Handelsblatt-Serie: Aktie unter der Lupe
Wienerberger macht Verluste

Eigentlich sollte 2001 zum Jahr der Ernte für die Wienerberger Baustoffindustrie AG, Wien, werden. Jetzt müssen die Manager des weltgrößten Ziegelherstellers mit 212 Werken in 28 Ländern einen Verlust nach Steuern ausweisen. Die Schwäche ist aber nicht Folge des aggressiven Wachstumskurses, sondern der langsamen Bereinigung des deutschen Ziegelmarktes.

WIEN. Wiens Analysten sind von der baldigen Genesung des Blue Chips überzeugt. Wienerberger, so Peter Bauernfried von der Bank Austria/Creditanstalt (BA/CA), sei kein Sanierungsfall: "Dazu ist das Fundament zu gut." Für 2001 erwarten Raiffeisen-Centrobank (RCB), BA/CA und Erste Bank einen Umsatz von 1,55 Mrd. Euro, Restrukturierungskosten von 90 Mill. Euro und einen Nettoverlust von 35 bis 40 Mill. Euro. Für das laufenden Jahr gehen die Analysten wieder von einem Nettogewinn von 60 bis 65 Mill. Euro aus.

Vor Bekanntgabe der vorläufigen Ergebnisse für 2001 am Freitag bestätigen BA/CA und Erste Bank ihre "Hold" bzw. "Neutral"-Einstufungen, während RCB in einer neuen Analyse die Aktie zum "Kauf" empfiehlt. Als fairen Wert für die Aktien nennen die Analysten 23,4 Euro.

Günther Artner von der Erste Bank sieht 2002 sogar "eine Ergebnisverbesserung über die Restrukturierung hinaus, auch wenn vom Markt noch keine dramatischen Änderungen kommen werden".

Ausmaß und Intensität der Verbesserung hängen vorrangig vom deutschen Ziegelmarkt ab. Wegen der Überkapazitäten konnte die deutsche Ziegelindustrie im Sommer 2001 ihre Kapazitäten nur noch zu 70 % auslasten. Die Preise gaben massiv nach und Wienerberger - mit 40 % Marktanteil - sah sich mit einer Wettbewerbsklage wegen Preis-Dumpings konfrontiert.

Laut Wienerberger-Sprecher Thomas Melzer habe sich der Marktführer nur "angemessen" der Nachfrage angepasst. So wurden für 47 Mill. Euro acht Werke des Konkurrenten Megalith erworben und fünf der 30 deutschen Ziegelfabriken geschlossen. RCB-Analyst Mark Kerekes glaubt, dass es im Laufe des Jahres gelingen sollte, "dem ruinösen Wettbewerb ein Ende zu setzen".

Profitieren sollte Wienerberger von den weiter wachsenden Baustoff-Märkten Osteuropas. Während in Deutschland die Ebit-Margen (Betriebserfolg zu Umsatz) negativ waren, lagen sie in Tschechien und Ungarn bei gut 25 %. Nur Polen (Marktanteil 25 %) fiel wegen der extrem hohen Zinsen aus der Reihe. In den USA, wo Wienerberger in zwei Jahren seinen Marktanteil durch Zukäufe von null auf 18 % schraubte, sorgen niedrigen Zinsen dafür, dass der Bau von Eigenheimen auf vollen Touren läuft.

RCB-Analyst Kerekes rechnet mittelfristig mit einer völligen Konzentration auf das Kerngeschäft Ziegel und dem Verkauf von Pipelife (Kunststoffrohre), Bramac und Tondach Gleinstätten. Verkaufen wollen auch die beiden Großaktionäre, Bank Austria und die belgische Koramic, die 53,2 % der Wienerberger-Aktien halten.

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