Handelsblatt-Serie über die Versuche, die Finanzbranche nach vorne zu bringen: Viele Wege führen aus der Bankenkrise

Handelsblatt-Serie über die Versuche, die Finanzbranche nach vorne zu bringen
Viele Wege führen aus der Bankenkrise

Am 23. Januar ging ein kleiner, aber womöglich bahnbrechender Ruck durch die deutsche Bankenlandschaft. Von der breiten Öffentlichkeit unbemerkt, kündigten die beiden Wertpapierabwickler BWS und WPS ihre Fusion an.

FRANKFURT/M. Das Spannende daran: Kommt der Zusammenschluss zu Stande, entstünde Deutschlands führender Wertpapierabwickler. Und dies wäre die erste große Fusion zwischen Kreditinstituten verschiedener Couleur. Die BWS gehört dem genossenschaftlichen Lager an, die WPS der Sparkassenorganisation. Ausgerechnet der Zusammenschluss der Abwicklungsbanken könnte damit das Signal geben, dass die "drei Säulen" des Kreditgewerbes - die dritte sind die privaten Großbanken - dem Lagerdenken abschwören, das bislang Fusionen verhinderte.

Solche mutige Schritte tun im deutschen Bankensystem Not. Derzeit knackt es an allen Ecken und Enden. Die Ertragsmisere der Großbanken ist nur das augenfälligste Symptom. Commerzbank, Dresdner und Hypo-Vereinsbank schreiben tiefrote Zahlen, und der Deutschen Bank hat maßgeblich der massive Verkauf von Beteiligungen zu schwarzen Zahlen verholfen. Ganz so schlimm sieht es beim Rest der Branche zwar nicht aus. Aber auch einige Landesbanken kämpfen mit Problemen, ähnlich wie die genossenschaftliche DZ Bank.

Doch bei aller Tristesse - es gibt auch Vordenker und Reformer, die mit neuen Ideen für frischen Wind sorgen wollen. Diese Architekten der künftigen Bankenlandschaft wird das Handelsblatt in dieser Serie porträtieren. Dazu zählen einige hochprofitable, kleinere Institute - denn auch so etwas gibt es noch in Deutschland. Vor allem aber werden die Wegbereiter der Konsolidierung vorgestellt. Denn die hochgradige Zersplitterung des Finanzwesens gilt bei Experten als eines der Grundübel der Branche. Mehr als 2 500 Kreditinstitute gibt es hier zu Lande. Auch bei der Zweigestellendichte nimmt Deutschland einen Spitzenplatz in Europa ein.

Spielraum für eine kräftige Marktbereinigung gibt es also mehr als genug. Nach Meinung von Rolf-E. Breuer, Chef des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), müsste in fünf Jahren jede zweite Filiale verschwinden, damit die Produktivität der deutschen Kreditwirtschaft auf das Niveau der europäischen Nachbarländer steigt.

Erste Ansätze der Konsolidierung

Erste Ansätze der Konsolidierung gibt es schon - beispielsweise im öffentlichen Sektor. So entstand in Hannover Anfang des Jahres durch den Zusammenschluss von Kreis- und Stadtsparkasse eine der zehn größten Kassen in Deutschland. Auch die Landesbanken kommen in Bewegung, wie die geplante Nordfusion zwischen Hamburg und Kiel zeigt. Und die drei Frankfurter Großbanken bündelten immerhin ihr Immobiliengeschäft in der gemeinsamen Hypothekentochter Eurohypo. Zudem verhandeln die Deutsche und die Dresdner Bank mit der Deutschen Börse über eine gemeinsame Wertpapierabwicklung, und Deutsche, Dresdner und HVB wollen im Zahlungsverkehr kooperieren.

Doch an der Gretchenfrage, ob auch säulenübergreifend fusioniert werden darf, scheiden sich die Geister. Bisher verläuft die Konsolidierung praktisch ausschließlich innerhalb der drei Säulen. Zu wenig - sagen die Großbanken, die in der strikten Dreiteilung den Kern allen Übels vermuten. Zumindest führt sie dazu, dass die heimischen Großbanken zusammen nur auf einen Marktanteil von 15 % kommen - im Rest Europas haben die führenden Institute in ihrem Heimatmarkt eine weitaus größere Macht. "Die Drei-Säulenfrage darf kein Tabu sein", fordert daher Commerzbankchef Klaus-Peter Müller. Auch der Unternehmensberater Roland Berger will die Mauern einreißen. "Es wäre sinnvoller, den Konsolidierungsprozess säulenübergreifend anzugehen".

Das sehen Sparkassen und Genossenschaft ganz anders. "Jede Gruppe muss ihre eigenen Hausaufgaben machen", weist der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Dietrich Hoppenstedt, die Avancen der Banken zurück. Ähnlich sehen das die genossenschaftlichen Banken. Nur in ausgewählten Bereichen wie der Abwicklung von Zahlungsverkehr und Wertpapiergeschäften seien Kooperationen möglich, heißt es in beiden Lagern unisono.

Auch die Gewerkschaften winken ab. "Wir halten säulenübergreifende Fusionen für schädlich", sagt Verdi-Bankenexperte Uwe Foullong. Die Dreiteilung der Kreditwirtschaft sorge für einen aus Verbrauchersicht wünschenswerten Wettbewerb und sichere viele Arbeitsplätze.

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