Handelsblatt-Wahlbarometer
Himmlischer Zufall

Okay, die Flut kann man nicht planen, aber glauben Sie so kurz vor der Wahl wirklich noch an Zufälle? Meinen Sie etwa, der Schröder hätte so schnell aufgeholt mit seiner "Frieden-jetzt"-Masche, wenn da nicht vorher auf dunklen Kanälen irgendwas gelaufen wäre zwischen Saddam Hussein, dem CIA und Matthias Machnig, diesem finsteren SPD-Kampagnero?

Zum Glück hat die Union ja auch heiße Drähte in den Irak. War eben kein Fehler, Kohls Geheimdienstchef 007-Schmidbauer zu pflegen, gell? Wer sonst hätte Saddam einflüstern können, wieder Waffeninspektoren zuzulassen? Was das mit Schröder zu tun hat, fragen Sie? Sorry, wenn die Inspekteure in den Irak dürfen, wirft Bush keine Bomben. Dann brauchen die Deutschen keine Angst mehr zu haben, und des Kanzlers Krieg-ohne-mich-Kampagne ist nur so wertvoll wie Westerwelles 18-%-Plakate.

Oder nehmen Sie Mobilcom. Natürlich haben die konservativen Freunde in Paris dem Edi einen Gefallen getan, schließlich hat der stundenlang mit Chirac telefoniert. Und ohne einen Wink vom staatlichen Anteilseigner hätte sich France Telecom nie getraut, eine Woche vor der Bundestagswahl noch schnell den Stecker bei Mobilcom rauszuziehen! Was, das glauben Sie nicht? Hören Sie, Chirac und Stoiber haben das am Telefon vereinbart. Gut, der Edi kann kein Französisch, aber bei dem Deal, pardon Arrangement, da hat bestimmt sein Weichzeichner geholfen, Sie wissen schon, dieser Lulatsch mit den Schlafzimmeraugen. Der heißt ja nicht ohne Grund Spreng, mit Spitznamen gar "Sprengmeister", bitte sehr. Aber so ein Manöver wie Mobilcom hat auch seine Tücken, das kann leicht schief gehen. Fast wäre dem Schröder nämlich ein Holzmann-Comeback gelungen, und dann hätte der Edi so alt ausgesehen wie damals Roland Koch, der mit den Bauarbeitern "Danke Gerd" jubeln musste.

Es wird knapp, da kann beten nicht schaden, und das nutzt der C-Partei. Vielleicht gibt?s Hilfe vom Herrgott und Sonne am Sonntag. Warum? Weil dann die Arbeiter im Biergarten versacken und nicht SPD wählen, während die Bürgerlichen brav zur Kirche und gleich nebenan ins Wahllokal streben. Glauben Sie auch nicht? Glauben Sie doch, was Sie wollen. Aber glauben bitte nicht mehr an Zufälle!

Daniel Goffart
Daniel Goffart
Handelsblatt / Ressortleiter
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