Handlungsdruck für Frankfurt
Chase Manhattan kauft Investmentbank J.P. Morgan

Die drittgrößte Bankholding Chase Manhattan will die traditionsreiche Investmentbank J.P. Morgan für rund 36 Mrd. Dollar in Aktien übernehmen. "Diese Fusion ist ein Durchbruch für J.P. Morgan und Chase und wird die neue Bank als ein globales Powerhouse positionieren", sagte Douglas Warner, Chairman und Vorstandschef von J.P. Morgan, in New York.

HB FRANKFURT. Mit der Einigung ist die Deutsche Bank aus dem Rennen um eine Übernahme des Investmenthauses. Gemeinsam rücken Chase und J.P. Morgan in die Top-Liga der Banken auf, die Unternehmen bei Fusionen und Übernahmen (M&A) beraten, die Emission von Anleihen führen und Aktienemissionen begleiten. Sie verbessern zudem deutlich ihre Position in der Vermögensverwaltung. Durch die Übernahme wird mit Kosteneinsparungen in Höhe von 1,5 Mrd. Dollar vor Steuern und zusätzlichen Einnahmen von 400 Mill. Dollar gerechnet.

Chase Manhattan bietet 3,7 eigenen Aktien je J.-P.-Morgan-Papier. Das entspricht einer Bewertung der Morgan-Titel von 207 Dollar und somit einer Prämie von 17 %. Die J.-P.-Morgan-Aktie hatte seit Anfang Juli wegen anhaltender Übernahmespekulationen bereits um mehr als 50 % zugelegt.

So reagierten die J.P. Morgan Aktien

Chase Manhattan verloren am Mittwoch in den ersten Handelsstunden über 8 % auf rund 49 Dollar. J.P. Morgan lagen kaum verändert bei rund 178 Dollar.

So reagierten die Chase Manhattan Aktien

Der neue Konzern, der unter dem Namen J.P. Morgan Chase firmieren wird, steht mit einer Bilanzsumme von 662 Mrd. Dollar auf Platz drei der großen amerikanischen Finanzinstitute hinter der Citigroup mit 791 Mrd. Dollar und der Bank of America mit 679 Mrd. Dollar.

Durch den Deal schreitet die Konsolidierung im US-Bankensektor weiter voran. Im Juli hatte die schweizerische UBS die Investmentbank Paine Webber erworben. Einen Monat später gab die Credit Suisse Group Pläne zur Übernahme von Donaldson, Lufkin & Jenrette bekannt. Für Chase Manhattan selbst ist es bereits die vierte Übernahme in den letzten zwölf Monaten nach Robert Hambrecht & Quist und Beacon Group. Analysten bewerteten den neuen Zusammenschluss positiv, da sich Geschäftsschwerpunkte, Kundenbasis und geographische Präsenz beider Banken gut ergänzen würden.

Der jüngste Deal wird als Zeichen dafür gewertet, dass die Konsolidierungswelle an Wall Street noch nicht zu Ende ist. Als weitere Übernahmekandidaten gelten Häuser wie Lehman Brothers oder Bear Stearns. Europäische Finanzriesen wie ABN Amro und ING werden als Interessenten für die beiden Investmenthäuser gehandelt. In Europa gelten Lazard und Rothschild als Akquisitionsziele. Die Banken seien zu klein, um auf Dauer überleben zu können, urteilen Beobachter. Zu den Häusern, die auf Grund der jüngsten Übernahmen unter Zugzwang geraten sind, zählt auch die Deutsche Bank. Ihr war Interesse an J.P. Morgan nachgesagt worden. Offiziell kommentieren wollte die Deutsche den Chase-Deal nicht. Ein Sprecher erklärte lediglich, man sehe sich nicht unter Handlungsdruck, wolle den Markt aber weiter beobachten.

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