen, nutze in diesem Bereich nichts, denn hier müsse Saint-Gobain durch neue Produkte wachsen. Lehmann stuft die Aktie des französischen Konzerns deshalb auf lange Sicht auf "neutral".

Für dieses Jahr hat Beffa große Pläne: Er will die Verschuldung des Konzerns von 8,2 Mrd Euro auf 7,8 Mrd. Euro reduzieren. Außerdem wolle Saint-Gobain eine Fabrik für Isolierstoffe in Russland aufbauen und in Polen investieren.

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