Handy-Absatz steigt
Nokia erwartet deutlich weniger Umsatz

Der weltgrößte Handy-Hersteller Nokia hat am Dienstag seine Umsatzerwartung für das zweite Quartal erneut deutlich gesenkt, die Gewinnziele aber bekräftigt.

rtr HELSINKI. Nokia-Aktien reagierten zunächst mit einem Kurssturz von neun Prozent und zogen auch die Titel des Konkurrenten Ericsson in den Keller. Der deutsche Aktienmarkt reagierte zeitweise mit heftigen Kursschwankungen.

Nokia rechne mit einem Umsatzrückgang im Jahresvergleich von zwei bis sechs Prozent für das laufende Quartal, teilte der finnische Weltmarktführer bei Mobil-Telefonen am Dienstag in seinem mit Spannung erwarteten Quartals-Zwischenbericht mit. Zuvor war das Unternehmen von einem zwei- bis siebenprozentigen Umsatzwachstum ausgegangen. Grund für die Revision sei die anhaltend schwache Nachfrage nach Handys und Mobilfunk-Netzwerken. Das Quartalsziel eines Pro-Forma-Gewinns von 0,18 bis 0,20 ? je Aktie nach 0,17 ? im Vorjahr werde aber erfüllt.

Analysten werteten den Zwischenbericht als insgesamt "nicht so negativ". Nokia-Titel drehten im Verlauf ins Plus und gewannen mehr als zwei Prozent auf 13,61 ?. Nokia will am 18. Juli den Bericht zum zweiten Quartal veröffentlichen.

Umsatzrevision weitgehend erwartet

Analysten hatten mit einer Senkung der Umsatzprognose von Nokia gerechnet. Als Überraschung werteten die Experten die deutliche Revision der Umsätze für das Netzwerk-Geschäft. Nokia prognostizierte hier nunmehr einen Rückgang von 20 bis 25 % im Vergleich zum Vorjahr. Zuvor hatte Nokia nur einen Rückgang um fünf bis zehn Prozent angekündigt. Analysten werteten diese Prognose als "Katastrophe" für Nokias schwedischen Konkurrenten Ericsson, der Weltmarktführer bei Mobilfunk-Netzwerken ist. Nokia teilte zudem mit, im zweiten Quartal voraussichtlich weniger Mobiltelefone zu verkaufen als zunächst geplant. Nokia senkte seine Prognose für den Handy-Absatz auf einen Anstieg von bis zu vier Prozent und schloss auch eine Stagnation nicht aus. Zuvor hatte Nokia mit einem Absatzplus von fünf bis zehn Prozent gerechnet.

Erst im April hatten die Finnen ihr Umsatzziel eines mindestens zehnprozentigen Anstiegs im zweiten Quartal gesenkt. Trotz der schwierigen Marktlage werde Nokia seinen Marktanteil im Verlauf des zweiten Quartals auf 38 % steigern, hieß es weiter. Der Markt für Mobiltelefone insgesamt werde im zweiten Quartal voraussichtlich um fünf Prozent zulegen.

Das Festhalten am Gewinnziel habe etwas Optimismus ausgelöst, sagten Experten. "Alles in allem waren die Neuigkeiten nicht so negativ", sagte Jussi Uskola, Analyst bei Nordea Securities. "Zwar sieht es bei den Umsätzen schlimm aus, aber wir wussten alle, dass das Netzwerkgeschäft schlecht läuft." Die Prognosen zum Handy-Absatz wertete Uskola als "nicht so enttäuschend".

Experten bekräftigen schwachen Branchenausblick

Am Montag hatte die Investmentbank Merrill Lynch ihre Prognosen für Nokia sowie den weltweiten Absatz von Mobil-Telefonen für 2002 und 2003 wegen des unverändert schwachen Marktumfelds gesenkt. Auch die Analysten von J.P. Morgan hatten den schwachen Ausblick für die Telekom-Branche bekräftigt und auf die anhaltenden strukturellen Probleme verwiesen. Im vergangenen Jahr war der Absatz von Mobiltelefonen weltweit erstmals gesunken.

Nokia sah sich in den vergangenen Monaten in einem arg gebeutelten Telekom-Markt zudem einem zunehmenden Wettbewerb durch Konkurrenten wie Siemens und Samsung ausgesetzt. Die Unternehmen leiden unter der anhaltenden Investitionszurückhaltung der Telekom-Betreiber etwa in Netzwerke. Dazu trugen Experten zufolge auch die Verzögerungen bei der Markteinführung der dritten Mobilfunkgeneration bei.

Nokia-Titel, die seit Jahresbeginn bereits rund die Hälfte ihres Wertes eingebüßt haben, drehten im Verlauf in einem freundlichen Gesamtmarkt in die Gewinnzone. Die Aktien von Ericsson dagegen lagen noch rund fünf Prozent im Minus bei 18,50 schwedischen Kronen. Der deutsche Aktienindex (Dax) hatte zunächst mit Kursverlusten auf den Zwischenbericht reagiert, pendelte sich dann aber auf sein vorheriges Niveau im positiven Terrain ein.

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