Handy-Absatz bereitet Sorge
Nokia und Ericsson senken Prognosen

Während der finnische Telekomriese Nokia wenigstens mit seinen Quartalszahlen positiv überraschte, ist der schwedische Wettbewerber von einem Lichtblick weit entfernt. Denn entgegen der Erwartungen wird Ericsson seine Ertragssituation auch in den nächsten Monaten nicht verbessern können.

dpa/rtr HELSINKI/STOCKHOLM. Der finnische Nokia-Konzern hat seine Position als weltweit dominierender Handy-Anbieter zum Jahresauftakt deutlich ausgebaut. Während Ericsson als Dritter der Branche am Freitag aus dem benachbarten Schweden Rekordverluste für das erste Quartal und einen massiven Stellenabbau mitteilen musste, konnte Nokia einen gegenüber dem Vorjahr um acht Prozent verbesserten Vorsteuergewinn von 1,49 Mrd. ? (2,91 Mrd. DM) melden. Vorstandschef Jorma Ollila erklärte in Helsinki: "Ich bin über unsere Zahlen mehr als erfreut."

Im einzelnen leistete die Mobilgeräte-Sparte von Nokia im ersten Quartal mit einem Umsatz von 5,8 Mrd. Euro und einem operativen Ergebnis von 1,2 Mrd. Euro den größten Beitrag zum Konzernergebnis. Der pro-forma-Vorsteuergewinn des Konzerns habe sich auf 1,485 Mrd. Euro nach 1,352 Mrd. Euro im Vorjahresquartal belaufe. Beim Ergebnis je Aktie werde im zweiten Quartal mit einem pro-forma Wert von 0,20 Euro im Vergleich zu 0,22 Euro im ersten Quartal gerechnet. Nokia stellte jüngst die Rechnungslegung auf International Accounting Standards (IAS) um, weshalb auch pro-forma-Zahlen ausgewiesen wurden.

Nokia hat sich mit der von Analysten niedriger erwarteten Gewinnsteigerung und einem Umsatzplus von 22 % auf acht Mrd. ? (alle Zahlen ohne Abschreibung auf Firmenkäufe/"Goodwill") klar vom gedrosselten Wachstumstempo der Handybranche abgesetzt. Mitte letzter Woche hatte bereits Motorola in den USA die ersten roten Unternehmenszahlen eines Quartals seit 1985 vermeldet. Ericsson kündigte als Konsequenz der hohen Verluste einen massiven Abbau von 10 000 bis 12 000 Stellen an. Halbiert werden soll außerdem die Zahl von 15 000 als Freiberufler tätigen Ericsson-Beratern.

Ericsson senkte zudem seine Prognose für den weltweiten Handy-Absatz auf 430 bis 480 Millionen Stück. Bei der Vorlage der Jahresergebnisse hatte der Konzern den Weltmarkt noch auf 500 bis 540 Millionen Stück veranschlagt. Zu einer Geschäftsprognose für das Gesamtjahr sei man auf Grund der derzeitigen Marktsituation nicht in der Lage.

Ollila dagegen verkündete, Nokia habe nun fast den angestrebten Marktanteil von 40 % aller weltweit verkauften Handys erreicht. Ericsson-Konzernchef Kurt Hellström musste am selben Tag in Stockholm einen Umsatzrückgang bei Mobiltelefonen um 52 % auf 7,2 Mrd. Kronen (1,7 Mrd. DM/845 Mio Euro) und einen Vorsteuerverlust in dieser Sparte von 5,7 Mrd. Kronen einräumen. Die Marktanteile sanken von zehn auf bis zu 7 %. Nokia dagegen vermeldete einen doppelt so hohen Zuwachs wie die Branche im Durchschnitt.

Auf die Frage, warum der finnische Marktführer auch angesichts der konjunkturellen Abkühlung vor allem in den USA weit besser dastehe als die gesamte Konkurrenz, antwortete Hellström mit säuerlichem Lächeln: "Fragt sie selbst." Negativ überraschte Ericsson vor allem mit einem Null-Ergebnis als Anbieter von Mobilsystemen. Dass mit 600 Mill. Kronen überhaupt noch eine schwarze Zahl für den Vorsteuergewinn präsentierte werden konnte (90 % weniger als 2000), war ausschließlich Aktienverkäufen zuzuschreiben.

Der Schwede gab auch für die nahe Zukunft eine überwiegend düstere Prognose ab. Bei Operateuren sinke die Investitionsbereitschaft für neue Systeme immer weiter, und bei Handy-Käufern die Bereitschaft zum Umstieg auf neue Modelle. Ericsson könne deshalb für das Gesamtjahr überhaupt keine "sinnvolle" Prognose abgeben und erwarte im zweiten Quartal ein ähnlich schlechtes Ergebnis wie zum Jahresbeginn. "Das ist alles sehr schnell gekommen. Es ist, als würde man mit einem Schlag hart am Kopf getroffen", meinte der Schwede.

Zum kräftigen Fall der Ericsson-Aktie dürfte auch beigetragen haben, dass Hellström nichts Konkretes über die angestrebte Handy- Allianz mit Sony in Japan sagen wollte. "Wir verhandeln noch. Es gibt nichts Neues", war die dürre Aussage der Ericsson-Spitze.

Ganz anders die Tonlage bei den Finnen. Bei einem erwarteten Gesamtverkauf von 450 bis 500 Mill. Handys (aller Anbieter) erwartet Nokia für das zweite Quartal noch mal eine Umsatzsteigerung um 20 % gegenüber bisher anvisierten 25 %. Für den Gesamtverlauf des Jahres 2002 wird aber wieder ein Wachstum von 25 bis 35 % prognostiziert. Auch als Systemanbieter von Infrastruktur für die kommende 3G-Mobilsysteme erwarte man weiter kräftiges Wachstum, hieß es in Helsinki.

HerstellerWeltmarktanteile

Nokia

30,6%

Motorola

14,6%

Ericsson

10,0%

Siemens

6,5%

Panasonic

5,2%

Samsung

5,0%

Sony

2,0%
Andere26,1%
Quelle: Gartner
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