Handelskonzerne leiden unter Währungsverfall
Latino-Krise belastet Europa

Die Wirtschaftskrise in Lateinamerika macht auch vielen europäischen Firmen zu schaffen. Vor allem die Branchen Auto, Handel, Chemie und Lebensmittel sind betroffen.

HB FRANKFURT/M. Die sich zuspitzende Wirtschaftskrise in Brasilien macht vielen europäischen Unternehmen zu schaffen. Vor allem große Autohersteller, Lebensmittel- und Handelskonzerne sowie Chemieunternehmen bekommen die Folgen des Konjunktureinbruchs und des Kursverfalls der Landeswährung Real zu spüren. Da Argentinien bereits tief in der Krise steckt, geht es nun mit dem Südamerika-Geschäft rapide abwärts.

Deutliche Bremsspuren zeigen sich etwa bei Autoherstellern wie Volkswagen und Renault. Die Wolfsburger teilten gestern mit, dass sie im ersten Halbjahr 17 % weniger Fahrzeuge in Brasilien verkauft haben; bei Renault waren es sogar 19 %. Noch härter traf es den schwedischen Lkw-Hersteller Scania, an dem VW maßgeblich beteiligt ist: Im ersten Halbjahr brachen die Bestellungen aus Lateinamerika um 58 % ein und das Betriebsergebnis rutschte ins Minus. Auch Daimler-Chrysler spürt die Flaute. "Brasilien war bis Mai noch stabil, doch die letzten beiden Monate geht es auf Grund politischer Unsicherheiten abwärts", sagte Daimler-Nutzfahrzeugvorstand Eckhard Cordes.

Schon seit längerem angespannt ist die Lage der Telekomkonzerne. Die spanische Telefónica - mit Abstand Marktführer in Brasilien - schätzt, dass die Erträge in Lateinamerika im ersten Halbjahr um ein Viertel eingebrochen sind. Doch auch die Siemens AG ist betroffen: Sie baut derzeit in Brasilien ihr Engagement im Mobilfunk aus.

Zu den Betroffenen im Einzelhandel zählt neben der französischen Supermarktkette Carrefour auch die niederländische Ahold, die bereits wegen der Argentinien-Krise rund 400 Mill Euro abschreiben musste. Die Händler leiden besonders unter dem Verfall des Real.

Sollte sich die Währungsschwäche als dauerhaft erweisen, erwarten Experten noch Korrekturen in den Bilanzen so mancher Großunternehmen. Wegen der traditionell engen Bindungen nach Lateinamerika sind spanische Firmen besonders betroffen. So musste die Großbank Santander Central Hispano (SCH) bereits ihre Gewinnschätzung für das laufende Jahr deutlich nach unten revidieren. Ein ähnlicher Schritt wird heute von dem Konkurrenten Banco Bilbao Vizcaya Argentaria erwartet.

Trotz der Belastungen in Lateinamerika setzen Analysten aber langfristig auf die Region: Brasilien sei auch weiterhin "ein Land voller Möglichkeiten", glaubt Luis Valadas, Analyst bei Banco Espíritu Santo in Lissabon. Die Situation in Brasilien ist nach Ansicht vieler Experten nicht mit der Krise in Argentinien zu vergleichen. In Brasilien, sagt Valadas, sei es eher "ein psychologisches Problem". Vor allem wachse die brasilianische Wirtschaft noch immer - im Gegensatz zu der in Argentinien.

Quelle: Handelsblatt

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