Handelsblatt-Umfrage
Banken erwarten gutes Börsenjahr

Die Banken haben wieder Mut gefasst: Nach einem schlechten Börsenjahr für viele Anleger sehen sie die Aktienkurse 2002 wieder steigen. Ausländische Institute zeigen sich vorsichtiger.

FRANKFURT. Der rund eineinhalb Jahre andauernde Crash auf Raten und der Kurseinbruch nach den Terroranschlägen vom 11. September haben die Wertpapieranalysten der Banken nicht geschockt. Im Gegenteil: Die Erholung bei Aktien, die in den letzten Monaten zu beobachten war, soll im nächsten Jahr weitergehen. In ihren Prognosen für das nächste Jahr gehen die Institute einhellig davon aus, dass auf dem jetzigen Kursniveau bereits ein Boden gefunden wurde. Der starke Optimismus des vergangenen Jahres ist jedoch verflogen. Dies hat die traditionelle Handelsblatt-Umfrage zu den Finanzmarktaussichten für 2002 ergeben.

Angesichts der Kursentwicklung in den letzten Börsenjahren wächst die Hoffnung, dass es nur noch besser werden kann. Nach kräftigen Gewinnen 1999 büßte der Deutsche Aktienindex (Dax) im vergangenen Jahr rund 10 % ein, 2001 waren es sogar etwa 20 %. Die Zinsen dagegen sind im Vergleich zum Endstand 2000 praktisch unverändert. Der Euro liegt weiter klar unter der Marke von einem US-Dollar und hat sich zum Vorjahr wenig verändert.

Steigende Kursen im nächsten Jahr

Nach den Prognosen von 37 befragten in- und ausländischen Banken wird der Dax Ende 2002 im Durchschnitt bei 5 779 Punkten erwartet. Das entspräche einem Kursgewinn von über 15 %. Die aktuelle Verzinsung zehnjähriger Bundesanleihen, die als Stimmungsbarometer für den Euro-Rentenmarkt gelten, wird mit 5,05 % leicht steigend geschätzt. Den Kurs des Euros sehen die Analysten im Durchschnitt bei 0,95 (aktuell: rund 0,89) US-Dollar.

Bei den Prognosen zum Dax fällt die Skepsis der US-Investment-Banken auf. Den größten Optimismus versprüht mit der Berenberg Bank ein privates Institut. Es sieht die US-Börsen in einer Vorreiterrolle für die anderen Aktienmärkte. "Der Dow Jones Industrial Index dürfte als erster der großen Standardwerte-Indizes 2002 neue historische Höchstkurse erreichen", urteilt die Privatbank. Im Euro-Raum werde während der konjunkturellen Wendephase die richtige Positionierung innerhalb des Branchenspektrums entscheidend sein.

Zum Jahresende 2002 prognostiziert Berenberg den Dax auf 6 650 Punkte. Dies liegt zwar deutlich niedriger als der im März 2000 erreichte Höchststand von rund 8 140 Zählern; gegenüber dem jetzigen Kursniveau bedeutet die Prognose gleichwohl ein Plus von über 30 %.

Zu den Optimisten gehört auch die Commerzbank, die einen Jahresendstand von 6 300 Punkten erwartet. Das Institut empfiehlt Aktien gegenüber Anleihen überzugewichten. Die Steuerreform sei der Katalysator für die lang erwartete Restrukturierung der Deutschland AG. Zudem sei die neue betriebliche Altersvorsorge viel wichtiger, als viele denken würden. Sie sei nicht nur Garant für zusätzliche Zuflüsse, sondern sorge auch für langfristig niedrigere Risikoprämien bei Aktien.

Zinsen bleben niedrig

Auf der Zinsseite bleibt es auch 2002 bei niedrigen Renditen. Sehr optimistisch bei zehnjährigen Bundesanleihen zeigt sich eine Reihe von Banken, darunter JP Morgan Chase mit der Prognose von 4,40 %. "Die Zentralbanken in den USA und Euro-Land werden Anfang 2002 die Zinsen weiter senken und die Inflationsraten werden bis Ende nächsten Jahres zurückgehen", urteilt das Investmenthaus. Deshalb würden die Renditen trotz eines Wirtschaftsaufschwungs niedrig bleiben. Sehr zuversichtlich für den Euro zeigt sich Goldman Sachs. Die Analysten sehen den Euro Ende 2002 bei 1,10 US-Dollar.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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