Handelsblatt-Teamcheck
Gruppe B: Blamieren verboten

In der Gruppe B hat es Deutschland mit Kroatien, Polen und Gastgeber Österreich zu tun - auf dem Papier eine klare Angelegenheit. Die Frage ist: Haben die Außenseiter Polen und Österreich das Zeug, den Favoriten ein Bein zu stellen? Der Team-Check von Handelsblatt.com sagt ihnen, was von Deutschland und seinen Gegnern zu erwarten ist.

Polen: Gemeinsam sind sie stark

Die Teilnahme an dem Turnier in Österreich und der Schweiz ist die erste einer polnischen Auswahl bei einer Europameisterschaft überhaupt. Bei seinen Anhängern hat das Team einiges gut zu machen: Nach einer überzeugenden Qualifikation scheiterten die Polen bei den vergangenen beiden Weltmeisterschaften in Südkorea und Japan sowie in Deutschland jeweils schon in der Gruppenphase.

Auch das noch ...
Wie kein zweites Spiel hat sich das verlorene WM-Halbfinale von 1974 in das polnische Kollektivgedächtnis eingegraben. Jene legendäre „Regenschlacht von Frankfurt“, als nach einem Sturmlauf gegen Deutschland ein Schuss von Lato - statt ins leere Tor zu rollen - wenige Zentimeter davor in einer Pfütze versackte. Seither, weiß der Philosoph Radek Knapp, werden „wir Polen unter vorgehaltener Hand als Leichtgewichte eingestuft“.
Das Schicksal ist den Polen in ihrer Geschichte bekanntlich schon in bedrohlicherer Form begegnet als in Gestalt einer Regenpfütze. Deshalb besinnt man sich vor allem auf das Talent im situativen Handeln. Nicht ohne Grund heißt eines der größten Werke der polnischen Literatur „Große Improvisation“.

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Dieses Mal ließen die Polen in der Qualifikation immerhin die favorisierten Portugiesen hinter sich. Einer der Garanten für das Erreichen der Endrunde: Ebi Smolarek. In Dortmund aussortiert, entwickelte sich der Angreifer vom spanischen Club Racing Santander mit neun Toren für die Nationalmannschaft zu einem der Hoffnungsträger.

Was vorne Smolarek ist, ist hinten Artur Boruc. Der Schlussmann von Celtic Glasgow ist der große Rückhalt der Mannschaft und gehört zu den stärksten Torhütern in Europa. Darüber hinaus fehlen dem polnischen Team aber die ganz großen Individualisten, die dem Spiel in den entscheidenden Situationen ihren Stempel aufdrücken können. Beim Testspiel gegen die USA (0:3) bissen sich die Polen an der gegnerischen Abwehrreihe ein ums andere Mal die Zähne aus. Selbst gegen Moldawien reichte es nur zu einem mageren 1:1.

Stark sind die Polen vor allem als Gemeinschaft: Trainer Leo Beenhakker hat vor rund zwei Jahren, unmittelbar nach der WM in Deutschland, eine enorm eingespielte Mannschaft übernommen. Allzu viele Alternativen eröffnen sich dem holländischen Coach allerdings nicht: Insgesamt ist der Kader mit vielen jungen, unerfahrenen Spielern besetzt, von denen die meisten noch an keinem großen Turnier teilgenommen haben. Hinzu kommt, dass keiner bei einem echten Topclub in Europa spielt.

Handelsblatt.com-Prognose:
Gegen Deutschland wird für die Polen auch in diesem Jahr nichts zu holen sein. Doch auch gegen die Kroaten und das Gastgeberland Österreich wird es für die polnische Mannschaft schwer werden. Nur wenn alles zusammenpasst, haben die Polen eine reelle Chance. Unsere Einschätzung: Für die Polen ist in der Vorrunde bereits Schluss.

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