Handelsunterbrechung war mit Bundesaufsichtsamt abgesprochen
Anlegerschützer kritisieren Fondsgesellschaften

Der Frankfurter Rechtsanwalt Klaus Nieding geht davon aus, dass Fondsanleger, die in Fonds mit europäischen oder deutschen Werten investiert sind, Aussichten auf Schadensersatz haben, wenn sie aufgrund der Handelsaussetzung letzte Woche ihre Anteile nicht verkaufen konnten.

Reuters MÜNCHEN. Für Fonds, die vorwiegend in US-Wertpapiere im Portfolio enthalten, gelte dies jedoch nicht, sagte Nieding, der auch Jurist der Deutschen Schutzgesellschaft für Wertpapierbesitz (DSW). Rüdiger Päster, Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Investmentfonds (BVI), sieht dagegen für die Anlegeransprüche keine Rechtsgrundlage.

Für deutsche Fonds mit einem nennenswerten Anteil an US-Werten -- in der Regel mehr als fünf bis zehn Prozent -- war die Preisfeststellung unterbrochen worden, da diese aufgrund der Handelsaussetzung in New York in Folge der Anschläge nicht möglich war.

Preise wären durchaus feststellbar gewesen

Nieding kritisiert jedoch, dass darüber hinaus auch Fonds mit vorwiegend europäischen Aktien im Depot nicht gehandelt wurden, obwohl für diese die Preise durchaus feststellbar gewesen seien. "Diese Fonds hätten weiter gehandelt werden müssen", sagte Nieding. Anleger hätten sehr wahrscheinlich ohne Aussetzung des Handels höhere Verkaufspreise für ihre Fondsanteile erzielt, als dies nach der Unterbrechung letzte Woche möglich gewesen sei. Die DSW kritisiert außerdem, dass infolge der Handelsaussetzung das Image der Fonds als krisenfestes Anlageinstrument beschädigt werden könnte.

Sollte es zu einer Klage kommen, müssen die Richter entscheiden, ob bereits stark schwankende Preise eine Aussetzung des Handels rechtfertigen -- wie die Fondsgesellschaften argumentieren -- oder ob die Einstellung des Anteilhandels erst dann rechtens ist, wenn eine Preisbildung für die im Fonds enthaltenen Werte nicht mehr möglich ist -- wie im Fall der US-lastigen Fonds.

Handelsunterbrechung war mit Bundesaufsichtsamt abgesprochen

Nach Darstellung von BVI und Fondsgesellschaften war auch bei deutschen und europäischen Fonds eine Handelsunterbrechung nötig. Weitere Verkäufe wären zu Lasten der Anleger gegangen. "Bei der Schätzung der Anteilswerte wäre eine Unwucht reingekommen. Ohne faire Kursbildung aber hätte man dem Rest der Anleger schaden können", sagte DIT-Sprecher Heinrich Durstewitz. Anders als an anderen handelsfreien Tagen in den USA hatten die Fondsgesellschaften nach der Zerstörung des World Trade Centers die Preise nicht auf der Basis der Vortageskurse fortgeschrieben. Laut Fondsgesellschaften war dieser Schritt vorher mit dem Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen (BAKred) abgesprochen.

Eine Sprecherin des Amtes bestätigte dies. Es habe sich jedoch nicht um eine Empfehlung oder Anordnung des BAKred gehandelt habe, fügte die Sprecherin hinzu. Vielmehr sei die Aussetzung eine Entscheidung der einzelnen Investmentgesellschaften gewesen. Nach Art der Fonds habe man nicht unterschieden.

Der Münchener Anlegeranwalt Klaus Rotter vertritt die Ansicht, dass Anleger jederzeit die Möglichkeit haben sollten, ihre Fondsanteile zu verkaufen. Er erwarte allerdings nicht, dass es wegen der Aussetzung des Fondshandels zu vielen Klagen kommen werde. In seiner Kanzlei habe es noch keine Anfragen dieser Art gegeben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%