Handelsblatt-Serie: Aktie unter der Lupe
Kurzes Aufatmen bei der Commerzbank

Die Commerzbank musste im vergangenen Jahr viele Federn lassen. Auch für das Jahr 2002 ist nach Meinung von Experten noch keine nachhaltige Verbesserung in Sicht. Die Aufstockung des Anteils der Münchener Rück an der viertgrößten deutschen Großbank hat dieser eine Verschnaufpause verschafft.

DÜSSELDORF. Die gebeutelten Aktionäre der Commerzbank AG konnten sich vergangenen Donnerstag freuen: Die Münchener Rück gab sich mit einer Beteiligung von 10,4 % als neuer größter Einzelaktionär der Commerzbank zu erkennen. Prompt avancierte die Aktie an den deutschen Aktienmärkten zum Favoriten und schnellte um knapp 11 % in die Höhe.

Doch stellt dies nicht mehr als ein kurzes Aufatmen dar. Denn seit dem absoluten Hoch bei knapp 45 Euro im Jahr 2000 verlor die Aktie der Commerzbank rund 40 %. Im Jahr 2001 erreichte das Papier ein Jahrestief von knapp über 14 Euro. Und auch nach der Aufstockung des Anteils des weltweit größten Rückversicherers sind die Aussichten eher düster, wie eine Umfrage bei Analysten ergab.

Insgesamt 23 Banken stufen die Commerzbank-Aktie mit "Verkaufen" einstufen, weitere 23 mit "Halten" und nur 12 mit "Kaufen". Dieses Ergebnis ist nicht verwunderlich, denn das Jahr 2001 lief für die Commerzbank schlecht und auch die Aussichten für 2002 sind nach Meinung der Experten eher trüb.

Vor allem die Risikovorsorge macht Sorge: Die Unternehmensinsolvenzen sind im Jahr 2001 um 16 % angestiegen. Wegen ihres hohen Engagements im Mittelstand rechnen Analysten damit, dass die Commerzbank stark betroffen sein wird. Trotz bereits eingeleiteter drastischer Sparmaßnahmen sind die Kostenblöcke unverändert sehr hoch. Und die Maßnahmen haben nicht unbedingt zur Zufriedenheit der Mitarbeiter beigetragen. Die Unruhe ist groß. Hinzu kommen die lahmende Konjunktur und das schwache Investmentgeschäft, das die gesamte Bankbranche belastet. Hier habe das Unternehmen eine Menge Ressourcen aufgebaut, die jetzt nicht richtig genutzt werden könnten, urteilt Guido Hoymann vom Bankhaus Metzler. Die Commerzbank sei in nahezu allen Bereichen des Bankgeschäfts tätig, doch erreiche sie nirgendwo die kritische Größe, bei der sich das Geschäft richtig lohne, führt der Analyst aus.

Nach Ansicht der meisten Experten gehen die von Vorstandschef Klaus-Peter Müller eingeleiteten Maßnahmen nicht weit genug. Man müsste mehr Bankbereiche ausgliedern oder zusammenstutzen, erklärt eine Analystin. Doch vor drastischen Maßnahmen schreckt Müller noch zurück.

Die Aufstockung der Beteiligung der Münchener Rück gab Anlass zu neuen Spekulationen. Handelt es sich hierbei tatsächlich um ein langfristiges Investment, oder wird in aller Heimlichkeit schon an einem zweiten großen Allfinanz-Haus neben dem Dresdner-Allianz-Modell gearbeitet? Ein Sprecher der Münchener Rück erklärte, der Aktienanteil stelle primär ein renditeorientiertes Finanzinvestment dar. Commerzbank-Vorstandssprecher Müller begrüßte die Anteils-Aufstockung der Münchener Rück. Eine Fusion seines Hauses mit der HypoVereinsbank, an der die Münchner Rück mit 25,7 % des Kapitals beteiligt ist, komme derzeit aber nicht in Frage.

Mit den nun gehaltenen 10,4 % löst die Münchener Rückversicherung den italienischen Versicherer Generali, der 9,9 % hält, als größten Einzelaktionär der Commerzbank ab. Weitere 9,96 % liegen bei der Investorengruppe Cobra, 4,8 % bei der spanischen Großbank SCH, 1,4 % bei Mediobanca und 0,8 % bei Banca Intesa BCI.

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