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Handelsdefizit groß, Zinspolitik unklar, Wall Street schwach

Die Luft scheint draußen zu sein - zur Wochenmitte handelten die beiden großen US-Indizes schwerfällig im Minus. Der Dow Jones Index verlor 133 Punkte oder 1,3 % auf 10501 Punkte, die technologie-lastige Nasdaq gab 48 Zähler oder 2,5 % ab und schloss auf 1833 Punkten.

Was den Handel an der Wall Street belastete, waren unterschiedliche Interpretationen zur Zinspolitik der Notenbank Fed. Konjunktur-Guru Alan Greenspan und Kollegen hatten am Dienstag ihre Einschätzung des gesamt-ökonomischen Umfelds von "riskant" auf "neutral" verschoben und damit nach Ansicht des Marktes den Weg frei gemacht für Zinsanhebungen. Diese hatten die meisten Analysten ohnehin erwartet, allein, für die Experten von Goldman Sachs und Bear Stearns käme eine Aufstufung der Tagessätze früher als erwartet. John Ryding, Chef-Ökonom bei Bear Stearns erwartet diese nun im dritten Quartal, die Analysten von Goldman Sachs im Sommer - beide Häuser waren zuvor davon ausgegangen, dass die Zinsen erst in 2003 angehoben würden.

Dass das US-Handelsdefizit im Februar auf 76 Milliarden Dollar und die Renditen auf ein Jahreshoch gestiegen sind, raubte dem Markt zusätzlich Kraft. Da passte es ins Bild, dass zu den schwächsten Sektoren die Schlüsselbranche der Broker gehörte: Die Papiere der großen Häuser schlossen mit etwa 1 % im Minus. Goldman Sachs, Bear Stearns und Lehman Brothers hatten Ergebnisse in Höhe oder über den zuletzt nach unten revidierten Analystenerwartungen vorgelegt. Damit boten sie Anlegern dennoch keinen Anreiz zu kaufen, zumal die Papiere des Sektors allein im vergangenen Monat um rund 15 % zugelegt hatten.

Zu den größten Verlierern an der Wall Street gehörten beim Klang der Schlussglocke die Aktien des Pharma-Konzerns Bristol-Myers Squibb, die 16 % verloren. Das Unternehmen hatte mit Ergebnissen einer Testreihe des Bluthochdruck-Mittels Vanlev die hochgesteckten Erwartungen der Experten nicht erfüllt. Zwar hätten Patienten auf die Behandlung mit Vanlev angesprochen, doch sei das Mittel nicht effektiver als das Konkurrenzprodukt Vasotec von Merck . Damit kann sich Bristol-Myers Squibb zunächst keine Hoffnung mehr machen, einen Großteil des Milliarden-Marktes für Bluthochdruckmedikamente übernehmen zu können.

Unter den wenigen Gewinnern an der Wall Street waren, wenig überraschend bei den unsicheren Aussichten, die Defensiv-Werte. Im Dow beendeten Coca-Cola und Philip Morris den Tag im leichten Plus, McDonald?s und der Konsumriese Procter & Gamble schlossen schwach behauptet.

Schwächer notierte der schlagzeilenträchtigste Dow-Wert der Woche: Hewlett-Packard . Während die Compaq-Aktionäre dem Zusammenschluss mit dem Druckerhersteller wie erwartet grünes Licht gaben, gab es keine Neuigkeiten aus dem Hause HP. Vorstandschefin Carly Fiorina legte nach ihrer vorgezogenen Siegesfeier vom Dienstag nicht nach, und auch Merger-Gegner Walter Hewlett blieb ruhig. Die Papiere beider Unternehmen verloren 2,5 %, unter anderem nach einer erneuten Warnung der ABN Amro, die augrund der undurchschaubaren Situation um den Merger nur zu "halten" empfiehlt.

Zu den schwächsten Werten im Standardindex gehörten unteressen die Papiere von Intel . Die Analysten von Salomon Smith Barney hatten ihre Gewinnerwartungen an den Chip-Riesen gesenkt. Einen für das laufende Quartal prognostizierten Gewinnrückgang hält man indes für saisonal bedingt. Die Experten halten daher an ihrer Empfehlung "kaufen" fest und belassen ihr Kursziel bei 45 Dollar. Die Aktie büßte 3,5 % ein.

Andere Chip-Hersteller und die Unternehmen der Chip-Zulieferbranche hatten zur Wochenmitte die "book-to-bill-ratio" im Blick. Sie gibt Auskunft über das Verhältnis von Neu-Bestellungen zum aktuellen Umsatz. Obwohl die Rate von 0,81 auf 0,87 deutlich gestiegen ist, liegt sie immer noch unter den Idealwerten. Die Aktien der Zulieferer KLA-Tencor, LAM Research und Novellus verloren bis zu 3 %.

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