Handelsblatt Serie: Tuminellis Designkritik
Mini-Auto Eclectic: Saubere Sache

Ein kleiner Hersteller aus einem kleinen Land bringt ein kleines Auto auf den Markt, dessen Wirkung groß sein wird: Venturi aus Monaco präsentiert sein Mini-Auto Eclectic.

Die Mehrheit der Franzosen, je nach Umfrage bis zu 97 Prozent, wünscht sich ganz dringend ein „sauberes Auto“. Wie reagiert also die Automobilindustrie auf der Pariser Automesse?

Ein Beispiel: Zwar färbte Peugeot alle seine Modelle weiß und stellte sie auf grüner Wiese exemplarisch aus, doch ist der Zwiespalt bei diesem wie bei anderen Herstellern auf dramatische Weise spürbar. Hier steht der Prototyp eines 207 CC in umweltschonender Brennstoffzellenversion, dort steht als Gegensatz eine ziemlich hässliche, viel zu große und pechschwarze viertürige Coupélimousine, ausgestattet mit einem unnötigen Le-Mans-V12-Dieselmotor. Egal, was die Umfragen sagen: nach abgeschlossenem Messerundgang scheint es noch unklar zu sein, was die Großen der Automobilindustrie uns künftig verkaufen wollen. Gift, Gegengift oder wohl beides? Manch ein kleiner Hersteller kann stringenter sein. Zum Beispiel Venturi aus Monaco, ein Rennstall, der mit seinen seit 1984 gefertigten GTs nicht ohne Erfolg gegen Ferrari & Co. gekämpft hat und der sich seit einem Strategiewechsel 2001 ganz dem Thema Zukunftsauto widmet.

Und zwar ganz konkret, mit Fahrzeugen wie dem in Paris vorgestellten Eclectic. Als einfachstes Stadt- und Fun-Car gedacht, ganz in der Tradition des Citroen Mehari oder des Austin Mini Moke stellt Eclectic eine sehr spartanische und gleichzeitig emotional ansprechende Minimalverpackung für die kleinen Strecken in der Weltmetropole sowie am Urlaubsort dar. Der Akzent wird im Designkonzept nicht auf Dynamik und Leistung, sondern auf Freiheit, Sympathie und Intelligenz gesetzt. Was daraus resultiert ist eine mediterrane Lounge „très cosy“, seitlich offen, vorne und hinten durch vertikale Glasflächen und oben durch einen Kunststoffschirm geschützt. Keine irrsinnige Vision und nichts wirklich Neues: Seit Jahren wird in den Vereinigten Staaten mit so genannten „Zero Emission Vehicles“ dieser Art experimentiert. Oft sind diese kaum mehr als Golfcarts in Übergröße. Venturi bringt das Konzept ein ganzes Stück weiter: Eclectic ist das erste Fahrzeug auf der Welt, das völlig autonom funktionieren kann.

Zwar bieten die wassergekühlten Batterien nach voller Ladung 50 Kilometer Reichweite bei 50 Stundenkilometern – doch können die Akkumulatoren auch ohne Stromanschluss durch das 2,5 Quadratmeter große Solardach oder durch Wind-Turbinen geladen werden. Das macht täglich bis zu 22 Kilometern Reichweite, die – bei entsprechenden Wetterverhältnissen– als regenerative Energie hinzugewonnen werden können. Die erste Serie von 200 Fahrzeugen wird 2007 für je 24 000 Euro geliefert, bis 2009 sollte der Preis aufgrund größerer Produktionszahlen auf 15 000 Euro sinken. Folgen die Europäer dem Trend aus Kalifornien, so ist die Rolle des Eclectic als Kultfahrzeug in den edlen Häfen der Cote d'Azur zunächst gesichert.

Paolo Tumminelli ist Designprofessor an der Fachhochschule Köln und Geschäftsführer von Goodbrands.

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