Handelsblatt-Teamcheck
Gruppe A: Eine Nation zwischen Hoffen und Bangen

In Gruppe A trifft Gastgeber Schweiz auf Tschechien, die Türkei und Portugal. Nachdem die Eidgenossen bei der letzten Euro mit einem mageren Punkt nach Hause fahren mussten, will die Mannschaft von Trainer "Köbi" Kuhn nun erstmals in ihrer Geschichte in ein Euro-Viertelfinale einziehen. Ob das Unterfangen gelingen kann, zeigt ein genauer Blick auf die Gruppe.

Türkei: Die Offenisive ist das Prunkstück

Die Bilder gingen um die Welt: Nach den folgenschweren Ausschreitungen beim Playoff-Spiel zur WM 2006 gegen die Schweiz fuhren die Eidgenossen zur WM, die Türken mussten zu Hause bleiben. Nun treffen beide Mannschaften erneut aufeinander. Mit zwei Last-Minute-Siegen gegen Norwegen und Bosnien haben die Türken das Ticket für die Euro-Endrunde gelöst.

Hinter Spitzenreiter Griechenland belegte das Team von Trainerlegende Fatih Terim den zweiten Platz. Damit hat sich die Mannschaft erstmals seit ihrem grandiosen dritten Platz bei der WM in Japan und Südkorea wieder für eine Endrunde qualifizieren können. Entsprechend groß sind Euphorie und Erwartungshaltung in der fußballverrückten Türkei.

Auch das noch ...
Der Fußball in der Türkei, ließ Orhan Pamuk wissen, sei lange so schlecht gewesen, dass man eigentlich nur Verlierer verehren konnte. Außerdem, so der Nobelpreisträger, sei die Nationalmannschaft eine Maschine zur Produktion von Nationalismus und Gewalttätigkeit.
Nun ja, die ewige Loser-Rolle haben die Türken mittlerweile abgelegt, doch den Klassenrüpel spielen sie immer noch gern. Unvergessen jener Auftritt bei der EM-Qualifikation 2004, als Torwart Rüstü Recber mit Kriegsbemalung unter den Augen den Engländer Kieron Dyer mit einem Scherenschlag erlegte. Und auch die allgemeine Hatz auf die Schweizer Spieler nach der verpassten WM-Qualifikation 2006 scheint die Analyse Pamuks zu bestätigen.
Für die Euro 2008 hat man sich am Bosporus allerdings Besserung geschworen. Und so verweilte die Nationalmannschaft zur Vorbereitung vielleicht nicht zufällig im westfälischen Hotel „Klosterpforte“. Die Tür zum Hof der Herberge führt tatsächlich zum nahe gelegenen Gotteshaus. Ob es Trainer Fatih Terim, ein „Ultra-Nationalist“ (Pamuk), aufgesucht hat?

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Das Prunkstück der Türken ist ihre Offensivabteilung: Allen voran die Legionäre Hamit Altintop (Bayern München), Emre Belözoglu (Newcastle United) und Tuncay Sanli (FC Middlesbrough) sollen im Mittelfeld für Kreativität- und die nötigen Impulse nach vorne sorgen. Bei der Nominierung des endgültigen Euro-Kaders wartete Fatih Terim indes mit einer faustdicken Überraschung auf: Die beiden Bundesliga-Profis Halil Altintop (FC Schalke 04) und Yildiray Bastürk (VfB Stuttgart) mussten unverhoffter Dinge die Heimreise antreten. Ihre Nicht-Nominierung begründete Terim mit fehlender Spielpraxis.

Stichwort Sturm: Nach der Ausbootung von Altstar Hakan Sükür, der zwei Spieltage vor Ende der Qualifikation nach einer enttäuschenden 0:1 Niederlage gegen Griechenland aussortiert wurde, liegt der Fokus der türkischen Nationalmannschaft auf Stürmerstar Nihat Kahveci vom FC Villarreal. Mit seinen beiden entscheidenden Toren gegen Norwegen und Bosnien sicherte der 28-jährige den Türken das Euro-Ticket. In der spanischen Primera División schoss Kahveci seinen Verein in der abgelaufenen Saison mit 18 Toren in die Champions-League. Nun soll der Newcomer der Quali, dessen Stärken in Schnelligkeit, Dribbelstärke und guter Schusstechnik liegen, die Türken ins Viertelfinale führen.

So stark die Türken in der Vorwärtsbewegung sind, so schwach sind sie in ihrem Defensivverhalten. Keine für die Endrunde der Euro qualifizierte Mannschaft kassierte mehr Gegentore als die türkische Nationalmannschaft - elf Stück an der Zahl. Abwehrchef Serven Cetin spielte in der Qualifikation keine zwei Spiele in Folge mit demselben Nebenmann. Zudem muss Abwehrspieler Gökhan Gönül aufgrund einer langwierigen Fußverletzung auf das Turnier in Österreich und der Schweiz verzichten. Auch im Tor konnte keiner der eingesetzten Schlussmänner vollends überzeugen, im Gegenteil: In der Quali reihte sich Patzer an Patzer. Wer bei der Euro letztlich zwischen den Pfosten des türkischen Tores stehen wird, weiß nur Fatih Terim. Momentan hat Volkan Demirel von Fenerbahce Istanbul die Nase vorne.

Die Handelsblatt.com-Prognose:
Nur wenn die einzelnen Mannschaftsteile enger zusammenrücken, die junge Mannschaft ihre Nerven behält und individuelle Fehler im Spielaufbau vermeidet, kann die Türkei ihre Chance auf das Erreichen des Viertelfinales wahren. Unsere Einschätzung: Die Türken werden nach der Vorrunde trotz großen Kampfes die Segel streichen müssen.

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