Handelsstart
Euro reagiert kaum auf EU-Gipfelkompromiss

Nachteilig für die Gemeinschaftswährung habe sich eher die Gerichtsentscheidung vom Samstag in den USA ausgewirkt, die Analysten zufolge einen Wahlsieg des Republikaners Bush wahrscheinlicher machte.

Reuters FRANKFURT. Der Euro hat am Montagvormittag nach Händlerangaben kaum auf die Einigung beim EU-Gipfel in Nizza reagiert. Gegen 09.50 MEZ kostete ein Euro 0,8851/52 $, nach einem New Yorker Spätkurs von 0,8879/83 am Freitag. Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union (EU) hatten sich am frühen Montagmorgen auf eine EU-Reform geeinigt und damit den Weg für die Erweiterung der Union frei gemacht. Nachteilig für die Gemeinschaftswährung habe sich eine Gerichtsentscheidung vom Samstag in den USA ausgewirkt, die Analysten zufolge einen Wahlsieg des Republikaners George W. Bush wahrscheinlicher machte. Auch die Ankündigung von Morgan Stanley Capital International, ihre Aktien-Indizes neu zu berechnen, belaste den Euro, hieß es am Markt.

"Nizza hat sehr wenig Einfluss auf den Euro, da ist ja auch nichts Wichtiges passiert", sagte ein Händler in Frankfurt. Der erzielte Kompromiss sei "nichts Halbes und nichts Ganzes". Bei der Ausweitung der Mehrheitsentscheidungen konnten sich die Staats- und Regierungschefs in wichtigen Politikbereichen wie der Steuer- und Sozialpolitik nicht auf eine Streichung des nationalen Vetorechts einigen.

Entscheidung in US-Wahl wichtiger

"Es wird viel wichtiger für den Euro sein, ob sich die Amerikaner endlich auf einen neuen Präsidenten einigen können", sagte der Händler weiter. Das Oberste Bundesgericht hatte am Samstag einem Eilantrag der Republikaner statt gegeben und die gerade erst angelaufene Nachzählung im wahlentscheidenden Bundesstaat Florida gestoppt. Damit stehen die Chancen für George Bush wieder etwas besser, der nächste US-Präsident zu werden. Am Montag gegen 17.00 Uhr (MEZ) beginnt die möglicherweise entscheidende Anhörung vor dem Obersten Gerichtshof. Wie und wann die neun Bundesrichter dann entscheiden, ist offen.

Mitarbeiter des demokratischen Kandidaten Al Gore signalisierten, dass der Vizepräsident möglicherweise keine weiteren Rechtsschritte einleiten werde, falls das Bundesgericht gegen ihn entscheiden sollte. Der Republikaner George Bush steht an den Finanzmärkten für eine unternehmerfreundlichere Politik, Steuersenkungen und einen starken $.

Auch zum Yen wenig verändert

Auch die Ankündigug einer Umstellung der Morgan Stanley Capital International (MSCI)-Indizes wirkte sich nach Angaben von Händlern negativ auf den Euro aus. MSCI hatte am Sonntag angekündigt, ihre Unternehmens-Indizes künftig nicht mehr auf Basis der gesamten Marktkapitalisierung einer Firma, sondern nur noch auf Basis der frei verfügbaren Aktien (free float) zu berechnen. Nach Einschätzung von Analysten werden Portfolio-Umschichtungen im Volumen von insgesamt etwa 200 Mrd. $ zu einem großen Teil auf Kosten von Euro-Investitionen gehen, weil vor allem Aktien von Unternehmen aus den USA und Großbritannien von der Umstellung profitierten. Die Wirkung dieser MSCI-Entscheidung sei jedoch gedämpft, weil die Änderung der Indizes erst Ende November 2001 beginnen und bis Ende Mai 2002 abgeschlossen sein soll.

Auch zum Yen notierte die Gemeinschaftswährung mit 98,16/19 Yen wenig verändert. Der $ lag bei 110,85/94 Yen nach einer Schlussnotiz von 110,96 Yen am Freitag.

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