Handelsblatt-Umfrage
Profi-Anleger hoffen auf Allianz-Aktie

Fondsmanager sehen kaum Perspektiven für den gesamten Dax, wohl aber für einzelne Werte.

DÜSSELDORF. Schafft er es, oder schafft er es nicht? Seit Anfang Mai kämpft der Deutsche Aktienindex (Dax) mit der Marke von 3000 Punkten. Einen nachhaltigen Sprung über diese Grenze trauen ihm jedoch nur wenige Börsianer zu: "Die jüngsten makroökonomischen Daten, der schwache Dollar und die Schwierigkeiten bei der Umsetzung notwendiger Reformen in Deutschland bremsen den Dax", sagt Wilhelm Heinrichs, Portfoliomanager der Fondsgesellschaft Dit. Seine Skepsis wird von vielen seiner Kollegen geteilt, wie eine Umfrage unter des "Handelsblatts" unter Fondsmanagern der großen deutschen Gesellschaften ergab. Nur noch wenige Depotverwalter setzen auf einen Aufschwung. Einer von ihnen ist Trudbert Merkel von der Deka-Bank. Allerdings müsste für sein Szenario der Ölpreis fallen. Allen Strategien der Fondsmanager gemeinsam ist allerdings, dass sie sich die Rosinen aus dem Dax picken.

Entsprechend zählt etwa Deka-Manager Merkel jene Dax-Titel zu seinen Favoriten, die unter der schwachen Konjunktur besonders gelitten haben, beispielsweise Volkswagen, Siemens und die Deutsche Lufthansa. Aber auch von der Allianz-Aktie erwartet Merkel eine deutliche Erholung. Damit liegt er auf einer Wellenlänge mit vielen anderen Profi-Anlegern. Sie haben die Allianz auf ihrer Favoritenliste ganz oben und geben der Aktie in ihrem Portfolio mehr Gewicht als diese im Dax hat. "Wir haben die Allianz übergewichtet, weil wir davon ausgehen, dass der negative Newsflow langsam zum Stillstand kommt und sich der Markt wieder auf das positive operative Geschäft konzentrieren wird", begründet Rainer Huber, Fondsmanager des Activest Top Deutschland seine Wahl. "In einer Zeit, in der Sicherheit ein knappes Gut ist, ist die Allianz in einer guten Position, um die Prämien zu erhöhen", ergänzt Merkel.

Auch der zweite Versicherer im Dax, die Münchener Rück, kommt bei den Profis gut weg. Besser schneidet nur noch BMW ab. "Trotz schwacher Autokonjunktur glänzt BMW weiter mit starkem Gewinnwachstum", sagt Axa-Fondsmanager Knut Kühnhausen. Außerdem sprächen die hochwertigen Produkte und die gute Absicherung gegen Währungsschwankungen für den Wert, findet Rainer Huber von Activest.

Genau hier sehen die Fondsmanager bei Volkswagen einen großen Schwachpunkt. "VW hat durch rückschrittliches Währungshedging viel Geld verloren", beklagt Michael Fuchs, Aktienchef bei AM Generali Invest. Zudem befürchtet er, dass VW in China Probleme durch die Auswirkungen der Lungenkrankheit SARS bekommen könnte. Andere Fondsmanager hingegen setzen auf die Modelloffensive der Wolfsburger ab Mitte 2003 und sind optimistisch für VW. Dagegen sehen die Profis für Daimler-Chrysler einhellig wenig Potenzial.

Ganz weit oben auf den Kauflisten der Fondsmanager findet sich die Aktie des Düsseldorfer Stahlkonzerns Thyssen-Krupp. "Trotz des aktuell schwierigen Wirtschaftsumfeldes bietet die Aktie der ThyssenKrupp mittelfristig eine interessante Mischung aus zyklischem Hebel und überzeugender Restrukturierungsstory", sagt Lorenzo Carcano vom Bankhaus Metzler. Thyssen dürfte von jeder Verbesserung der wirtschaftlichen Lage überproportional profitieren. Zudem sei die Bewertung mit einem Kurs- Buchwert-Verhältnis von rund 0,5 und einer erwarteten Dividendenrendite von mehr als fünf Prozent sehr günstig.

Wenig beliebt sind unter den Profi-Investoren derzeit die Bankenwerte. Insbesondere Hypo-Vereinsbank und Commerzbank genießen wenig Vertrauen. "Ich denke, dass die Restrukturierungen bei den beiden Banken noch eine Weile andauern werden. Auch ist das Marktumfeld weiter schwach", bringt Kühnhausen die Bedenken auf den Punkt

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Ebenso schlecht wie die Banken kommt der Touristikkonzern Tui bei den Experten weg. Dabei ist die Konjunkturflaute für Reiseveranstalter noch nicht einmal der Hauptkritikpunkt. Noch mehr stören sich die Fondsmanager an dem plötzlichen Strategie- und Führungswechsel des Managements. "Tui hatte einen schönen Lauf, der durch das Vorstandsverhalten jäh beendet wurde", sagt einer der Befragten. Wenn aber selbst der Vorstand nicht wisse, wo er hin wolle, dann gebe es nur die eine logische Reaktion: die Aktie verkaufen.

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