Handyhersteller setzen auf Kooperation
Viag Interkom will UMTS mit E-Plus aufbauen

Mit verstärkter Kooperation beim Netzaufbau und geringeren Subventionen für Neukunden wollen die Mobilfunkanbieter in Deutschland auf ein erwartetes schwächeres Marktwachstum und den steigenden Preisdruck reagieren.

Reuters HANNOVER. Vor Beginn der weltgrößten Computermesse Cebit kündigten die beiden kleineren Anbieter E-Plus und Viag Interkom am Mittwoch in Hannover ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit beim milliardenschweren Aufbau des internetfähigen UMTS-Mobilfunknetzes an. Ein neuer Mobilfunkstandard, für den Siemens und Nokia auf der Cebit Geräte vorstellten, eröffnet künftig die Möglichkeit, Handybesitzern automatisch lokale Dienstleistungsangebote zu unterbreiten. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sollte die Cebit, auf der in diesem Jahr mehr als 8000 Aussteller ihre Produkte präsentieren, am Abend eröffnen.

Am deutlichsten plädierte der kleinste Mobilfunkanbieter in Deutschland, Viag Interkom, für eine Zusammenarbeit der Branchenunternehmen. Der Vorsitzende der Geschäftsführung, Maximilian Ardelt, verspricht sich von der gemeinsamen Nutzung von Antennenstandorten Einsparungen von rund 25 %. Der Branchendritte E-Plus rechnet bis zum Jahr 2005 mit UMTS-Investitionen von rund drei Mrd. Euro und strebt noch weitergehende Kooperationen wie den gemeinsamen Netzbetrieb an. Gegen enge Kooperationsmodelle im Netzbetrieb mit einem Einsparpotenzial von bis zu 50 % gibt es allerdings noch Widerstände bei der für die Marktüberwachung zuständigen Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post. Nach den Worten von E-Plus-Geschäftsführer Uwe Bergheim laufen Gespräche mit der Behörde, um weitergehende Kooperationen zu ermöglichen.

Vor allem die beiden UMTS-Lizenznehmer France Telecom mit seinem Partner Mobilcom sowie das Konsortium 3G dürften nach Einschätzung von Branchenexperten an Kooperationen interessiert sein. Diese Unternehmen verfügen in Deutschland - mit Ausnahme von Mobilcom - über keine Kundenbasis und bieten auch keinen eigenen Mobilfunk über den derzeitigen Standard GMS an, der noch mehrere Jahre neben UMTS für Sprachtelefonie betrieben werden wird.

Für die verstärkte Nutzung von verbraucherorientierten Internet- und Datendiensten auf Mobiltelefonen mittels der Technik GPRS stellten Siemens und der Branchenführer Nokia erstmals Geräte vor. Siemens wird sein erstes GPRS-Telefon "S45" ab Juli verkaufen. Mit dem Gerät kann unter anderem per Telefon eingekauft werden. Nokia wird nach eigenen Angaben sein neues GPRS-Modell ab dem dritten Quartal anbieten. Auf der Cebit, die am Abend eröffnet werden sollte, wollen weitere Hersteller ihre GPRS-Handys vorstellen. Bis zur Jahresmitte werden allerdings lediglich GPRS-Geräte des US-Herstellers Motorola zu kaufen sein. GPRS gilt als Vorstufe zur Mobilfunktechnik UMTS, die höhere Datenübertragungsraten möglich machen wird.

Von ortsabhängigen Diensten - wie Restaurant- oder Hotel-Führern sowie Routenplanern - auf dem Handy versprechen sich die Mobilfunkanbieter neue Einnahmequellen, da die Dienste kostenpflichtig sein werden. Handy-Nutzer können sich beispielsweise bei automatischer Ortserkennung in Restaurants einen Tisch reservieren und sich den Weg dorthin anzeigen lassen.

Nach dem rasanten Wachstum auf knapp 50 Mill. Handy-Nutzer in Deutschland im vergangenen Jahr wird für die deutsche Computer- und Telekommunikations-Branche in diesem Jahr mit einem spürbaren Wachstumsdämpfer und einem weltweit wachsenden Wettbewerbs- und Preisdruck gerechnet. Der Branchenverband Bitkom schätzt die Situation der Branche vor allem auf Grund der schwächeren Weltkonjunktur als schwieriger ein, sieht aber keinen Grund zu Pessimismus, wie Bitkom-Präsident Volker Jung sagte. Wachstumsmotoren seien Mobilfunk, elektronischer Handel ("E-Commerce") und nach wie vor das Internet. Der deutsche Markt werde im laufenden Jahr um 8,7 % auf 262 Mrd. DM und im kommenden Jahr um 9,6 % wachsen, nach einem Umsatzplus von 11,1 % im Jahr 2000.

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