Handelsblatt-Serie: Aktie unter der Lupe
Solvay-Aktien sind attraktiv aber riskant

Der belgische Chemie- und Pharmakonzern Solvay S.A. blickt nicht nur auf eine traditionsreiche Geschichte seit 1863 zurück, sondern erlebt auch auf eine im Vergleich zur Konkurrenz wenig gebeutelte Gegenwart.

BRÜSSEL. Während Überkapazitäten und zurückgehende Preise Wettbewerber wie Celanese belasten, hat Solvay seine Investoren kürzlich mit einem vergleichsweise guten vorläufigen Ergebnis für das schwierige Jahr 2001 überrascht. Die Börsen honorieren zur Zeit den Kurs von Solvay-Chef Alois Michielsen, der durch strammes Kostenmanagement dem Unternehmen im vergangenen Jahr schwerere Verluste ersparte. Seit September, als die Aktien des Brüsseler Konzerns mit 32 000 Mitarbeitern und Standorten in 50 Ländern auf ein herbes Tief von 52 Euro fielen, erholten sich die Papiere an der Frankfurter Börse bis auf 75 Euro.

Für Peter Edwards, Analyst bei ABN-Amro, ist das noch lange nicht das Ende: Er empfiehlt die Solvay-Aktien zum Kauf und setzt ein Kursziel von 80 Euro. "Der Konzern steht einfach besser da als die Konkurrenz", meint Edwards. Der Umsatz ging im Vergleich zum Vorjahr um moderate 2 % auf 8,7 Mrd. Euro zurück, der Nettoverdienst um 7 % auf 403 Mill. Euro. Für die Anleger springt dabei eine Dividende von 1,70 Euro heraus.

Die vergleichsweise gute Stellung des Konzerns in der Branche führen Analysten auf die gute Strategie der Belgier zurück: Seit den achtziger Jahren bauen sie systematisch ihren Pharmabereich und die Spezialchemie aus, um weniger von der Berg- und Talfahrt im klassischen Chemiegeschäft abhängig zu sein. Bis 2005 soll deren Anteil am Betriebsergebnis auf 70 % steigen. Als ein herausragender Schritt in diese Richtung galt der Erwerb des US-Unternehmens Unimed Pharmaceuticals im Jahr 1999.

Analystenkreise werten vor allem den Kauf der Fluor- und Peroxidsparte Ausimont vom italienischen Montedison-Konzern als einen Erfolg. Die mit 1,3 Mrd. Euro größte Akquisition in der Firmengeschichte macht nach Ansicht von David Phillips von Morgan Stanley Dean Witter vor allem finanziell Sinn: Der Preis, das Doppelte des Umsatzes von rund 600 Mill. Euro, sei ausgesprochen gut, da Ausimont über hohe jährliche Wachstumsraten und Margen verfüge.

Solvay will die Integration bis zur Jahresmitte abgeschlossen haben und ist dann weltweit der zweitgrößte Anbieter für fluorierte Spezialchemikalien. Phillips sieht ein Kursziel von 77 Euro: Solvay sei ein im Branchenvergleich attraktiver Wert, aber nicht ohne Risiko.

Während die Gewinne der Pharmasparte im vergangenen Jahr um mehr als die Hälfte stiegen, musste Solvay beim Kunststoff einen herben Verlust einstecken, den das Management vor allem auf das in Folge des 11. Septembers schwache US-Geschäft zurückführt.

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist nach Einschätzung von Branchenkennern das nach wie vor große Engagement der Familie Solvay. Im Aufsichtsrat findet sich der Name noch mehrmals neben anderen klangvollen wie Chevalier Guy de Selliers de Moranville, Baron José del Marmol oder Viscount Etienne Davignon - ein Verweis auf die alte adlige Wirtschaftselite Belgiens, die über eine Vielzahl von Beteiligungen nach wie vor Strippen zieht.

Wegen der anhaltenden weltwirtschaftlichen Unsicherheiten wollen Michielsen und sein Vorstand noch keine genauen Prognosen für das laufende Jahr wagen. Von einem schlechten Jahr gehen sie jedoch nicht aus: Die Dividende jedenfalls soll steigen.

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