Handelsware mit Millionenwert
Pferd unter dem Hintern weg verkauft

Wer vor wenigen Wochen nach den Favoriten für die Weltmeisterschaften der Springreiter fragte, bekam neben Ludger Beerbaum fast immer einen weiteren Namen genannt: Rolf-Göran Bengtsson.

HB/dpa JEREZ. Doch wer den Schweden in dieser Woche bei den Weltreiterspielen in Jerez trifft, sieht einen traurigen Mann. Denn Pialotta, mit der er bei der letztjährigen EM Mannschafts-Silber und Einzel-Bronze gewann, wurde kurz vor dem WM verkauft. Bengtsson musste wie viele Topreiter vor ihm erfahren: Pferde sind nicht nur Hochleistungssportler, sondern vor allem Handelsware mit Millionenwert.

"Der Junge tut mir verdammt leid", sagt der deutsche Bundestrainer Kurt Gravemeier, "dem haben sie das Pferd so kurz vorher unterm Hintern weg verkauft." Der niederländische Pferdehändler und Reiter Jan Tops mochte nicht bis nach der WM warten. Jetzt steht Pialotta im Stall der Österreicherin Tatiana Freytag von Loringhove. 2 Mill. Euro soll die Stute Gerüchten zu Folge gekostet haben, aber genaue Zahlen gibt es in dieser Branche natürlich nicht.

Den Großteil der Presigelder muss er abgeben

Bengtsson ist ein Beispiel von vielen. Er ist ein hervorragender Reiter, aber kein reicher Mann. Als Bereiter in Tops Handelsstall muss er den Großteil der Preisgelder abführen und immer damit rechnen, dass die von ihm ausgebildeten Pferde verkauft werden. Und je erfolgreicher er ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er die guten Pferde schnell wieder abgeben muss.

Ganz anders als dem Schweden erging es Lesley McNaught. Die Schweizerin hatte sich schon vom Springreiten verabschiedet. Doch nach anderthalb Jahren Pause feierte sie vor wenigen Monaten in Redefin ihr Comeback. Möglich machte das die amerikanische Millionärs-Familie Saperstein, die ihr mit Pershing und Fleur zwei Toppferde zur Verfügung gestellt hat.

Auch Ray Texel ist ohne Toppferd

Mit Pershing gab es schnell die ersten Erfolge. In Jerez wird McNaught, die 1999 EM-Silber und-Bronze gewann, nun von einigen Experten zum erweiterten Favoritenkreis gezählt. Einen Leidtragenden gibt es in dieser Geschichte natürlich auch: Der bisher für die Sapersteins reitende Ray Texel (USA) steht nun ohne Toppferd da.

Wohl dem, der nicht in einem Handelsstall reiten muss oder von einem launenhaften Mäzen abhängig ist. So reitet Ludger Beerbaum seit Jahren die Pferde von Madeleine Winter-Schulze (Mellendorf), ohne dass er Angst haben müsste, dass etwa sein WM-Pferd Gladdys plötzlich verkauft wird. Solche Förderer sind im Millionenspiel Pferdehandel allerdings ein Glücksfall.

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