Handelsschluss
Deutsche Standardwerte schließen schwach

Die schlechte Stimmung für Technologiewerte und negative Vorgaben von den asiatischen Börsen haben die deutschen Aktienkurse gestern auf den tiefsten Stand seit August 1999 geschickt. Wegen des Feiertags "Labour Day" fehlten zudem die Impulse aus den USA, auch die Umsätze blieben dünn.

FRANKFURT/M. Kaum ist in den USA ein Feiertag, gehen nicht nur die Umsätze auf dem deutschen Aktienmarkt weiter zurück. Am Nachmittag fehlte auch das "Störfeuer" der sonst als richtungweisend geltenden Wall Street, das die deutsche Markttendenz vom Plus ins Minus dreht - oder umgekehrt.

Am Montag hätte sich der eine oder andere Händler sicher die helfende Hand aus den USA gewünscht. Doch wegen eines Feiertags blieben die Märkte in Übersee geschlossen. Die negativen Vorgaben der Börsen aus Asien machten ihren schlechten Einfluss voll geltend und zogen die Kurse hier zu Lande ins Minus. Der Deutsche Aktienindex (Dax) fiel im Handelsverlauf auf ein neues Zweijahrestief bei 5 063 Punkten. Bis zum Handelsschluss konnte sich das Börsenbarometer nur leicht auf 5 094 Zähler erholen. Gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag entsprach dies einem Abschlag von 0,94 %

.

Händler bezeichneten die Umsätze wegen des US-Feiertags als mau. "Einige Marktteilnehmer wollen offenbar austesten, ob der Dax unter 5 000 Punkte fällt - die Vorarbeiten dafür werden jetzt geleistet", bemerkte ein Händler eines Frankfurter Finanzdienstleisters. Dann werde sich zeigen, ob die oben genannte Marke eine tragfähige Unterstützung sei oder ob sich das fallende Börsenbarometer erst wieder bei 4 800 Stellen fange. "Wir haben heute kaum Aufträge in den Büchern", berichtete ein weiterer Händler. Es lasse sich daher schlichtweg nicht sagen, ob es Verkaufsdruck gebe, der die Kurse auch weiter nach unten ziehen werde oder nicht.

Vor allem SAP als Tagesverlierer und die T-Aktien drückten den Dax ins Minus. Die Papiere der Walldorfer Softwareschmiede wurden von Spekulationen belastet, das Unternehmen werde eine Gewinnwarnung abgeben oder gar eine Wandelanleihe ausgeben. SAP wollte keine Stellung zu den Gerüchten nehmen. "Das mit der Gewinnwarnung kann ich mir schon vorstellen, außerdem halte ich den Wert für grundsätzlich überbewertet", sagte ein auf Technologiewerte spezialisierter Händler einer großen Frankfurter Bank. Für die Abschläge bei der Telekom machten Händler Sorgen über den Abschluss des Kabelnetz-Verkaufs an die amerikanische Liberty Media verantwortlich. Zudem sei die T-Aktie unter Druck, weil Analysten davon ausgingen, dass bei der anstehenden Stoxx-Anpassung die niederländische KPN aus dem Euro-Stoxx-50 und France Télécom aus dem Stoxx-50 fallen werden. Damit würden Telekomwerte bei Fondsmanagern, die sich an diesem Indizes orientierten, ganz generell an Gewicht verlieren, hieß es. Obwohl am Wochenende eine Haltefrist für ehemalige Aktionäre der per Aktientausch übernommenen US-Mobilfunkfirma Voicestream abgelaufen war, konnten Händler massive Verkäufe von diesen Adressen zumindest am Montag noch nicht erkennen. "Dafür sind die Umsätze zu schwach", sagte ein Marktteilnehmer. Auch Papiere der Siemens-Familie gaben nach.

Bei den Banken rutschte die Commerzbank trotz anhaltender Übernahmespekulationen zum Handelsende ins Minus. Sollte das Institut von der italienischen Unicredito gekauft werden, würde zumindest ein Platz im Dax frei. Als Nachrückkanditat gelten Altana. Daran muss wohl auch der eine oder andere Anleger gedacht haben, denn Altana-Aktien legen gegen die allgemeine Markttendenz leicht zu. Henkel halfen Gerüchte, das Tochterunternehmen Cognis werde bald verkauft.

Der MDax fiel insgesamt um 0,7 % auf 4 471,55 Punkte. Auch an den Regionalbörsen gaben die Kurse zur Kasse nach.

Quelle: Heike Herbertz
Petra Hoffknecht
Handelsblatt / Redakteurin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%