Handelsplattform soll Mitte Oktober starten – Kooperation mit Direkt Anlage Bank
Goldman Sachs plant Börsenzugang für Privatanleger

Das wachsende Engagement in Aktien macht Kleinanleger zu einem gesuchten Partner für Banken und Börsen. Goldman Sachs will in diesen Bereich vorstoßen. Nach Informationen des Handelsblatts startet Goldman Mitte Oktober eine Handelsplattform, die privaten Investoren in Europa den direkten vollelektronischen Zugang zu wichtigen Börsen auf dem Kontinent und den USA ermöglicht.

HB FRANKFURT/MAIN. Das Investmenthaus wendet sich aber nicht direkt an diese Investorengruppe, sondern geht den Weg über Kooperationen mit so genannten Intermediären. Dem Vernehmen nach wird ein Zugang für europäische Banken und Broker eingerichtet, die sich auf Kleinanleger spezialisiert haben.

Außerdem plant das Investmenthaus, ausgewählten Instituten neben dem reinen Transaktionsservice für Privatkunden auch speziell aufbereitete Kurzanalysen zur Verfügung zu stellen, die auf der eigenen weltweiten Aktienanalyse basieren. Als einen Partner haben die Amerikaner den Informationen zufolge die Direkt Anlage Bank (DAB) gewinnen können. Goldman Sachs und DAB wollten die Pläne auf Anfrage nicht bestätigten.

Die Kleinanleger können nach Einschätzung von Bankern durch den direkten Börsenzugang Kosten in beachtlicher Größenordnung sparen.

Goldman Sachs tritt in Wettbewerb zu anderen namhaften Banken. So will Credit Suisse First Boston (CSFB) mit einem eigenen Online-Broker Kunden gewinnen. Außerdem sind CSFB und UBS Warburg an einer Kooperation mit der Postbank und ihren 14 Millionen Kunden interessiert. Und der Direktbroker Consors plant eine "Leitbörse für Privatanleger".

Goldman greift in den Kampf um die privaten Kunden ein.

Die Privatkunden bekommen auch für Investmentbanken eine starke Bedeutung. So stammen mittlerweile rund 60 % des gehandelten Volumens der Nasdaq nach Einschätzung von Bankern von Privatpersonen.

Das ist wohl mit ein Grund dafür, dass nun auch Goldman Sachs die Kleinanleger umwirbt. Nach Informationen des Handelsblatts startet das amerikanische Investmenthaus Mitte Oktober eine Handelsplattform, die Privatanlegern den elektronischen Zugang zu den wichtigsten Börsen in Europa und der US-Wachstumsbörse Nasdaq, der New York Stock Exchange sowie der American Stock Exchange ermöglicht. Dem Vernehmen nach wird dabei ein Zugang nur für europäische Banken und Broker eingerichtet. Diese können diese Dienstleistung wiederum ihren Kunden anbieten.

Zwei Drittel der Nachfrage nach ausländischen Anteilsscheinen entfällt auf US-Wertpapiere.

Insgesamt ist das Interesse an Auslandsaktien in jüngster Zeit rasant gewachsen. Rund zwei Drittel der Nachfrage nach ausländischen Anteilsscheinen entfällt hier zu Lande auf US-Wertpapiere. Bislang werden ausländische Werte vor allem im Freiverkehr an den deutschen Börsen gehandelt. Insgesamt notieren in diesem Segment knapp 4 400 Aktien. Die Dividendentitel sind hier jedoch meist wesentlich illiquider als an der jeweiligen Heimatbörse. Zudem seien die Spreads, also die Spanne zwischen Ankauf- und Verkaufpreisen, in der Regel viel höher als bei deutschen Werten, betonen Banker. Durch den direkten Zugang zu den Heimatbörsen soll der Privatanleger von den dortigen, besseren Kursen profitieren.

Wie stark Privatanleger umworben sind, zeigen auch die jüngsten Aktivitäten anderer Banken: So will das Investmenthaus Credit Suisse First Boston mit einem eigenen Online-Broker und massivem Werbeaufwand in den kommenden fünf Jahren eine Million Kunden gewinnen. Die Kunden können an 15 verschiedenen Börsen Aktien ordern. Außerdem ist CSFB neben UBS Warburg an einer Kooperation mit der Postbank und ihren gut 14 Millionen Kunden interessiert.

Ein ähnliches Konzept wie Goldman verfolgt die Handelsplattform Jiway. Allerdings ist das schwedisch-amerikanische Projekt ausdrücklich als Börse konzipiert und stellt als Market Maker selbst Preise. Der Direktbroker Consors wiederum planen eine "Leitbörse für Privatanleger".

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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