Handyhersteller und Netzlieferanten suchen nach Wegen, das flaue Geschäft anzukurbeln
Der neue Multimediadienst soll’s bringen

Messen sind gewöhnlich Orte der gepflegten Selbstdarstellung, wo die Aussteller Selbstbewusstsein demonstrieren und voller Optimismus in die Zukunft blicken. Bei der diesjährigen Mobilfunkmesse in Cannes ist dies anders. Hier überwiegt der Realismus, wenn nicht gar Pessimismus.

"Wir waren früher oft zu optimistisch, jetzt sind wir manchmal zu pessimistisch", warnte Kurt Hellström, Chef von Ericsson, bei seinem Auftritt im feinen Hotel Carlton in Cannes bereits wieder vor Übertreibungen ins Negative. Doch eine Prognose, wann die leidgeprüfte Branche der Handyproduzenten und Lieferanten für Mobilfunkinfrastruktur wieder mit besseren Zeiten rechnen kann, traute auch er sich nicht zu.

Im vergangenen Jahr hat die IT-Industrie eines ihrer schwersten Jahre durchgemacht. Der Handyabsatz ist in Europa kräftig geschrumpft, die Telekomgesellschaften haben ihre Investitionen in neue Mobilfunknetze drastisch gekürzt. Die Folge sind rote Zahlen bei den meisten Anbietern von Mobilfunktelefonen und Ausrüstungen für die Netze.

Überwiegend hoffen die Hersteller auf einen leichten Aufschwung gegen Ende dieses Jahres. Doch die Vorzeichen stehen nicht gut. Auf der Messe in Cannes wurden keine großen Aufträge verkündet oder sensationelle Neuigkeiten verbreitet, die eine Trendwende einläuten könnten.

Da sich die Einführung des künftigen Mobilfunkstandards UMTS weiter verzögert, gibt sich die Branche mit kleinen Schritten zufrieden. Jetzt sollen erst mal die bisherigen Möglichkeiten ausgeschöpft und die vorhandenen Dienste ausgebaut werden. Der überraschend erfolgreiche SMS-Dienst, mit dem Kurznachrichten über das Handy versandt werden können, wird zum MMS-Dienst erweitert.

Bisherige Datendienste waren überwiegend kein Erfolg

"Multimedia Messaging Service" ist denn auch ein Hauptthema auf der Messe in Cannes. Durch die jetzt anlaufende Einführung von Handys mit großem Farbdisplay und teilweise auch mit eingebauter Kamera wird es möglich, per Handy bunte Bilder sowie Video- und Audioclips zu verschicken. Übertragen werden sie auf dem in vielen Ländern Europas bereits eingeführten GPRS-Mobilfunknetz, das die Übertragung von relativ großen Datenmengen erlaubt.

Die bisherigen Datendienste waren überwiegend kein Erfolg. Bestes Beispiel ist das Wap-System. Es ermöglicht eine Internetnutzung per Handy, war und ist aber viel zu umständlich und bietet zu wenig überzeugende Anwendungen.

Sollte der Multimedia-Dienst MMS der erhoffte Erfolg werden, könnten neben den Telekomgesellschaften vor allem die Handyhersteller wieder mit besseren Umsätzen rechnen. Alle großen Anbieter haben für die nächsten Monate MMS-fähige Mobiltelefone angekündigt. Allerdings wird es wegen der zunächst hohen Preise für die schönen Handys eine Weile dauern, bis daraus ein Massengeschäft wird.

Auch den Netzausrüstern winken bei einem Erfolg der Multimediadienste neue Aufträge, schließlich werden die Dienste über das bestehende, bereits überlastete Netz geleitet. Bestellungen zum Ausbau dieses Netzes wären bei Netzausrüstern wie Ericsson, Siemens oder Nokia hoch willkommen. Denn bis sie aus dem Aufbau des UMTS-Netzes nennenswerte Umsätze erzielen können, wird es noch einige Zeit dauern. Siemens rechnet erst für das nächste Jahr mit hohen Umsätzen aus UMTS, obwohl die Auslieferungen jetzt beginnen.

Die Zeit bis dahin könnte für die gesamte Branche noch einmal sehr hart werden. Deshalb hofft nicht nur Ericsson-Chef Kurt Hellström auf überzeugende Anwendungen für die neue multimediale Mobilfunkwelt. "Die Dienste sind die Herausforderung für UMTS - und nicht die Infrastruktur", sagte er in Cannes.

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