Handy- und Netzwerkspezialisten entwickeln sich immer weiter auseinander
Anleger dürfen auf Nokia hoffen

Morgen und übermorgen blickt die Wall Street zumindest für ein paar Minuten nach Europa: Nokia und Ericsson legen Quartalsergebnisse vor. Verläuft alles nach Plan, dann legt die Börse am Donnerstag zu, weil Nokia Gewinne einfährt und Margen hoch hält. Nur die Umsatzentwicklung wirft einen Schatten. Tags darauf verliert die Börse gewonnenes Terrain, weil Ericsson seine Verluste nicht in den Griff bekommt und die Prognosen kaum befriedigt.

DÜSSELDORF. Nach diesem Schema verliefen die vergangenen Quartale, wenn sich die Finnen stets Donnerstags und die Schweden 24 Stunden später ihren Aktionären präsentierten. Doch es spricht einiges für eine neue Variante: Ergebnisse und Vorhersagen des einen beeinflussen nicht den Kurs des anderen. Warum auch? Schließlich entwickeln sich beide Wettbewerber immer weiter auseinander, wie es die Kursentwicklung längst widerspiegelt.

Ericsson ist zu einem Penny- Stock verkommen. Den Netzwerkspezialisten drücken Nettoschulden, Kredite und Restrukturierungskosten von über sieben Milliarden Euro. Allein im ersten Halbjahr 2002 wurde fast eine Milliarde Euro verbrannt. Eine Kapitalerhöhung verhinderte zuletzt Schlimmeres. Dass die Schweden für ihre neue Aktien 75 % Rabatt bieten mussten, obwohl Großinvestoren Käufe signalisiert hatten, zeigt die Dramatik.

Von einst 107 000 Mitarbeitern bleiben bis Ende nächsten Jahres vielleicht noch 60 000 übrig. So werden beispielsweise in Nürnberg 350 hoch qualifizierte Forscher und Entwickler entlassen. Wie in den meisten vorangegangenen gab es auch im dritten Quartal eine Umsatzwarnung. Den Beteuerungen der Konzernspitze, 2003 endlich wieder Gewinne einzufahren, schenkt kaum eine Investmentbank Glauben. Seit sieben Quartalen schreibt Ericsson Verluste.

Ganz anders Nokia. Keineswegs verschonen Wirtschaftsflaute und Handy-Sättigung die Finnen. Doch Umsatzrückgänge kontert der Marktführer für Mobiltelefone bislang mit steigenden Gewinnen. Analysten staunen Quartal für Quartal, dass Nokia trotz des ruinösen Preiswettbewerbs Umsatzmargen von 20 % halten kann. Mit seiner Devise, den Weltmarktanteil von gut 35 % nicht auf Kosten der Margen auszuweiten, hat Konzernchef Jorma Ollila Wort gehalten und zugleich richtig gehandelt.

Dem schwedischen Konkurrenten wird die Fokussierung auf die Netzwerksparte und das einstige Ringen um die Vorherrschaft bei der UMTS-Ausrüstung zum finanziellen Verhängnis. Egal, wie tief Anleger den Ericsson-Kurs noch fallen lassen, ein Schnäppchen ist die Aktie nicht, allenfalls eine Wette auf Gegenbewegungen nach einem Kursverlust von 98 Prozent.

Nokia ist nach dem 80 prozentigen Minus bezahlbar. Denn mit einem Gewinn von rund 76 Cents pro Aktie im laufenden Jahr und einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18 ist der Handy- und Netzwerkspezialist niedriger bewertet als beispielsweise L?Oreal, LVMH, Wella und Beiersdorf. Warum der Vergleich mit Verbrauchsgüterherstellern? Nokia kämpfte lange mit dem Malus, als High-Tech-Wert nicht mehr durchzugehen. Doch den Konsumvergleich brauchen die Finnen nicht zu scheuen.

Quelle: Handelsblatt

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