Handelsblatt-Serie: Aktie unter der Lupe: Unilever hinkt noch hinter Nestlé her

Handelsblatt-Serie: Aktie unter der Lupe
Unilever hinkt noch hinter Nestlé her

Der niederländisch-britische Konsumgüterkonzern Unilever will seinem Rivalen Nestlé das Wasser abgraben. Analysten sehen aber noch eine Reihe von Defiziten bei Unilever. Vor allem der Erwerb des US-Lebensmittelriesen Bestfood muss noch verdaut werden. Die Unilever-Papiere haben jedoch langfristig Potenzial.

BRÜSSEL. Antony Brugmans, Herr über Marken wie Magnum, Calvin Klein, Slim Fast oder Iglo, kann mit seiner Bilanz 2001 ganz zufrieden sein: Am Donnerstag wird der Unilever-Chef erwartungsgemäß bekannt geben, dass der zweitgrößter Konsumgüterkonzern der Welt trotz Konjunkturflaute seinen Reingewinn von 1,1 Mrd. Euro auf etwa 1,5 Mrd. Euro steigern kann.

Auch der Umsatz wird nach Ansicht von Analysten aus den Häusern ING Barings und Credit Lyonnais von 47 Mrd. Euro auf rund 53 Mrd. Euro zulegen. Für den Anleger erwarten die Branchenexperten eine Dividende von etwa 1,56 Euro. Im Vorjahr waren es 1,43 Euro. So weit, so gut. Im Rennen mit dem Rivalen Nestlé, derzeit Nummer Eins der Branche, muss Unilever aber noch weiter aufholen.

Gerard Rijk, ING-Barings-Analyst, empfiehlt seinen Anlegern die Unilever-Papiere "zu halten". Zwar habe Konzern-Boss Brugmans im Rahmen seines Fünf-Jahres-Fitness-Plans "Path to Growth" ganz erheblich Kosten sparen können, eines seiner großen Ziele, das Umsatzwachstum seiner 400 Topmarken um jährlich rund 6 % zu steigern, hat er nach Rijks Einschätzung bisher nicht erreicht. Im letzten Quartal konnten Unox, Omo, Domestos & Co. gar nur um 1 % zulegen.

Die Schweizer Konkurrenz war da mit Maggi, Thomy oder Perrier erfolgreicher: Der Umsatz ihrer Parademarken wuchs im gleichen Zeitraum um 4 %. Skeptisch stimmen Rijk auch Probleme beim Unilever-Marketing sowie die Schwäche auf dem südamerikanischen Markt in Folge der Argentinien-Krise. "Nestlé hat sich zudem keine schwierigen Akquisitionen geleistet und verfügt über einen besseren Produktmix", meint Rijk. Auch ABN-Amro hält den aktuellen Preis für eine Unilever-Aktie von rund 65 Euro für angemessen.

Goldman Sachs dagegen sieht Unilever unterbewertet: Beim jetzigen Kurs sei noch Spielraum bis zu 69 Euro, heißt es. In einem sind sich die meisten Branchenbeobachter aber einig: Trotz einiger Mängel machen Konzernchef Brugmans und sein Management einen guten Job bei der Umsetzung ihrer langfristigen Ziele.

Um im Rennen mit Nestlé der schweizer Konkurrenz das Wasser abzugraben, will der Unilever-Chef den Konzern schlank machen: Von den 1 600 Marken, die er bei Antritt seines Jobs 1999 vorfand, sollen 2004 nur noch 400 übrig bleiben. Von rund 800 hat sich das britisch-niederländische Unternehmen bisher getrennt. Die verbleibenden sollen dann 95 % des Umsatzes tragen.

Im Rahmen der Konzern-Diät hat sich Brugmans bereits die größten Brocken wie der Reinigungssparte Diversy Lever, die für 1,75 Mrd. Euro in ein Joint Venture mit S.C. Johnson ausgelagert wurde, abgestoßen.

Es bleibt die Integration des US-Lebensmittelherstellers Bestfood, der mit stolzen 27 Mrd. Euro größten Akquisition in der Firmengeschichte. Die Amerikaner bereichern seit 2000 das Marken-Portfolio von Unilever um Knorr, Slim Fast oder die Kult-Eiscreme Ben & Jerrys. Nach Ansicht von ING-Barings-Analyst Rijk läuft die Eingliederung zwar nach Plan. Sie bindet jedoch erhebliche Energien.

Die Unternehmenskulturen können kaum unterschiedlicher sein: Unilever gilt als bürokratisch und vorsichtig, die neuen Mitarbeiter der US-Tochter als innovations- und risikofreudig. Bisher kam der Zukauf in den USA hauptsächlich teuer. Bis er hilft, die jährliche Unilever-Rendite auf die geplanten 16 % zu heben, vergehen noch Monate.

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