Handelsketten torpedieren Einwegsystem
"Zwangspfand Ade: Alle Einweggetränke 50 % billiger"

Im Streit um das Dosenpfand hat die Tengelmann-Gruppe am Freitag in Berlin mit groß angelegten Rabatt-Aktionen für Einweggetränke begonnen. Dosen und Einwegflaschen sollen aus den Regalen verschwinden, um drohende Bußgelder und Klagen der Mehrwegbranche zu vermeiden.

Reuters BERLIN. "Zwangspfand Ade: Alle Einweggetränke 50 % billiger - Nur Heute und Morgen", hieß es etwa in großformatigen Zeitungsanzeigen der Kaiser's-Kette, die neben Plus, Tengelmann und KD zur Tengelmann-Gruppe gehört. Kunden berichteten über einen Ansturm auf Dosenbier und Einweg-Limonaden in Berliner Filialen des Handelskonzerns. An den Kassen bildeten sich lange Schlangen. Tengelmann hatte am Donnerstagabend angekündigt, ab sofort Einweg aus den Regalen zu nehmen. "Nur wenn wir keine Einwegverpackungen anbieten, haben wir keine Probleme mit der Rücknahme", sagte eine Sprecherin.

HDE: "Für den Handel ist der Zug abgefahren"

Die Getränkeindustrie traf am Freitagvormittag erneut zusammen, um über ein einheitliches Pfandsystem zu sprechen. Eine Einigung unter Einbeziehung der großen Handelsketten scheint jedoch nicht mehr möglich. Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) bekräftigte am Freitag seinen Widerstand gegen ein bundesweites Rücknahmesystem. "Für den Handel ist der Zug am Mittwoch abgefahren", sagte HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr auf Anfrage.

Am Mittwoch waren Gespräche zwischen Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne), Handel und Getränkeindustrie über den Aufbau eines bundesweiten Pfandsystems gescheitert. Trittin hatte der Wirtschaft die Frist gesetzt, sich bis zum Wochenende auf eine rechtskonforme Pfandlösung zu einigen. Denkbar sind ein bundesweites System oder große Insellösungen. Die Mehrwegbranche droht mit einer Wettbewerbsklage, falls es nicht zu einer Einigung kommt. Derzeit wird auf Bier, Mineralwasser, Cola und Limonaden in Einweg ein Pfand von 25 oder 50 Cent erhoben. Die Aktien des Marktführers für Rücknahmeautomaten, Tomra Systems notierten am Freitagvormittag rund 0,6 Prozent im Minus.

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