Handgearbeitetes Spielzeug mit Tradition: Puppenmanufaktur Käthe Kruse

Handgearbeitetes Spielzeug mit Tradition
Puppenmanufaktur Käthe Kruse

Käthe-Kruse-Puppen sind seit Generationen als Spielzeug und Sammelobjekt beliebt. Doch längst hat die kleine Firma ihr Sortiment ausgeweitet.

Alles ist von Hand gemacht: Fließbänder suchen die Besucher der Käthe Kruse Puppen GmbH vergebens. In Deutschlands bekanntester Puppenmanufaktur fertigen Dutzende geschickter Frauenhände die kleinen Kunstwerke noch mit genau der gleichen Liebe - und dem selben enormen Aufwand - wie vor 50 Jahren. Aufwendig bemalen sie die Gesichter von Hand, nähen Perücken und ziehen den Puppen Spiel-Kleider an. Mit einer modernen Fabrik haben die vielen Arbeitsschritte in den bescheidenen Räumen nichts zu tun. "Ich will das gar nicht anders", verteidigt Firmenchefin Andrea-Kathrin Christenson die verstaubt anmutende Fertigung, "sonst geht unser Charakter verloren".

Kaum ein Name wird in Deutschland so eng mit Puppen in Verbindung gebracht wie Käthe Kruse. Und doch ist das Unternehmen aus der schwäbischen Kleinstadt Donauwörth gegenüber Wettbewerbern wie der Zapf Creation AG (Baby Born) oder dem US-Konzern Mattell (Barbie) nicht mehr als ein Zwerg: Nur knapp 13 Mill. Euro flossen vergangenes Jahr in die Kassen der Familienfirma. Christenson ist dennoch stolz auf den Umsatz. Schließlich hat die 45-jährige Betriebswirtin die Einnahmen in den vergangenen 13 Jahren mehr als verfünffacht. Damals gab sie ihren Job als Unternehmensberaterin auf und übernahm mit ihrem Mann Stephen die Fabrik von den Kindern der legendären Puppenschöpferin Käthe Kruse. Längst ist das Unternehmen mehr als ein Puppenproduzent. In den vergangenen Jahren hat die gebürtige Österreicherin das Angebot um Kinderkleider und Kinderzimmer-Ausstattung erweitert. So gibt es neben den begehrten Sammlerpuppen inzwischen auch kuschelige Spielpuppen, Hosen und Jacken für Kinder sowie Bettwäsche und Bademäntel. "Wir wollen ein traditioneller Lieferant für Kinder sein", begründet Christenson die Expansion.

Der Plan geht auf: Trotz der Konsumflaute kletterten die Einnahmen vergangenes Jahr um fünf Prozent. Auch für das laufende Jahr erwartet Christenson ein deutliches Plus von bis zu einer Million Euro Umsatz. Wer sich mit der Marke schmücken will, muss allerdings tief in die Tasche greifen. Die teuren Sammlerpuppen kosten bis zu 1 000 Euro. Auch die Kinder-Kleider sind eher im oberen Preisbereich angesiedelt. Das zeigt sich schon an den Geschäften, die Käthe-Kruse-Artikel im Angebot haben - vom feinen Berliner KaDeWe bis zum Münchener Traditionshaus Loden-Frey.

Die tiefe Krise in Deutschland geht allerdings auch an dem Luxus-Produzenten nicht spurlos vorüber. Seit Jahren stagniert der Spielwaren-Markt, viele Händler stehen deshalb vor dem Aus. Große Händlerorganisationen wie Vedes klagen über Margen, die kaum über ein Prozent hinaus gehen. Christenson fürchtet deshalb, dass ihr Vertriebsnetz in den nächsten Jahren schrumpfen könnte. Schon jetzt würden die Händler pro Auftrag wesentlich weniger ordern, dafür aber öfter bestellen. Auf diese Weise wollen die Ladenbesitzer ihr Lager möglichst klein halten.

Eines bleibt aber auch in der Krise unverändert groß: Das Interesse an der Puppenfirma. Tausende Fans besuchen jedes Jahr das unscheinbare Gebäude am Rande von Donauwörth. Rund 3 000 Puppen-Besitzer schicken jährlich ihre beschädigten Lieblinge zur Reparatur ein. Auf teure TV-Werbung muss Christenson im Gegensatz zur großen Konkurrenz verzichten. Sie setzt ganz andere Akzente. In zahlreichen Ausstellungen feiern Puppenfans im ganzen Land die Puppenlegende Käthe Kruse und ihre kleinen Geschöpfe. Das sorgt für Reklame, meint Christenson, die wesentlich billiger - und glaubhafter ist - als im Fernsehen.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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