Handelsblatt-Teamcheck
Gruppe C: Favoritensterben mit Ansage

Es kann nur zwei geben - und wenn die vier, aus deren Kreis die beiden Finalrundenteilnehmer der Euro 2008 kommen,dann auch noch Italien, Frankreich, Niederlande und Rumänien heißen, dann wird nicht nur schnell, sondern auch aus gutem Grund der Begriff „Todesgruppe“ bemüht. Und in der wird am Ende vor allem eine Qualität den Ausschlag für Sein oder Nicht-Sein geben: die Defensive.

Rumänien: Der Star ist die Mannschaft

Die Freude war riesig: zum ersten Mal seit der Euro 2000 und erst zum vierten Mal überhaupt qualifizierte sich Rumänien im vergangenen Jahr für eine EM-Endrunde. Die erste Ernüchterung folgte bei der Auslosung: Nach einer grandiosen Qualifikation selbst schon als vermeintlicher Geheimfavorit gehandelt bekamen die Osteuropäer nicht nur den Weltmeister, sondern gleich auch noch den Vize-Weltmeister und mit den Niederländern einen weiteren Top-Favoriten zugelost.

Doch bange machen gilt nicht: Zwar gilt für die international immer wieder für Furore sorgenden Rumänen schon die Teilnahme an sich bereits als Erfolg. Aber die überzeugende Qualifikation und eine zwischenzeitliche Serie von 14 Spielen ohne Niederlage weckten Begehrlichkeiten nach mehr: Die Rumänen wollen keinesfalls nur als Punktelieferant dienen.

Auch das noch ...
George Becali ist im rumänischen Fußball eine große Nummer – seit kurzem mehr denn je aber eine zweifelhafte. Der Besitzer von Steaua Bukarest wurde mit 1,5 Millionen Euro in Plastiktüten von der Polizei ertappt. Das Geld war für einen Ligakonkurrenten bestimmt. Becali, einst Schäfer, behauptete: Derjenige, der ihm gezeigt habe, wie die Meisterschaft auf unerlaubte Weise zu erringen ist, sei Victor Piturca gewesen, Rumäniens Nationaltrainer. Fünf Millionen Euro lobte Becali nun für den EM-Titel aus. Der Verband lehnte vorerst ab.

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Als Garanten dafür können sie zwar keine Superstars vom Schlage eines Michael Ballack, Christiano Ronaldo oder Zlatan Ibahimovic in die Waagschale werfen. Stattdessen setzen die Osteuropäer auf eine andere Qualität: der Star ist die Mannschaft. Trainer Victor Piturca hat eine schlagkräftige Truppe geformt, für die Teamgeist und Kampfeswille mit solider spielerischer Qualität einher gehen.

Wenn man überhaupt einzelne Akteure herausheben kann, sind es wohl Adrian Mutu, der für den AC Florenz in der vergangenen Saison 17 Tore in 29 Spielen erzielte und auch in der Nationalmannschaft regelmäßig trifft (28 Tore in 61 Spielen) und die beiden Verteidiger Cosmin Contra, der im Uefa-Pokal mit dem FC Getafe den FC Bayern München ärgerte, und Kapitän Christian Chivu, der bei Inter Mailand in der Innenverteidigung steht, in der Nationalmannschaft aber auch schon mal im defensiven Mittelfeld spielt. Insgesamt setzt sich der Kader beinahe gleichwertig aus Legionären und in Rumänien unter Vertrag stehenden Spielern zusammen.

Auch wenn international bekannte Individualisten eher Mangelware sind, hat Rumänien bereits auf dem Weg zur EM eindrucksvoll bewiesen, wie Favoriten zu schlagen sind: In beiden Spielen gegen die Niederlande blieb die Elf ohne Gegentor und schoß die "Oranjes" durch ein 1:0 im Rückspiel sogar beinahe aus dem Wettbewerb. Die einzige Niederlage der Qualifikation gab es gegen die am Ende drittplazierten Bulgaren.

Handelsblatt.com-Prognose:
Die wahre Leistungsfähigkeit von Rumänien ist die große Unbekannte. In jeder anderen Gruppe dürfte sich die kampf- und spielstarke Mannschaft wohl gute Chancen auf ein Weiterkommen ausrechnen. Allerdings kann das aktuelle Team keine Erfahrung bei großen Turnieren vorweisen und gerade das kann sich gegen die routinierten und top-besetzten Gruppengegner als Problem erweisen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Mannschaft unter mangelnder Konstanz zu leiden hat und besonders defensiv zu oft zu schnell auseinander bricht. Fazit: Rumänien ärgert die "Großen", verabschiedet sich jedoch nach der Vorrunde.

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