Handelsblatt-Umfrage
Gute Aussichten für Aktionäre

Der jüngste Crash auf Raten an den Aktienmärkten und die Kursgewinne bei Anleihen im zu Ende gehenden Jahr haben die Wertpapieranalysten der Banken nicht geschockt. In ihren Prognosen für das nächste Jahr geben sie sich - im Gegensatz zu den Vorhersagen für 2000 - fast einhellig optimistisch.

HB FRANKFURT/M. Sie gehen davon aus, dass mit dem jetzigen Kursniveau ein Boden gefunden wurde. Nur wenige Experten befürchten eine leichte Kursabschwächung bis Ende nächsten Jahres. Dies hat die traditionelle Handelsblatt-Umfrage zu den Finanzmarktaussichten für 2001 ergeben.

Angesichts der Vorhersagen kommt der Eindruck auf, dass es jetzt nur noch besser werden kann. Nach kräftigen Gewinnen 1999 büßte der Deutsche Aktienindex (Dax) seit Anfang des Jahres rund 10 % ein. In der vergangenen Woche erreichte das Stimmungsbarometer einen neuen Jahrestiefstand. Die Zinsen sind im Jahresverlauf um etwa einen halben Prozentpunkt gefallen. Der Euro liegt klar unter der Marke von gut einem US-Dollar, die noch Ende vergangenen Jahres registriert worden war.

Nach den Prognosen von 32 befragten Banken wird der Dax Ende 2001 im Durchschnitt bei 7 722 Punkten erwartet. Das entspräche einem satten Kursgewinn von knapp 25 %. Die aktuelle Verzinsung zehnjähriger Bundesanleihen, die als Stimmungsbarometer für den Euro-Rentenmarkt gelten, wird mit 5,00 % wenig verändert vorhergesagt. Den Kurs des Euros sehen die Analysten im Durchschnitt bei 1,01 (aktuell: rund 0,93) US-Dollar.

Bei den Prognosen zum Dax fällt auf, dass allein acht deutsche Häuser den Index Ende nächsten Jahres bei 8 000 Punkten sehen. Den größten Optimismus versprüht mit Schroder Salomon Smith Barney (SSSB) jedoch eine ausländische Investmentbank. Zwar gehen die Experten wegen der erwarteten schwierigen Zeiten für US-Aktien im ersten Quartal von einem Rückschlag auch in Deutschland aus. Rezessionsgefahren sind der Grund. Danach sollen hier zu Lande die Kurse aber kräftig anziehen.

Denn SSSB erwartet in Europa ein Wachstum, das zumindest auf US-Höhe liegen werde. Auch rechnen die Analysten mit einem weiter steigenden Euro und "einer Inflationsrate, die unter der amerikanischen liegt". Dieses Umfeld werde ausländische Gelder in europäische Aktien, vor allem aber nach Deutschland locken. Gründe hierfür seien die im nächsten Jahr greifende Steuerreform und die bevorstehende Rentenreform. Die Folge: Der Endstand des Dax im nächsten Jahr wird bei 9 000 Punkten erwartet. Dieser neue Rekord würde ein Plus von mehr als 40 % bedeuten. Aber auch die Deutsche und die Berenberg Bank liegen mit ihrer Vorhersage noch weit über dem Durchschnitt.

Auf der Zinsseite bleibt es auch im nächsten Jahr bei niedrigen Renditen. Sehr optimistisch zeigt sich eine Reihe von Banken, darunter die BW-Bank. "Um der Gefahr einer rezessiven Entwicklung vorzugreifen, könnten einige Zentralbanken im Kielwasser der US-Notenbank Fed die Leitzinsen senken", lautet das Urteil. Vorrangig bei Staatsanleihen und Pfandbriefen dürfte es zu einem Renditerückgang kommen. Sehr zuversichtlich für den Euro zeigt sich Goldman Sachs. Die Analysten sehen den Euro Ende 2001 bei 1,22 US-Dollar.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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